DSV-Athlet im Interview
Horn sieht Veränderung im Biathlon – „Spannender für die Fans, schwerer für uns“
Hinter Philipp Horn liegt die erfolgreichste Saison seiner Karriere. Im Interview mit chiemgau24.de spricht er über entscheidende Veränderungen im Biathlon, neue Dynamik im deutschen Team und seine Zukunftspläne.
Der Biathlon-Winter 2025/26 hat für Philipp Horn besondere Geschichten geschrieben. Erstmals lief der 31-Jährige auf ein Weltcuppodest. Bei Olympia verpasste er eine Medaille hauchdünn. Parallel läuft ein Herzensprojekt, das ein Vorbote für die Zukunft ist.
chiemgau24.de traf den Thüringer im Rahmen der Deutschen Meisterschaften am Notschrei. Dort gewann Horn drei Medaillen, darunter zwei goldene. Im Interview geht es um die vergangene Saison, zentrale Änderungen im Biathlon und sein Zukunftsprojekt in Oberhof.
Biathlon: Philipp Horn im Interview – „Daran bin ich dann oft gescheitert“
Herr Horn, wie ist die Vorbereitung bislang gelaufen?
Philipp Horn: Bis auf eine kleine Erkältungswoche bin ich gesund geblieben und konnte das geplante Programm umsetzen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Schießen. Ich habe viel getestet, bin aber bei meinem Anschlag geblieben und versuche, meine Technik weiter zu verbessern und zu stabilisieren.
Sie absolvieren erstmals die Vorbereitung mit A- und B-Kader. Was halten Sie von dieser Maßnahme?
Horn: Eine absolut gute Entscheidung. Ich habe es in meiner Karriere auch oft erlebt, dass es wichtig ist, den Anschluss zu den älteren Athleten zu haben, weil man sich im Training einfach ganz anders pushen kann. Ich versuche dabei, als erfahrener Athlet den Jungen etwas mitzugeben. Grundsätzlich haben wir im Team eine gute Dynamik. Die Jungen sind extrem motiviert, sehr professionell, aber trotzdem auch locker genug, sodass wir auch eine gute Zeit im Training haben. Die beiden Lehrgänge, die wir bis jetzt hatten, waren sehr, sehr gut.
Wie weit sind die jüngeren Athleten bezüglich ihres Leistungsstandes?
Horn: In jüngeren Jahren ist man mit größeren Leistungsschwankungen konfrontiert, das ist ganz normal. Es gibt Phasen, da sind sie auf dem Level von uns älteren Athleten. Aber dann eben auch wieder Phasen, in denen sie es nicht sind. Das sind aber normale körperliche Prozesse und auch Lernphasen, die zu einer Entwicklung dazugehören. Ich erinnere mich noch gut an meine Zeit als junger Athlet. Da konnte ich auch nicht konstant mit Erik Lesser, Arnd Peiffer oder Benni Doll mithalten. Phasenweise ja, aber dann waren auch drei oder vier Wochen dabei, da ging gefühlt gar nichts. Davon erzähle ich den Kollegen auch, wenn sie mal eine schlechtere Phase haben.
Sie haben das Weltcupticket für den Saisonstart bereits sicher. Was ändert das in der Vorbereitung?
Horn: Das ändert auf jeden Fall was. Die Qualifikationsrennen waren für mich oft der größte Druck im ganzen Jahr. Daran bin ich dann auch oft gescheitert. Dabei bin ich mir selbst im Weg gestanden, weil ich mir einfach zu viel Druck gemacht habe. Ich war aber auch schon gesetzt und habe es dabei sehr positiv empfunden, dass ich meinen Formaufbau etwas nach hinten verschieben konnte. Dass ich ganz einfach sagen kann: Ich muss nicht Mitte November zur Quali in absoluter Topform dastehen, sondern ich kann mich wirklich in Richtung Weltcup bestens vorbereiten und vor allen Dingen dann auch in Richtung Saisonhöhepunkt meine Form besser konservieren.
Sie sind ein echter Experte im Sommerbiathlon – gibt es dafür spezielle Gründe?
Horn: (lacht) So ganz erklären kann ich es nicht, aber es gibt schon Faktoren, die für mich sprechen. Mir liegt das Laufen auf Skirollern und Asphalt einfach gut. Ich bin ein eher kräftiger Athlet. Auf dem Roller ist Kraft gleich Vortrieb. Das ist auf Schnee nicht immer der Fall und sicherlich ein Vorteil. Zudem trainiere ich gerne im Sommer, bin auch bei hohen Temperaturen gut belastbar.
Horn über Entwicklung im Biathlon: „Macht es für die Zuschauer spannender, für uns aber schwerer“
Schauen wir auf die letzte Saison zurück. Sie haben endlich den ersten Podestplatz im Weltcup geholt und bei Olympia nur knapp eine Einzelmedaille verpasst. War das die beste Saison ihrer Karriere?
Horn: Ich bin sehr zufrieden gewesen mit der letzten Saison. Auf das Podium habe ich lange hingearbeitet und auch auf meine Leistung bei Olympia kann ich stolz sein – auch ohne die Medaille. Sehr wichtig war für mich, dass ich körperlich in der Lage war, konstant gute Ergebnisse zu erzielen. Auch am Schießstand war ich stabiler als in den vergangenen Jahren. Klar gibt es immer Luft nach oben, aber in Summe bin ich glücklich mit dem letzten Winter.
Wie blicken Sie mit Abstand auf den Olympia-Massenstart zurück – Sie waren ganz nah dran an der Medaille?
Horn: Ich habe noch oft an dieses Rennen gedacht – mit gemischten Gefühlen. Einerseits war das ein bitterer Moment für mich. Ich habe die Medaille ja nicht durch meine vermeintliche Schwäche, dem Schießstand, verloren, sondern durch meine eigentliche Stärke. Klar waren die Umstände ungünstig. Fillon Maillet war läuferisch überragend drauf und ausgerechnet er lief hinter mir. Das hat mich im Nachhinein schon beschäftigt. Aber andererseits betrachte ich dieses Erlebnis auch aus einem positiven Blickwinkel. Ich bin bei meinen ersten Olympischen Spielen bis zur letzten Runde um eine Medaille gelaufen. Das ist ein absolutes Privileg, an das ich mich ein Leben lang erinnern werde und dann doch auch stolz darauf sein kann.
Sie sind noch gegen Martin Fourcade und Johannes Thingnes Boe gelaufen. Hat sich Biathlon ohne diese eine große Figur verändert?
Horn: Einerseits schon. Das konditionelle Niveau, das ein Johannes Thingnes Bø zu seinen besten Zeiten vorgelegt hat, wird es wohl lange nicht mehr geben. Das war wirklich einmalig, wie er da alle deklassiert hat. Auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, dass das durchschnittliche Niveau im Weltcup noch mal gestiegen ist. Dass es eine breitere Masse gibt, die die Möglichkeit hat, vorne in die Top 6 zu laufen. Das macht es für die Zuschauer spannender, für uns aber schwerer. Man muss ein fast perfektes Rennen laufen, um in die Top 6 zu kommen.
Sie sind 31, haben sich den Traum von Olympia erfüllt und auch endlich das Podium geschafft. Wie sehen ihre kurzfristigen Ziele aus?
Horn: Ich möchte in der kommenden Saison da anknüpfen, wo ich letzten Winter aufgehört habe. Das Podium war lange ein Ziel, es soll aber nicht bei einem bleiben. Dieses Gefühl, einen perfekten Wettkampf absolviert zu haben, hat einen großen Reiz auf mich. Das schaffen in einer so komplexen Sportart wie Biathlon nur die wenigsten. Und wenn mir das gelingt, sind weitere Podestplätze möglich – und an einem wirklich perfekten Tag auch mein erster Weltcupsieg.
Biathlon: Horn über seine Zukunft – „Kann nicht sagen, ob ich nächstes Jahr weitermache“
Wie ist Ihre mittel- und langfristige Planung?
Horn: Ich habe keinen genauen Vierjahresplan und schaue von Jahr zu Jahr. Ich kann jetzt noch nicht sagen, ob ich nächstes Jahr weitermachen werde. Das war im Vorjahr aber auch der Fall. Solange ich spüre, dass das Feuer in mir noch brennt und ich jeden Tag mit Spaß zum Training rausgehe und motiviert bin, besser zu werden, ist es noch nicht an der Zeit, das Gewehr an den Nagel zu hängen.
Die Zukunft scheint aber schon vorbereitet. Sie gehen unter die Gastronomen und eröffnen mit Ihrer Frau Antonia in Oberhof ein Hotel. Wie kam es dazu?
Horn: Die Idee gibt es schon lange. Am Anfang waren das so Spinnereien in unseren Köpfen - wie könnte denn das mal aussehen? Und wir haben immer gesagt, wir würden gerne auch weiterhin mit Sportlern zu tun haben. Und da kamen wir irgendwie auf die Idee. Eine Gästeunterkunft für Sportler, das wäre doch eigentlich verdammt cool. Gerade bei uns in Oberhof ist es von der Infrastruktur für Sportler einfach perfekt.
Wie wurde aus den Ideen die konkrete Umsetzung?
Horn: Die Idee war da und wir sind mit offenen Augen durch Oberhof gegangen. Dann hat sich ein konkretes Objekt angeboten, um unsere Idee in die Tat umzusetzen. Wir haben noch einmal intensiv nachgedacht, schließlich ist das eine Entscheidung fürs Leben. Wir haben uns dafür entschieden und das Projekt gestartet. Leicht war das nicht, da wir viel mehr Probleme mit dem Haus hatten, als wir ursprünglich dachten. Aber wir haben die Entscheidung trotzdem noch nicht bereut und ich freue mich, wenn wir jetzt nach zwei Jahren Bauzeit endlich starten und Ende des Jahres die ersten Gäste empfangen können.
Ist das Basislager nur für Profisportler gedacht?
Horn: Nein. Jeder Urlauber, der aktiv ist und der von Oberhof aus Touren starten möchte, ist bei uns herzlich willkommen. Oberhof ist ein sehr sportbegeisterter Ort und der zieht natürlich auch sportliche Menschen an. Und genau das ist unsere Zielgruppe.
Wie sehen die Abläufe dann im Winter aus? Sie sind ja monatelang unterwegs . . .
Horn: Das haben wir natürlich klar abgesprochen. Meine Frau Antonia ist die Geschäftsführerin und wird im Winter das Basislager managen. Ich möchte mich voll auf meinen Sport konzentrieren, anders würde es nicht funktionieren. (Quelle: chiemgau24.de, truf)