Ukraine-Krieg

Putin mischt sich überraschend in Strategie der russischen Armee ein

Russlands Pläne im Ukraine-Krieg scheitern, der innenpolitische Druck auf Putin wächst. Der Präsident mischt sich offenbar in Militärstrategien ein.

Moskau – Wladimir Putin ist der „Alleinherrscher“ in Kreml. Das steht für Russland-Expertin Sabine Fischer von der „Stiftung Wissenschaft und Politik“ fest. Spätestens seit der Verfassungsreform im Jahr 2020 sorgte dafür, dass Putin weiterhin im Präsidentenamt bleiben kann.

Unabhängig von politischen Prozessen greift Wladimir Putin nun wohl auch vermehrt in die militärischen Geschicke des Landes ein. Der Guardian berichtet, dass der russische Präsident mittlerweile überraschend eng mit Generalstabschef Waleri Gerassimow zusammenarbeitet. „Wir glauben, dass Putin und Gerassimow an taktischen Entscheidungen auf einer Ebene beteiligt sind, von der wir normalerweise erwarten würden, dass sie von einem Oberst oder einem Brigadegeneral getroffen werden“, erklärte eine der Militärquellen der britischen Zeitung. Die Angaben der anonymen Quelle lassen sich bislang weder durch Statements Putins noch durch Aussagen des Verteidigungsminister Schoigu belegen.

Ukraine-Krieg: Putin greift in Militärstrategie ein – wegen schwerer Verluste?

Ben Barry, ehemaliger Offizier der britischen Armee, zeigte sich dem Guardian gegenüber verwundert darüber: „Ein Regierungschef sollte Besseres zu tun haben, als militärische Entscheidungen zu treffen. Er sollte die politische Strategie festlegen, anstatt sich im Tagesgeschäft zu verzetteln.“

Putin (m.) und Gerassimow (l.) auf einem Militärübungsplatz. (Archivfoto)

Putins Eingreifen in die militärische Strategie hängt womöglich mit Russlands schweren Verlusten im Ukraine-Krieg zusammen. Dafür muss er sich innenpolitisch verantworten, der Druck wächst. Der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes geht mittlerweile sogar davon aus, dass der „Putsch in Moskau“ bereits begonnen hat. Seine Angaben lassen sich allerdings nicht unabhängig prüfen. Laut Angaben des ukrainischen Generalstabs hat Russland bereits mehr als 27.000 Soldaten in der Ukraine verloren.

Das ukrainische Militär beschreibt Russlands aktuelles Vorgehen als „Phase drei“ des Krieges. Man gehe davon aus, dass der Kreml angeordnet habe, gewonnen Gebiete zunächst zu sichern, bevor neue Angriffe gestartet würden. „Phase eins“ war demnach der gescheiterte Versuch Russlands die Ukraine in 15 Tagen einzunehmen, „Phase zwei“ die stark verlangsamte Offensive im Donbass. (tu)

Rubriklistenbild: © Alexei Nikolsky

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