Eskalation in Nahost

Irans Großayatollah droht Trump mit dem Tod – Fatwah gegen US-Präsidenten

Donald Trump wird zur Zielscheibe eines Großayatollahs im Iran. Der geistliche Führer ruft per Fatwa gläubige Muslime auf, den „Feind“ des Irans zu bekämpfen.

Teheran – Ein hoher geistlicher Führer im Iran hat Donald Trump indirekt mit dem Tod gedroht. In einer religiösen Stellungnahme, einer sogenannten Fatwa, erklärte Ayatollah Nasser Makarem Schirasi, dass Drohungen gegen den obersten iranischen Führer Ayatollah Ali Chamenei in der islamischen Republik als Fluch und Sünde angesehen werden und laut der iranischen Auslegung des Islam mit dem Tod bestraft werden würden.

Iran droht Trump mit dem Tod – US-Präsident wird wegen Ayatollah-Drohung zur Zielscheibe in Nahost

Schirasi nannte den US-Präsidenten zwar nicht direkt beim Namen, doch seine Drohung bezieht sich wohl auf einen Beitrag Trumps auf dessen Online-Plattform Truth Social. Dort schrieb der Republikaner vor den US-Angriffen auf iranische Atomanlagen: „Wir wissen genau, so sich der sogenannte ‚oberste Führer‘ versteckt. Er ist ein einfaches Ziel, aber er ist dort sicher – wir werden ihn nicht ausschalten (töten!), zumindest noch nicht.“

Verbündete, Feinde und Alternativen zum Mullah-Regime im Iran

Haft-e Tir in Teheran
Israels Premierminister Benjamin Netanjahu
Noch am selben Tag schlug der Iran zurück.
Sowohl im Iran als auch wie hier in der israelischen Großstadt Tel Aviv waren die Schäden der gegenseitigen Luftangriffe enorm.
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Laut der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna, antwortete Schirasi in seinem Büro in Ghom auf die Frage eines Gläubigen zu Trump: „Personen oder Regime, die eine islamische Herrschaft angreifen oder deren religiöse Führer bedrohen oder gar gegen sie vorgehen, gelten als ‚Mohareb‘ (Feinde Gottes/Krieger gegen Gott, Anm. d. Red.).“ Es sei daher die Pflicht der Muslime, diese „Feinde“ zur Rechenschaft zu ziehen.

Trump erhält Todesdrohung aus dem Iran – Ayatollah droht mit der „Fatwa“ im Konflikt mit Israel

Die indirekte Drohung gegenüber dem US-Präsidenten äußerte Ayatollah Nasser Makarem Schirasi in einer sogenannten Fatwa. Eine Fatwa bezeichnet laut der Bundeszentrale für politische Bildung ein Rechtsgutachten, bei dem ein Mufti (Aussteller des Rechtsgutachtens) eine Problemstellung unter Berücksichtigung des islamischen Rechts beantwortet. Wie viel Wert der Fatwa beigemessen wird, hänge vor allem an der Autorität des Ausstellers ab. Demnach sei das Rechtsgutachten nur für solche Personen bindend, die die Autorität des Mufti anerkennen.

Schirasi gilt im Iran als einer der Großayatollah. Unter der Herrschaft des Mullah-Regimes gelten solche Geistliche zu den ranghöchsten Führern, oder auch „Quellen der Nachahmung“, an deren Auslegungen sich Gläubige orientieren.

Fatwa: Herkunft, Bedeutung und Beispiele

Eine Fatwa (arabisch فتوى, Plural: فتاوى fatāwā) ist ein islamisches Rechtsgutachten, das von einem muslimischen Gelehrten (Mufti) zu religiösen oder rechtlichen Fragen erteilt wird. Obwohl eine Fatwa formal nicht bindend ist wie ein Gerichtsurteil, kann sie für die betroffene Person schwerwiegende Konsequenzen haben, da gläubige Muslime sie oft als religiöse Verpflichtung betrachten. Für denjenigen, gegen den eine negative Fatwa ausgesprochen wird, bedeutet dies häufig gesellschaftliche Ächtung, Bedrohung der persönlichen Sicherheit und im Extremfall sogar Lebensgefahr, da sich Gläubige zur Umsetzung des Rechtsgutachtens berufen fühlen können.

Die bekannteste Fatwa der jüngeren Geschichte wurde 1989 von Ayatollah Khomeini gegen den Schriftsteller Salman Rushdie wegen dessen Romans „Die satanischen Verse“ ausgesprochen, die ein Todesurteil beinhaltete und internationale Aufmerksamkeit erregte. Weitere prominente Fatwas richteten sich gegen andere Autoren wie Taslima Nasrin oder entstanden im Kontext der Mohammed-Karikaturen-Kontroverse.

Naser Makarem Schirasi fällt dabei mit radikalen Äußerungen auf. So bezeichnete er 2010 den Holocaust unter dem NS-Regime als „nichts als Aberglaube“. Jüdinnen und Juden würden den im Dritten Reich unter Adolf Hitler verübten Massenmord nutzen, „um sich als Opfer auszugeben“.

Israel und Iran im Krieg – Schäden an Atomanlagen nach US-Angriffen weiter ungewiss

Nach den Angriffen der USA auf Atomanlagen des Irans trat am vergangenen Dienstag eine Waffenruhe zwischen Israel im Krieg mit dem Iran ein. Ungeklärt ist allerdings, welche Schäden die von Trump autorisierten Angriffe letztendlich angerichtet haben. „Der amerikanische Präsident hat die Ereignisse auf ungewöhnliche Weise übertrieben“, erklärte Chamenei in einer im Fernsehen verbreiteten Videobotschaft.

US-Präsident Donald Trump (l.) soll laut Ayatollah Nasser Makarem Shirasi für sein Vorgehen im Israel-Iran-Krieg mit dem Tod bestraft werden. (Archivbild)

Trump selbst hatte auf Truth Social geschrieben, dass die Anlagen in einem „sehr erfolgreichen Angriff“ zerstört worden seien. Zudem wies er zuletzt Vorwürfe zurück, nach denen Teheran große Mengen angereichertes Uran vor den Luftangriffen in Sicherheit gebracht haben soll. Der US-Präsident hofft nach der entstandenen Waffenruhe im Israel-Iran-Krieg auch mit einem baldigen Waffenstillstand im Gazastreifen. (nhi mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © Mark Schiefelbein/Uncredited/dpa/IMAGO (Montage)

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