Weltweit beliebte Wintersportart
Historie, Disziplinen und die erfolgreichsten Sportler in der Geschichte des Biathlons
Biathlon zählt zu den populärsten und beliebtesten Wintersportarten in Deutschland und weltweit. Nachfolgend alle wichtigen Infos über die Sportart.
Frankfurt – Wohl kaum eine Wintersportart zieht die Menschen weltweit so in ihren Bann wie Biathlon. Alleine in Deutschland verfolgen jedes Jahr Millionen von Zuschauern die Rennen im Fernsehen. Dabei handelt sich um eine Kombinationssportart, die die Disziplinen Laufen und Schießen miteinander vereint. Für Athleten und Fans besteht daher der besondere Reiz in der Symbiose aus körperlicher Ausdauer und mentaler Konzentration sowie Präzision.
| Sportart | Biathlon |
|---|---|
| Kombination | Langlauf und Schießen |
| Verband | Internationale Biathlon Union (IBU) |
Biathlon als Kombination aus Langlauf und Schießen
Anders als bei vielen anderen Wintersportarten wie beispielsweise Langlauf, Ski Alpin oder Skispringen, ist beim Biathlon eine Kombination aus gleich zwei Sportarten – Langlauf und Schießen – notwendig, um erfolgreich zu sein. Daher kommt auch der Name Biathlon, der auf Lateinisch und Griechisch so viel bedeutet wie „Zweifach-Kampf“.
Je nach unterschiedlicher Disziplin haben die Athletinnen und Athleten eine bestimmte Streckendistanz in mehreren Runden zurückzulegen. Nach jeder Runde (bis auf die Schlussrunde) erfolgen entweder liegend oder stehend Schüsse auf fünf Ziele in 50 Meter Entfernung. Reihenfolge und Häufigkeit der Schießen variieren dabei von Disziplin zu Disziplin.
Liegend und stehend: Das Schießen beim Biathlon
Während der Skilanglauf schnell erklärt ist, entscheidet nicht selten das komplexe Schießen über Sieg oder Niederlage beim Biathlon. Bei jedem Rennen müssen die Athletinnen und Athleten mindestens einmal liegend und einmal stehend an den Schießstand. Allgemein hin wird das Liegendschießen als die einfachere der beiden Schießarten angesehen, da der Körper Bodenkontakt hat und das Gewehr durch Abstützen der Arme eine höhere Stabilität aufweist. Die Scheibengröße, auf die liegend geschossen wird, beträgt im Durchmesser 45,5 Zentimeter.
Deutlich schwieriger ist der Stehendanschlag, da die gesamte Stabilität des Gewehrs aus dem Körper selbst kommen muss. Besonders die durchs Laufen belasteten Beine können hier zum Problem werden und den Körper ungewollt Bewegung verleihen. Um die Schwierigkeit im Vergleich zum Liegendschießen auszugleichen, beträgt die verfügbare Trefferfläche hier im Durchmesser 11,5 Zentimeter.
Militärpatrouillenlauf als Vorgänger des modernen Biathlons
Die sportlichen Anfänge des Biathlons ereigneten sich im 18. Jahrhundert. Zu dieser Zeit galt das Skifahren als wichtigster Militärsport in Nordeuropa. Schwedische und norwegische Soldaten absolvierten 1767 die ersten überlieferten Wettkämpfe, bei denen aus vollem Skilanglauf heraus geschossen wurde. Bis ins späte 19. Jahrhundert blieben organisierte Wettkämpfe aber aus.
Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Kombination aus Skilanglauf und Schießen zu hoch angesehenen militärischen Wettkämpfen. Zunächst als Militärskilauf, entwickelte sich der Militärischer Patrouillenlauf, der als Vorgänger des heutigen Biathlons angesehen wird. Bis 1930 wurde der Militärpatrouillenlauf ausschließlich im Team absolviert. Eine Mannschaft bestand dabei meist aus vier Soldaten, die nach einer 30 Kilometer langen Strecke liegend eine Schießprüfung zu absolvieren hatten. Dabei waren nur Angehörige der Armee zugelassen.
Der Militärpatrouillenlauf wurde bei den Olympischen Winterspielen 1924 als eigene Disziplin ausgetragen und stand bei den Spielen 1928, 1936 und 1948 als Demonstrationswettbewerb auf dem Programm. 1930 gab es nicht nur die ersten Einzelwettkämpfe, sondern auch die ersten Weltmeisterschaften im Einzel- und Mannschaftskampf.
Biathlon wird moderner und zuschauerfreundlicher
Erst im Jahr 1949 löste der Name Biathlon den Militärpatrouillenlauf ab und die Sportart wurde auch für zivile Athleten außerhalb des Militärs freigegeben. 1954 wurde Biathlon offiziell vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) als eigenständige Sportart anerkannt und ein Jahr darauf das Konzept des modernen Winterbiathlons eingeführt.
1957 folgte die Aufnahme in den Internationalen Verband für Modernen Fünfkampf und Biathlon (UIPMB). Ein Jahr später, 1958, wurde die erste „Weltmeisterschaft Olympischer Biathlon“ ausgetragen, zwei Jahre darauf war Biathlon erstmals Teil der Olympischen Winterspiele und der Sport in seiner heutigen Form international anerkannt.
In den folgenden Jahren durchlief der Sport tiefgreifende Veränderungen, die vor allem das Schießen betrafen. 1976 wurden erstmals die bis dahin verwendeten Großkaliber-Militärwaffen gegen die bis heute eingesetzten .22-Kaliber ersetzt. Darüber wurden die Schießstände immer moderner und 1979 das sogenannte Klappscheibensystem entwickelt, das seither beim Schießen in 50 Metern Entfernung zu den Athleten zum Einsatz kommt. Dadurch wurde der Sport zuschauerfreundlicher gestaltet und entwickelte sich zum Publikumsmagnet, nachdem Athletinnen und Athleten zuvor oft mitten im Wald auf Papierzielscheiben, später sogar Ballons und Glassplatten schossen.
Biathlonsport gründet eigenen Verband: Internationale Biathlon Union (IBU)
Das Jahr 1993 markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des Biathlons. Durch die gesteigerte Popularität in den vorangegangenen Jahren sonderte sich der Biathlonsport von der UIPMB ab und gründete mit 57 Mitgliedern einen eigenen Verband.
Die Internationale Biathlon Union (IBU) wurde 1998 vom IOC anerkannt und trägt seither die wichtigsten Biathlon-Wettbewerbe aus. Biathlon ist damit der einzige Skisport, der nicht von der Fédération Internationale de Ski (FIS) reglementiert wird. Die IBU ist auch Organisator der Biathlon-Weltcups bei Männern und Frauen, der jeweils höchsten Wettkampfklasse des Biathlons.
Verschiedene Disziplinen im Biathlon
Im Laufe der Jahre entstanden im Biathlon viele neue Disziplinen. Nachdem zu Beginn lediglich Rennen im sogenannten Einzel ausgetragen wurden, gibt es heute ganze sieben Disziplinen, die im Weltcup und bei Olympischen Winterspielen und Weltmeisterschaften ausgetragen werden. Nachfolgend eine Übersicht über die einzelnen Disziplinen und ihre Wettkampfform:
- Sprint: Ist die am häufigsten gelaufene Disziplin im Weltcup. Männer haben eine Strecke von 10 Kilometer zu laufen, Frauen 7,5 Kilometer. Die Athleten gehen im Intervallstart in der Regel im Abstand von 30 Sekunden an den Start. Es wird zweimal in der Abfolge liegend–stehend geschossen. Für jeden Fehlschuss muss eine Strafrunde von 150 extra Metern absolviert werden.
- Verfolgung: Ist die zweithäufigste Disziplin im Weltcup und folgt auf den Sprint. Die daraus besten 60 Athleten gehen in der Reihenfolge ihrer Platzierung und mit den jeweiligen Zeitrückständen ins Verfolgungsrennen auf den Sprint-Sieger. Bei Männern beträgt die Strecke 15 Kilometer, bei Frauen 12,5 Kilometer. Es wird zunächst zweimal liegend, dann zweimal stehend geschossen. Wie im Sprint gibt es pro Fehlschuss eine Strafrunde.
- Einzelwettkampf: Wird trotz der lange zurückreichenden Tradition nur wenige Male pro Saison gelaufen. Die Streckenlänge beträgt für Männer 20 Kilometer, für Frauen 15 Kilometer. Es wird im Wechsel liegend – stehend insgesamt viermal geschossen, für jeden Fehlschuss wird eine Strafminute auf die Laufzeit hinzuaddiert.
- Massenstart: Jeweils 30 Athleten bei Männern und Frauen gehen zeitgleich in zehn Startreihen mit jeweils drei Athleten hintereinander an den Start. Die Männer laufen 15, Kilometer, die Frauen 12,5. Es wird erst zweimal liegend, dann zweimal stehend geschossen. Pro Fehlschuss gibt es eine zu laufenden Strafrunde.
- Staffelwettbewerb: Bei Männern und Frauen bilden jeweils vier Athlet*innen einer Nation ein Team. Die Männer haben pro Läufer 7,5 Kilometer zu absolvieren und die Frauen pro Läuferin 6 Kilometer. Anschließend wird an das nächste Teammitglied übergeben. Es wird je einmal liegend und stehend geschossen. Zusätzlich zu den 5 regulären Schüssen stehen jedem Athleten pro Schießeinlage drei Reserveschüsse für zuvor verfehlte Scheiben zur Verfügung. Diese Reservepatronen müssen bei Bedarf einzeln nachgeladen werden. Sollten nach maximal acht Schüssen nicht alle Ziele getroffen worden sein, muss eine Strafrunde gelaufen werden.
- Mixed-Staffel: Eine Mannschaft besteht hier aus zwei Männern und zwei Frauen einer Nation. Die Regeln sind identisch zum normalen Staffelwettbewerb. Die Laufstrecke beträgt für alle Teammitglieder entweder 7,5 Kilometer (wenn die Männer zuerst starten), oder 6,5 Kilometer (wenn die Frauen zuerst starten).
- Single-Mixed-Staffel: Eine Mannschaft besteht nur aus einer Frau und einem Mann einer Nation, die im Wechsel laufen. Frauen laufen zwei Mal 1,5 Kilometer und absolvieren nach den Runden erst liegend, dann stehend ein Schießen. Nach dem Stehendschießen folgt ohne weitere Runde direkt der Wechsel auf den Mann. Dieser absolviert die gleiche Strecke und übergibt wieder an die Frau, die das gleiche nochmal absolviert. Zum Schluss folgt wieder der Mann, der nach dem letzten Schießen jedoch noch eine weitere Runde laufen muss. Daraus ergibt sich eine Gesamtlaufstrecke von 6 (Frau) + 7,5 Kilometer (Mann). Die Regeln beim Schieße sind dieselben, wie im normalen Staffelwettbewerb.
Die erfolgreichsten Biathleten der Geschichte
Zahlreiche Biathleten haben sich im Laufe der Jahre durch ihre Erfolge in die Geschichtsbücher eingetragen. Einer der erfolgreichsten überhaupt ist Ole Einar Björndalen. Mit 8 Olympiasiegen (die meisten in der Geschichte), 20 Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften und sechs Gesamtweltcupsiegen gilt der Norweger als einer der besten Biathleten der Geschichte.
Auch Björndalens Landsmann Johannes Thingnes Bö prägte eine eigene Ära im Biathlon. Neben fünf Olympiasiegen holte Bö auch ganze 23 WM-Titel und ist damit Rekordhalter (Stand: 11. März 2025). Mit Martin Fourcade steht auch ein Franzose in der Liste der besten Biathleten überhaupt. Fourcade ist mit sieben Gesamtweltcupsiegen Rekordhalter in dieser Kategorie. Dazu holte er fünfmal Olympia-Gold und 13 WM-Titel.
Aus deutscher Sicht zählen Ricco Groß und Sven Fischer zu den besten Biathleten der Geschichte. Groß holte vier Olympiasiege und neun WM-Titel, dazu 33 Siege im Weltcup. Fischer gewann ebenfalls viermal Olympia-Gold, dazu sieben WM-Titel und feierte 57 Siege im Weltcup.
Die erfolgreichsten Biathletinnen der Geschichte
Auch bei den Biathletinnen gibt es einige große Namen. Die erfolgreichste Athletin im Weltcup ist Magdalena Forbserg mit 42 Rennsiegen und sechs Gesamtsiegen. Dazu holte die Schwedin auch sechsmal WM-Gold, blieb jedoch bei Olympia ohne Gold. Bei den Olympischen Spielen ist die Belarussin Darja Domratschawa mit vier Goldmedaillen die erfolgreichste Biathletin. Bei Weltmeisterschaften gilt die Norwegerin Marte Olsbu Røiseland mit 13 Siegen als erfolgreichste Athletin.
Auch zahlreiche deutsche Biathletinnen zeigten über die Jahre herausragende Leistungen. Eine der erfolgreichsten ist Magdalena Neuner mit zwei Olympiasiegen, zwölf WM-Titeln und drei Siegen im Gesamtweltcup. Laura Dahlmeier holte in ihrer kurzen Karriere ebenfalls zweimal Olympia-Gold und sieben WM-Titel. Kathi Wilhelm gewann sogar dreimal Olympia-Gold und holte dazu fünf WM-Titel. Weitere große deutsche Biathletinnen waren unter anderem Uschi Disl, Petra Behle und Andrea Henkel.
Biathlon als Zuschauermagnet und beliebteste Wintersportart
Während Biathlon in Russland und Norwegen bereits seit Jahrzehnten von großem Interesse ist, stieg die Popularität des Sports in Deutschland ab den 1990er-Jahren stark an. Rennen im Weltcup, bei Weltmeisterschaften oder Olympia werden meist im öffentlich-rechtlichen Fernsehen von ARD oder ZDF gezeigt und erreichen dabei oftmals mehrere Millionen Menschen vor den TV-Bildschirmen. Seit vielen Jahren liefern die Biathlon-Übertragungen so die höchsten Einschaltquoten aller Wintersportarten.
Auch in diversen Umfragen seit dem Jahr 2000 geben die an Sport interessierten Deutschen meist Biathlon als ihre beliebteste Wintersportart an – oftmals in engem Abstand zum Skispringen. Dazu passend sind auch die jährlichen Biathlon-Rennen in Ruhpolding und Oberhof meist restlos ausverkauft und bescheren den Fans in heimischen Gefilden Biathlon-Spitzenklasse.
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