Nach „massivem Druck“

Nach 100 Tagen Haft: Yücel soll bald Besuch von deutschem Botschafter erhalten

Deniz Yücel.
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Deniz Yücel.

100 Tagen sitzt der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel bereits in Haft. Nun soll er erstmals Besuch vom deutschen Botschafter in Ankara erhalten.

Anakara - Die türkische Seite habe "auf massiven Druck" einen Besuch von Botschafter Martin Erdmann genehmigt, sagte Außenamtssprecher Martin Schäfer am Mittwoch in Berlin. Erdmann werde Yücel "in einigen Wochen" besuchen können. Ein genauer Tag stehe aber noch nicht fest.

Zuletzt hatte der deutsche Generalkonsul in Istanbul, Georg Birgelen, die Genehmigung erhalten, Yücel im Gefängnis zu besuchen. Anlässlich der 100 Tage Haft betonte Schäfer, die Bundesregierung werde in ihren Bemühungen für eine Freilassung Yücels nicht nachlassen. Dies gelte auch für alle anderen in der Türkei inhaftierten deutschen Staatsbürger.

Der Journalist hatte sich Mitte Februar der Polizei in Istanbul zur Befragung gestellt, woraufhin er in Gewahrsam genommen wurde. Ihm werden wegen seiner Berichte über den Kurdenkonflikt und den Putschversuch vom Juli 2016 Volksverhetzung und Terrorpropaganda vorgeworfen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete ihn zudem als deutschen Spion und Agenten der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Die Bundesregierung hat scharfe Kritik an dem Verfahren geäußert und dringt auf die Freilassung Yücels.

Der "Welt"-Korrespondent meldete sich unterdessen mit einer Botschaft aus dem Gefängnis zu Wort. In einem am Mittwoch von seiner Zeitung veröffentlichten Beitrag berichtete er, dass er erstmals seit seiner Haft den Sportplatz des Gefängnisses betreten durfte. "Ich hatte mich daran gewöhnt, alle vier, fünf Schritte an eine Mauer zu stoßen, sodass mir dieser Platz riesig vorkam. Noch ganz benommen lief ich ein paar Runden über den Platz, bis ich begriff, woher dieses berauschende Gefühl kam: Es war der Himmel!" Seit seiner Gefangennahme habe er den Himmel nur durch sein vergittertes Zellenfenster oder bei Kranken- und Gefangenentransporten gesehen, schrieb Yücel.

dpa

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