Kampf um große Beträge

500 Milliarden Sondervermögen: Deutscher Sport fordert deutliches Signal von der Politik

Die Bundespolitik berät über den Einsatz des Sondervermögens für die Infrastruktur – der Deutsche Sport fordert ebenfalls Beachtung.

Frankfurt – Mit einer Pressemitteilung, flankiert von Social-Media-Beiträgen, hat sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am Mittwoch (18. Juni) zu Wort gemeldet. Grund dafür sind die Beratungen im politischen Berlin über die Verwendung des 500-Milliarden-Euro schweren Sondervermögens, das die Regierungskoalition aus CDU und SPD für Investitionen in die Infrastruktur zur Verfügung stellen will. Daran – so die Dachorganisation des deutschen Sports – solle die hiesige Sportinfrastruktur ausreichend bedacht werden.

Marode Hallen und Schwimmbäder - Sanierungsstau auf 31 Milliarden Euro geschätzt

Seit Mitte März ist klar: Die deutsche Politik macht den Weg frei, für ein „Sondervermögen Infrastruktur“. In seiner Erklärung betont der DOSB, dessen Aufruf unter anderem auch vom Mitgliedsverband DFB geteilt wurde, dass der Deutsche Sport bei den aktuellen Verhandlungen über das große Geld übergangen werden könnte. Daher veröffentlichten die Beteiligten einen gemeinsamen Aufruf – als klaren Appell an die Politik: „Der Sport gehört ins Sondervermögen! Für die Vereine und die Gesellschaft!“

Der Verband weist auf den teils dramatischen Zustand vieler Sportstätten in Deutschland hin. Die meisten Anlagen stammen noch aus der Zeit des „Goldenen Plans“ der 1960er- und 70er-Jahre. Sanierungen blieben in vielen Fällen aus – der Sanierungsstau wird auf über 31 Milliarden Euro geschätzt.

Laut Sportentwicklungsbericht sehen sich fast 4.000 Vereine durch marode Anlagen in ihrer Existenz bedroht. Auch Schwimmbäder sind massiv betroffen: Jedes siebte Bad könnte in den nächsten drei Jahren schließen. Dagegen führt der DOSB weiter ins Feld, dass Investitionen in Sportinfrastruktur sich in gesellschaftlicher Hinsicht auszahlen würden: So schaffen sie Orte der Begegnung, stärken die Gemeinschaft, fördern die Gesundheit und erhöhen die Lebensqualität vor Ort.

Neuner, Vettel & Co.: Was machen Deutschlands zurückgezogene Sport-Helden?

Magdalena Neuner, Sebastian Vettel und Franziska von Almsick leben heute ein zurückgezogenes Leben.
Magdalena Neuner legte eine unfassbare Biathlon-Karriere hin. Zwölfmal wurde sie Weltmeisterin, zweimal Olympiasiegerin und dreimal holte sie den Gesamtweltcup. Sie ist zwar nicht mehr dauerhaft präsent, tritt aber immer noch vereinzelt in Fernsehshows auf. Außerdem machte sie eine Ausbildung zur Stress- und Resilienztrainerin.
Auch Michael Greiss war ein echtes Biathlon-Ass. Vor allem die drei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen von Turin 2006 werden immer in Erinnerung bleiben. Ab und zu sieht man Greiss noch als Experten bei Eurosport. Außerdem ist er Botschafter des Vereins Athletes for Ukraine.
Sie wird immer zu den größten Fußballerinnen aller Zeiten zählen: Birgit Prinz. Die Rekordnationalspielerin erzielte für die deutsche Nationalmannschaft unfassbare 128 Tore und führte sie in den Jahren 2003 und 2007 zum WM-Titel. Mittlerweile ist die Ex-Stürmerin als Sportpsychologin für die Frauen der TSG Hoffenheim tätig und hatte bis 2023 die gleiche Position im DFB-Team.
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Aktuelle Förderprogramme: „Sportmilliarde“ laut DOSB nicht ausreichend

Die bisherigen Fördermittel gelten hingegen als unzureichend. Zwar wurden Sportstätten in der Vergangenheit beispielsweise durch das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ (SJK) unterstützt – die Nachfrage überstieg jedoch die verfügbaren Mittel bei Weitem.

Im Koalitionsvertrag der aktuellen Legislaturperiode ist zwar festgehalten, dass „mindestens eine Milliarde Euro zur Verfügung“ gestellt werden soll. Doch diese sogenannte „Sportmilliarde“ ist auf den gesamten Zeitraum der Regierungskoalition – also voraussichtlich vier Jahre – verteilt. Aus Sicht der Sportverbände ist das deutlich zu wenig: Zwar könnte die Milliarde einen Beitrag zur Entlastung des Sanierungsstaus leisten, den tatsächlichen Bedarf allein jedoch nicht decken.

Wie viel Investitionen können im Sport über das Sondervermögen getätigt werden?

Konkurrenzkampf ums Sondervermögen - der Sport bringt sich in Stellung

Aus diesem Grund fordert der DOSB die verbindliche Aufnahme des Sports in die Ausführungsgesetze - konkret im Länder-und-Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz (LuKIFG) - zum Sondervermögen. Nur so könne es Ländern und Kommunen in der Praxis erleichtert werden, Fördergelder aus dem Sondervermögen gezielt in Sportinfrastruktur zu investieren.

Nach Ansicht des organisierten Sports brauche es also einen „Zweiklang“: eine parallele Förderung aus dem langfristigen Bundesprogramm gemäß Koalitionsvertrag („Sportmilliarde“) sowie eine finanzielle Unterstützung der Länder und Kommunen über das geplante Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität.

Ob und wie groß das Kuchenstück sein wird, das dem Sport nach den Verhandlungen zuteilwird, bleibt abzuwarten – denn Interessengruppen gibt es viele. Dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sind 102 Mitgliedsorganisationen angeschlossen. Diese gliedern sich in 16 Landessportbünde, 69 Spitzenverbände und 17 Verbände mit besonderen Aufgaben. Insgesamt repräsentieren sie damit mehr als 28 Millionen Mitgliedschaften in etwa 86.000 Turn- und Sportvereinen. (nki)

Rubriklistenbild: © IMAGO/dts Nachrichtenagentur

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