Bundeswehr-General ordnet ein

Wladimir Putin rüstet auf: Sucht Moskau die Konfrontation mit der Nato?

Ein Bundeswehr-General äußert seine Sorge über die Rüstungsstatistiken Moskaus unter Wladimir Putin. Er warnt, dass Russland die Nato angreifen könnte.

Berlin – Wie ernst meint es das Moskau-Regime aus Russland im Ukraine-Krieg mit seinen Drohungen gegen die transatlantische Verteidigungsallianz Nato? Immer wieder stößt der Kreml-Zirkel um den willfährigen Außenminister Sergei Lawrow Drohgebärden gegen das westliche Militärbündnis aus, das Kiew mit Waffen und Geldern unterstützt.

Moskau droht immer wieder der Nato: Will Russland unter Putin einen Krieg mit dem Westen?

Bleibt die Frage nach der Rolle der USA in der Nato unter dem künftigen Präsidenten Donald Trump (Republikaner), der am 20. Januar 2025 für seine zweite Amtszeit vereidigt wird. Mehrmals hatte der polarisierende Politiker angedroht, die Vereinigten Staaten könnten die Nato unter ihm verlassen. Oder zumindest ihr Engagement für die Europäer deutlich herunterfahren.

Aber: Würden die Russen einen Angriff tatsächlich wagen? Weitaus größer als es ihre mutmaßlichen hybriden Attacken sind, zum Beispiel gegen Ostsee-Unterwasserkabel zwischen Baltikum und Skandinavien? Ein Bundeswehr-General hat nun, zwischen den Jahren, ausdrücklich vor einem solchen Szenario gewarnt. Und zwar seinen Einschätzungen nach in nicht allzu ferner Zukunft.

Informiert sich bei einem russischen Panzerbauer: der Moskauer Machthaber Wladimir Putin (Mi., Archivfoto).

Gefahr durch Wladimir Putins Russland: Bundeswehr-General warnt eindringlich

„Russland ist derzeit in der Lage, seine erheblichen personellen und materiellen Verluste aus dem Ukraine-Krieg überzukompensieren“, erklärte Generalmajor Wolfgang Ohl im Interview mit ntv.de. Die Russen hätten seiner Einschätzung nach die Kapazitäten, mehr zu produzieren, als sie pro Tag in der Ukraine an Verlusten erleiden. „Wenn es unter diesen Bedingungen weitergeht, (…) dann wird Russland 2029 in der Lage sein, gegen die Nato in großem Maßstab anzutreten. Wo man das dann zuerst tut und wie, ob man an mehreren Punkten angreift, ob erst hybrid und dann frontal, das wird sich zeigen“, sagte der 59-jährige General der Luftwaffe in dem Gespräch.

Mit Blick auf die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen an den Grenzen zur Russischen Föderation und dem mit diesem verbündeten Belarus, meinte der hochrangige deutsche Luftwaffen-Offizier: „Ex-Präsident (Dmitri, d. Red.) Medwedew spricht über Russlands baltic provinces – die baltischen Provinzen. So hart es ist, es geht hier nicht um einen Regionalkonflikt Russland versus Ukraine, sondern um einen ersten Dominostein in dem Versuch Putins, Russland in der ursprünglichen Größe der Sowjetunion wiederherzustellen. Dem müssen wir ins Auge schauen, das geht nicht weg.“

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Bedrohung durch Russland unter Wladimir Putin: Suwalki-Lücke gilt als Schwachstelle der Nato

Ohl ist stellvertretender Abteilungsleiter Militärstrategie, Einsatz und Operationen im Bundesministerium der Verteidigung in Berlin. Und damit ein Bindeglied zwischen den deutschen Streitkräften und der Politik in der Hauptstadt. Er verwies auf die besondere Rolle der sogenannten Suwalki-Lücke, einen nur 65 Kilometer langen Landkorridor, der an der polnisch-litauischen Grenzen entlang zwischen der russischen Exklave Kaliningrad an der Ostsee und dem Kreml-Partner Belarus liegt. Ohl erklärte bei ntv.de dazu: „Das heißt, die einzige Verbindung des NATO-Gebiets mit dem Baltikum ist dieser schmale Landstreifen von 65 Kilometern. Das ist ein Nadelöhr, das man durchqueren muss. Wem es gelingt, diese Enge zu beherrschen, der beherrscht die drei baltischen Staaten.“

Warnsignale vor dem russischen Imperialismus gibt es mittlerweile reichlich. Nur ein paar Beispiele: In Georgien protestieren Zehntausende gegen eine schleichende Übernahme durch Moskau, das die Regierung in dem kaukasischen Land bereits beeinflussen soll. Putins Regime lässt derweil in Russland Schüler für mögliche Kriegseinsätze trainieren – zum Beispiel im Unterricht am Maschinengewehr. Und: Bundeswehr-Oberst Axel Schneider, Kommandeur des Landeskommandos Schleswig-Holstein, warnte zuletzt eindringlich, dass die Menschen auf eine mögliche konkrete militärische Bedrohung gegen Deutschland von Außen vorbereitet sein sollten.

Erklärtes Ziel des Kremls ist es, eine Armee mit 1,5 Millionen Soldaten aufzustellen und diese mit modernen Waffen sowie ausreichender Munition zu versorgen.

Osteuropa-Historiker Prof. Dr. Klaus Gestwa zu IPPEN.MEDIA

Experte zum Moskau-Regime: Putin will in Russland Riesen-Armee aufbauen

„Es ist wichtig, dass Menschen in einem Ernstfall drei Tage ohne Hilfe klarkommen können und nicht gleich nach dem Staat oder dem Bürgermeister rufen“, sagte Schneider im Interview mit den Kieler Nachrichten. Ein Osteuropa-Historiker verweist indes ebenfalls auf die immensen russischen Rüstungsanstrengungen. „Der Kreml hat für die Jahre 2025 bis 2027 die Militärausgaben noch einmal merklich erhöht. Ihr Anteil am Staatshaushalt liegt somit bald bei weit über 30 Prozent“, erklärte Prof. Dr. Klaus Gestwa IPPEN.MEDIA: „Damit ist der militärisch-industrielle Komplex zu dem Wachstumsmotor der russischen Volkswirtschaft geworden, der auch nach einem (möglichen, d. Red.) Waffenstillstand in der Ukraine weiter auf Hochtouren laufen muss, damit sich die geleisteten Investitionen amortisieren und das BIP nicht massiv einbricht.“

Erklärtes Ziel des Kremls sei es, erzählte der Geschichtswissenschaftler und Moskau-Kenner der Eberhard Karls Universität Tübingen, „eine Armee mit 1,5 Millionen Soldaten aufzustellen und diese mit modernen Waffen sowie ausreichender Munition zu versorgen. Die letzten drei Kriegsjahre haben die Schwächen der russischen Armee schonungslos aufgelegt. Diese sollen jetzt gezielt geschlossen werden“. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / SNA

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