Kriegsverbrechen in der Ukraine

Putin will offenbar Teenager für den Ukraine-Krieg rekrutieren

Russland will angeblich ukrainische Jungen zwangsrekrutieren. Ein Internationaler Haftbefehl gegen Putin wegen Kindesentführung besteht bereits.

Kiew – Es wäre ein schweres Kriegsverbrechen, das dem russischen Präsidenten Wladimir Putin angelastet werden könnte: Angeblich soll Russland planen, Teenager aus den besetzten Gebieten der Ukraine für die Armee einzuziehen. Das berichtet die ukrainische Wochenzeitung Kyiv Post. Sie beruft sich dabei auf Dokumente aus der russischen Besatzungsverwaltung. Diese habe Petro Andryushchenko, Berater des Exil-Bürgermeisters von Mariupol, per Telegramm verbreitet. Es wäre eines von vielen Verbrechen an Kindern im Ukraine-Krieg.

Ukrainische Kinder spielen auf einem zerstörten russischen Panzer. Moskau soll tausende Kinder aus der Ukraine verschleppt haben. (Archivbild)

17-jährige Ukrainer sollen in Putins Armee gezwungen werden

Noch vor Jahresende, heißt es in den Dokumenten, sollen „Personalakten“ für „Schüler geboren 2007“ in der besetzten Ukraine angelegt werden. Sollten diese Jungen im kommenden Jahr eingezogen werden, wären sie dann 17 Jahre alt. Das wäre ein klarer Bruch der Genfer Konvention. Schon die Mobilisierung volljähriger Ukrainer sei ein „systematisches Kriegsverbrechen“, schrieb der Völkerrechtler Simon Gauseweg beim juristischen Fachportal Legal Tribune Online. Die Rekrutierung Minderjähriger ist in Artikel 50 der Genfer Konvention explizit verboten.

Artikel 51 der Konvention verbietet es, Besatzungsmächten militärische Zwangsdienste anzuordnen. Selbst „Propaganda mit dem Ziel, Menschen vom freiwilligen Militärdienst zu überzeugen“, ist dort explizit verboten. Würde Russland sich daran halten, wäre russisches Staatsfernsehen in der besetzten Ukraine nicht empfangbar.

Putin könnte Teenies in „Kanonenfutter-Battalione“ schicken

Bürgermeister-Berater Andryushchenko gab auch seine düstere Einschätzung ab, was mit den Jugendlichen passieren würde: Putin werde sie in seinen „Kanonenfutter-Battalionen“ verheizen. Tatsächlich sind die russischen Vorstöße gerade anscheinend sehr verlustreich. Beim Angriff auf das ostukrainische Awdijiwka sollen aktuell nach ukrainischen Militärangaben etwa 10.000 Soldaten pro gewonnenem Kilometer fallen.

Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks

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Wolodymyr Selenskyi in Donezk
Menschen suchen Deckung in Lyssytschansk
Tschassiw Jar, Kleinstadt der Ukraine in der Nähe Lyssytschansk
Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks

Laut Kyiv Post sind die geleakten Dokumente nicht der erste Hinweis darauf, dass Russland Kinder für seinen Krieg missbraucht. So sei der ukrainische Waisenjunge Bogdan Y. als Minderjähriger nach Russland verschleppt und dort zur Armee einberufen worden. Kriegsverbrechen gegen Kinder und Jugendliche gab es seit Kriegsbeginn in den russisch-besetzten ukrainischen Gebieten. Der Kreml hat von dort im großen Stil Kinder nach Russland verschleppen lassen.

Ein Bericht der Fachzeitschrift Foreign Policy zitiert Schätzungen von 16.000 bis 400.000 nach Russland entführten Kindern. Im März 2023 erließ der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag einen Haftbefehl gegen Putin und die russische „Kinderrechtsbeauftragte“ Maria Lvova-Belova. (kb)

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa

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