Westliches Vermögen für Russland

Mit Wodka ukrainische Truppen finanziert? Putin verstaatlicht Brennerei wegen „extremistischer Aktivitäten“

Russland will eine Wodkabrennerei aufgrund undurchsichtiger Vorwürfe verstaatlichen. Neben Firmen will Putin außerdem westliche Vermögenswerte pfänden.

Moskau – Um seinen Krieg zu finanzieren, scheinen Wladimir Putin langsam die Mittel auszugehen. Zumindest hat der russische Autokrat nun eine Wodkabrennerei verstaatlicht. Hintergrund sind fadenscheinige Vorwürfe, die Brennerei würde „extremistische Aktivitäten“ in der Ukraine finanzieren. Im Krieg gegen die Ukraine ist der Autokrat momentan eigentlich auf dem Vormarsch. Könnten ihm bald jedoch die Mittel ausgehen?

Die russische Staatsanwaltschaft hatte die Brennerei wohl in der Region Kursk am Dienstag (14. Mai.) angeklagt und die Destillerien der „Global Spirits Holding“ bis auf Weiteres von der Produktion suspendiert, wie die Moscow Times berichtet. Gegründet wurde die Firma vom ukrainischen Geschäftsmann Yevhen Cherniak. Zu der Holdinggesellschaft gehören „Russky Sever“, „Standart Kachestva“, „Rodnik i K“ und „Brand Group Corporation Limited“, die jegliche Produktion unter der Anklage einstellen müssen.

So sollen wohl die vier Brennereien beziehungsweise die darüber stehende Holdinggesellschaft vollständig in staatlichen Besitz übergehen, wie anonyme Quellen dem russischen Kommersant Business Daily zugetragen hatten. Außerdem sollen die Besitzer nicht länger in Russland arbeiten dürfen.

Russischer Präsident Wladimir Putin. Um seinen Krieg weiter finanzieren zu können, pfändet er westliche Firmen und Vermögenswerte.

Russische Verstaatlichung von Firmen – Putin will westliche Vermögenswerte abgreifen

Cherniak steht unterdessen von beiden Seiten im Kreuzfeuer. Zum einen wirft ihm der russische Staat vor, die Armee Kiews im Ukraine-Krieg zu unterstützen – so sollen elf Millionen Dollar an das ukrainische Militär aus Cherniaks Tasche geflossen sein. Zum anderen wirft ihm die Ukraine vor 157 Millionen Dollar Steuern an die Russen gezahlt zu haben.

„Global Spirits“ ist dabei nicht die einzige zivile Firma, die seit Beginn der russischen Invasion verstaatlicht wurde. Russlands größte Weinproduktion und ein Pastahersteller sind zuletzt ebenfalls vom russischen Autokraten vereinnahmt worden, wie die Moscow Times weiter berichtet. Neben der Verstaatlichung von Firmen, will Russland möglicherweise auch andere Vermögenswerte von westlichen Firmen und Investoren beschlagnahmen, um den Krieg weiter zu finanzieren.

Medwedew droht: Beschlagnahmung westlicher Vermögenswerte in Russland

Nachdem die USA und die Europäische Union über die Beschlagnahmung russischer Vermögenswerte diskutiert hatten, plant Russland wohl einen ähnlichen Schritt, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Dmitri Medwedew schlug Anfang Mai vor, russische Vermögenswerte von Individuen zu konfiszieren, sollte die USA damit beginnen, Reserven des russischen Staats zu pfänden. Solch ein Schritt wäre gerechtfertigt in Anbetracht des „Hybriden Kriegs“ den der Westen gegen Russland führe.

Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow.
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Bisher hatte Russland ausländische Firmen vor Ort gezwungen, ihre Vermögenswerte an Russen abzutreten – mit mindestens 50 Prozent Rabatt. So haben westliche Staaten um die 107 Milliarden Dollar an den Staat Putins verloren. Shell, McDonalds, Volkswagen und Renault haben ihre Vermögenswerte in Russland bereits abgetreten. Firmen wie die österreichische Raiffeisen Bankengruppe oder der Lebensmittelriese Nestlé sind weiterhin in Russland aktiv. (sischr)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Gavriil Grigorov

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