Breitensport
Dennis Kocker bald nicht mehr Stadtsportbund-Präsident
"Zurück zu den Wurzeln", sagt sich Dennis Kocker und kehrt wieder als Schiedsrichter auf den Fußball-Platz zurück. Im April wird er sein Amt als Stadtsportbund-Präsident abgeben.
Hamm - Der frühere Hammer SPD-Ratsherr Dennis Kocker, der 2017 schon alle Parteiämter niederlegte, wird im April bei der Jahreshauptversammlung nicht mehr als Präsident des Stadtsportbundes Hamm kandidieren. Den Grund verriet der 40-jährige Rechtsanwalt im Gespräch mit Peter Schwennecker.
Ich habe fast alles neu gekauft. Bis auf die alten Fußballschuhe, die passen tatsächlich noch. Aus hygienischen Gründen habe ich mir zwei neue Pfeifen zugelegt. Da ich vor einiger Zeit Gewicht abgenommen, inzwischen aber wieder ein paar Kilos drauf habe, habe ich mir zur Vorsicht ein Trikot in Größe XL und eins in L gekauft.
Ich habe schon im vergangenen Jahr oft darüber nachgedacht, wieder zu pfeifen. Doch hatte ich da aus beruflichen Gründen wenig Zeit. Der Kreisvorsitzende Michael Allery und Torsten Perschke, der Vorsitzende des Kreisschiedsrichterausschusses, haben mir aber gesagt, wenn ich wirklich ernsthaft darüber nachdenken würde, dann sieh zu. Der Kreis kann dich gut gebrauchten. Da habe ich dann kurz entschlossen okay gesagt, ihr könnt mich jetzt wieder ansetzen.
Ich erwarte jetzt keine Gala-Nominierungen, sondern fange erst einmal unten in den Kreisligen an. Bezirksliga wäre das, was ich gerne noch einmal pfeifen möchte. Früher habe ich Spiele in der Landesliga geleitet, habe in der Oberliga als Assistent an der Linie gestanden. Das würde ich natürlich auch gerne wieder machen, um die jungen Leute zu unterstützen. Ich bin jetzt 40, die Altersgrenze im Amateurbereich liegt bei 55.
Ich hatte sogar einen internationalen Einsatz. 2006 war ich bei der Weltmeisterschaft der geistig Behinderten Assistent von Rene Kunsleben beim Spiel Deutschland gegen Nordirland in Lippstadt. Die Hütte war mit 10 000 Zuschauern voll, und ich habe in der 88. Minute das 1:0 von Deutschland als abseits abgewunken. Da habe ich anschließend Blut und Wasser geschwitzt, ob die Entscheidung richtig war. Im WDR war dann aber abends zu sehen, dass es abseits war.
Ich war ja nicht ganz raus. Ich war zwar kein aktiver Schiedsrichter mehr, habe aber passiv weiter dazugehört. Ich habe die Kreisjugendspruchkammer geführt, war bis 2019 Vorsitzender der Bezirksspruchkammer. Da durfte ich kein aktiver Schiedsrichter mehr sein. Zudem saß ich beim Westdeutschen Fußball-Verband im Verbandsgericht. Regeltechnisch war ich deshalb weiter am Ball. Ich habe Anfang der Woche beim Belehrungsabend an einem Regeltest teilgenommen. Früher hatte ich immer null Fehler, jetzt habe ich einen gemacht. Das hat mich schon irritiert. Aber diese Regel kannte ich nicht. Ob ich jetzt noch pfeifen kann, das müssen andere beurteilen. Nach meiner Zusage habe ich aber sehr viele positive Rückmeldungen bekommen. Ich bin jedenfalls wieder Feuer und Flamme.
Das kann man so sehen, zumal ich im April auch nicht mehr als Präsident des Stadtsportbundes kandidieren werde. Wenn man vom SSB absieht, habe ich in den vergangenen zwei Jahren keinerlei Funktion mehr ausgeübt. Ich habe viel Freizeit gehabt, vor allem an den Wochenenden. Das habe ich früher nie gehabt, das hat mir aber sehr gut getan. Deswegen habe ich mich dazu entschieden, nur noch das zu tun, was mir früher richtig Spaß gemacht hat. Ich habe in jungen Jahren auch Kampfsport gemacht, habe es beim Ninjutsu, auch Bujinkan genannt, 1998 sogar bis zum Schwarzgurt gebracht, allerdings 2001 aufgehört. Vielleicht fange ich da auch noch einmal wieder mit an.
Die liegen allein im beruflichen Bereich. Die Aufgaben in der Kanzlei nehmen stetig zu. In der Woche bin ich voll ausgelastet, habe inzwischen meinen dritten Fachanwalt gemacht. Ich komme selten früh aus dem Büro. Deswegen schaffe ich es nicht, unter der Woche andere Termine wahrzunehmen. Die Aufgaben im Stadtsportbund sind so umfangreich geworden, dass es nicht mehr reicht, eine Präsidiumssitzung alle sechs Wochen abzuhalten. Mir gelingt es jetzt schon nicht mehr, an allen Präsidiumssitzungen teilzunehmen. Deswegen haben wir uns darauf verständigt, eine Nachfolgelösung zu suchen.
Das ist immer mein Verein gewesen und wird auch immer mein Verein bleiben. Als gebürtiger Ahlener würde ich auch nicht in den Kreis Beckum wechseln, obwohl mein Vater dort gepfiffen hat. Aber ich bin im Kreis Unna-Hamm groß geworden, fühle mich hier wohl und kenne alle Vereine.
Ich habe kein Problem damit, in den unteren Ligen zu pfeifen. Lustig ist, dass ich schon am vergangenen Mittwoch das Testspiel beider erster Mannschaften der Vereine geleitet habe. Die Klasse ist mir eigentlich egal. In meinen Hochzeiten hätte ich früher vielleicht die Nase gerümpft, Kreisliga C oder B zu pfeifen. Diese Vereine haben aber genau so ein Anrecht einen Schiedsrichter zu bekommen wie andere auch.
Keine Linienrichter, keine Torlinientechnik und keinen Videoassistenten und viele, die meckern. In den unteren Klassen ist das schon richtig harte Arbeit. Die Zahl der Schiedsrichter geht immer weiter zurück. Und wenn ich dann sehe, dass in einigen Kreisen einige Ligen schon nicht mehr besetzt werden können, dann finde ich das schade.
Nein, überhaupt nicht. Ich kenne ja auch die Spruchkammerseite, war bei einigen Verfahren mit Gewalt gegen den Schiedsrichter dabei. Bei uns im Kreis hat es das nur sehr selten gegeben. Die Hammer Vereine sind in dieser Hinsicht sehr diszipliniert. Ich bin seit 1994 Schiedsrichter, mich ist noch nie einer körperlich angegangen. Vielleicht wird das auch von einigen Medien zu sehr dramatisiert. Das klingt manchmal so, als müssten die Schiedsrichter jeden Sonntag um ihr Leben fürchten. Der Kreis Unna-Hamm ist ein sehr vernünftiger Kreis. Michael Allery und Torsten Perschke haben in den vergangenen Jahren sehr gute Arbeit geleistet und sich auch immer für die Schiedsrichter eingesetzt.
Das hat sich mit den Jahren geändert. Ich war erst 14 Jahre, als ich als Schiedsrichter angefangen habe. Da war ich auch der Arrogante auf dem Platz. Man muss sich ja auch als Unparteiischer durchsetzen können. Selbst die Spieler in der Kreisliga sind immer abgewichster geworden. Doch mir kann keiner etwas vormachen. Ich habe diese Entwicklung mitgemacht, bin gelassener geworden, vielleicht auch gerne der Kumpeltyp. Doch was ich überhaupt nicht haben kann, wenn einer lautstark kritisiert. Ich sage dem Spieler ja auch nicht, du spielst scheiße. Doch ich habe mich gewandelt. Ich gebe gerne mal einen Spruch zurück. Mein Vorteil ist, dass ich hier im Kreis sehr viele Spieler persönlich kenne. Auch Erfahrung spielt eine große Rolle. Doch von einem Schiedsrichter wird heute verlangt, dass er möglichst jung und sportlich ist. Dann wird der mit 22 durchgereicht bis in die Oberliga. Die können diese Spiele doch gar nicht pfeifen, weil sie von den abgezockten Ex-Profis teilweise verarscht werden. Das ist eine Entwicklung, die ich persönlich nicht gut finde. Als erfahrener Mann hat man ein ganz anderes Verständnis vom Spiel.
Für eine Kadermeldung komme ich natürlich nicht mehr in Frage. Ich pfeife gerne in den Kreisligen, möchte aber gerne noch einmal Bezirksligaspiele leiten. Das ist mein Ziel. Dafür reicht eine Meldung des Kreises und eine Regel- und Laufprüfung. Ich habe mich jetzt wieder im Fitnessstudio angemeldet. Und ich glaube, meiner Gesundheit tut es ebenfalls gut, wenn ich wieder regelmäßig auf dem Platz stehe. Und darauf freue ich mich auch.
