DSV-Sportdirektor im Interview
Biathlon: „Das reicht mir nicht“ – Eisenbichler über Ziele, Änderungen und große Debatten
Bernd Eisenbichler ist wieder Sportdirektor im deutschen Biathlon. Im Interview mit chiemgau24.de spricht er über seine Rückkehr, neue Wege und die öffentlichen Debatten der Vorsaison.
Von 2019 bis 2022 war Bernd Eisenbichler schon einmal Sportdirektor im deutschen Biathlon. Anschließend wechselte er in die freie Wirtschaft und übernahm eine verantwortliche Position beim Bekleidungshersteller ‚Maloja‘. Seit dem 1. Mai ist der 50-Jährige zurück in seinem alten Job.
chiemgau24.de traf den Oberbayern bei der Sommereinkleidung des Deutschen Skiverbandes in Garching bei München zum Interview. Dabei geht es um seine Rückkehr, den Zustand des deutschen Biathlons, angestrebte Änderungen und die öffentliche Untergangsstimmung nach der vergangenen Saison.
Biathlon: Sportdirektor Eisenbichler im Interview – „Ich wollte zu schnell verändern“
Herr Eisenbichler, wie sind die ersten Wochen als Sportdirektor im deutschen Biathlon verlaufen?
Bernd Eisenbichler: März und April waren etwas stressig, da ich einerseits meinen Job bei Maloja sauber übergeben wollte, gleichzeitig aber wichtige Planungen anstanden. Das war herausfordernd, hat aber gut geklappt. Seit 1. Mai liegt der volle Fokus auf Biathlon, was mir großen Spaß macht.
Was war der Grund für Ihre Rückkehr in den Leistungssport?
Eisenbichler: Ich hatte mich 2022 bewusst für einen Wechsel in die freie Wirtschaft entschieden. Nach 23 Jahren im Leistungssport war das die Möglichkeit, neue Perspektiven zu entwickeln und mir selbst neue Impulse zu setzen. Die Leidenschaft für Biathlon war aber immer da. Nach den ersten Gesprächen mit dem Deutschen Skiverband war für mich dann schnell klar, dass ich den Weg zurück in den Leistungssport gehen will.
Gibt es spezifische Elemente, die Sie aus der freien Wirtschaft in den Leistungssport transportieren wollen?
Eisenbichler: Mehr Konsequenz an den wichtigen Stellen – es stehen wichtige Veränderungen und große Herausforderungen an. Da ist Konsequenz ein zentraler Faktor.
Was wollen Sie im Gegensatz zu Ihrer ersten Amtszeit anders machen?
Eisenbichler: Ich wollte damals zu viele Dinge zu schnell verändern. Jetzt will ich die Themen priorisierter angehen.
Sind Sie für einen festgelegten Zeitraum angestellt?
Eisenbichler: Wir haben intern keinen festen Zeitplan festgelegt, aber zwei bis drei olympische Zyklen sind meiner Meinung nach wichtig, wenn man substanzielle Änderungen umsetzen will. Das hängt aber natürlich auch vom Erfolg und den handelnden Personen ab.
Biathlon: Eisenbichler über Änderungen - „Einheitliche Richtung, keine Gleichmacherei“
Welche konkreten Veränderungen wurden bereits umgesetzt?
Eisenbichler: Personell haben wir im Damenbereich die Besetzung des Trainerstabes verändert – vom Olympiakader bis zu den Nachwuchskadern. Auch im technischen und medizinischen Bereich haben wir Änderungen vorgenommen. Strukturell ist es wichtig, dass wir die Zusammenarbeit und die Kommunikation zwischen dem Damen- und Herrenbereich weiterentwickeln. Auch die Übergänge zwischen den einzelnen Kadern sollen fließender sein. Wir wollen eine einheitliche Richtung gehen, ohne Gleichmacherei zu betreiben.
Wie hat sich Biathlon in den vergangenen Jahren verändert?
Eisenbichler: Aus sportlicher Sicht ist auffällig, dass sich die Schießzeit in den vergangenen Jahren massiv verändert hat. Das Niveau ist insgesamt sehr hoch und wird in den kommenden Jahren wohl noch höher werden. Was sich zum Glück nicht geändert hat, ist die Breite an Nationen, die auf Topniveau konkurrenzfähig sind. Das macht es für uns nicht leichter, tut dem Sport aber sehr gut.
Wie hat sich Biathlon in Deutschland verändert?
Eisenbichler: Auch wenn ich Dinge verändern und neue Impulse setzen will, wurde in den vergangenen Jahren viel richtig gemacht. Es wurden strukturell wichtige Punkte angestoßen, auf denen wir jetzt aufbauen können und die für die angedachte Weiterentwicklung sehr wichtig sind. Die gezielte Förderung des Nachwuchses ist hierbei ein zentraler Faktor.
Biathlon: „Das reicht mir nicht“ – Eisenbichler will DSV breit aufstellen
Die öffentliche Kritik nach Olympia war groß. Wie haben Sie das wahrgenommen?
Eisenbichler: Die vergangene Saison war sicher nicht zufriedenstellend. Die in Teilen aufgekommene Untergangsstimmung teile ich aber keineswegs. Einerseits sind wir mit einigen jungen Athleten bei Olympia angetreten, andererseits waren die Ergebnisse nicht so schlecht, wie sie gemacht wurden. Ein vierter oder fünfter Platz bei Olympia hat nichts mit Untergang zu tun.
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Ist die Öffentlichkeit zu ungeduldig?
Eisenbichler: Ich verstehe die hohe Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit, das soll auch so sein. Biathlon ist in Deutschland sehr beliebt und hat in der Vergangenheit große Erfolge gefeiert. Aber wir müssen die Dinge intern anders einsortieren. In der Saison 24/25 haben die Erfolge von Franziska Preuß alles überstrahlt und gefühlt war alles gut in Biathlon-Deutschland. Aber das reicht mir nicht. Wir müssen gerade in der Breite gut aufgestellt sein. Als Franzi in der Folgesaison öfter ausfiel, war plötzlich der Druck auf den Rest des Teams immens. Das kann gerade junge Athleten und Athletinnen blockieren. Daher ist es mein klares Ziel, dass wir bei beiden Geschlechtern möglichst viele Optionen auf hohem Niveau haben.
Im Gegensatz zum vergangenen Jahr fließt die Deutsche Meisterschaft im September nicht mehr in die Qualifikation für die Startplätze im Winter ein. Was sind die Gründe für diese Änderung?
Eisenbichler: Ich halte nichts von einer Vorqualifikation im Sommer. Das ist mir zu weit weg vom Winter. Wir machen die konkrete Qualifikation kurz vor dem Start in die Saison. Dann sehen wir genau, wer entsprechend in Form ist, und können zum wirklich wichtigen Zeitpunkt mit der stärksten Mannschaft an den Start gehen.
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Klingt nach einer Entwertung der Deutschen Meisterschaft und der Vorbereitungsphase . . .
Eisenbichler: Ist es aber nicht. Die offenen Tickets für den Weltcup und den IBU-Cup werden auch durch Trainerentscheid vergeben. Wer also in der Vorbereitung überzeugt, kann trotzdem beim Saisonauftakt dabei sein. Das gilt auch für die Athleten, die aktuell keinen Kaderstatus haben. Alle können sich explizit auch über die Deutsche Meisterschaft für den Winter empfehlen. (Quelle: chiemgau24.de, truf)