Taurus-Debatte

Merz' Reichweitenfreigabe sorgt für Aufregung – Kritik aus der SPD

Merz hat die Reichweitenbeschränkung für Waffen an die Ukraine gestoppt. Dies löst heftige Kritik in Russland und Deutschland aus.

Berlin – Zu Beginn des russischen Angriffskriegs hatte der Westen der Ukraine keine weiter reichenden Waffen geliefert, um eine Eskalation im Ukraine-Krieg zu vermeiden. Angesichts erfolgloser Friedensbemühungen und fortwährender russischer Angriffe auf die Ukraine hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Reichweitenbeschränkung für an die Ukraine gelieferte Waffen für beendet erklärt.

Beim Europaforum des WDR erklärte Merz, dass die aufgehobene Reichweitenbeschränkungen Gegenstand seiner Absprachen mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und Polens Regierungschef Donald Tusk beim gemeinsamen Besuch in Kiew vor zwei Wochen gewesen sei. Die Regelung gelte auch für von Großbritannien und den USA gelieferte Waffen. Die Ukraine könne sich jetzt verteidigen, indem sie zum Beispiel militärische Stellungen in Russland angreife.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Kritik an Merz‘ Reichweitenfreigabe im Ukraine-Krieg - Stegner: „nicht hilfreich“

Kritik kam aus SPD und Linkspartei. SPD-Politiker Ralf Stegner nannte den Schritt von Merz als „nicht hilfreich“. Einzelne Ausnahmen bei den Reichweiten seien sinnvoll, „insgesamt finde ich aber alles, was den Krieg ausweitet, falsch“, sagte Stegner den RND-Zeitungen. Stattdessen solle der Fokus auf diplomatische Bemühungen gesetzt werden.

Auch Linken-Fraktionschef Sören Pellmann kritisierte die Aufhebung der Reichweitenbeschränkung im Ukraine-Krieg. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine sei zwar „ein furchtbares Verbrechen“, die Lieferung von „immer mehr und immer schwereren Waffen hat den Krieg nicht beendet.“ Dass es jetzt keinerlei Reichweitenbeschränkungen für Waffenlieferungen mehr gebe, könne „zu einer weiteren Eskalation führen“.

Ukraine-Krieg: CDU-Chef Friedrich Merz hat die Reichweitenbeschränkung für Waffen an die Ukraine aufgehoben. (Archivbild)

Merz hebt Reichweitenbeschränkung für Waffen im Ukraine-Krieg auf: Kreml warnt vor „gefährlichem Schritt“

Auch aus Russland gab es scharfe Kritik. Kreml-Sprecher Dimitri Peskow nannte die mögliche Lieferung von Langstreckenwaffen „eine sehr gefährliche Entscheidung“, die im Widerspruch zu den Bestrebungen einer politischen Lösung des Konflikts stehe. Das berichtete die russischen Nachrichtenagentur Tass.

Waffen im Ukraine-Krieg: Merz hebt Beschränkungen auf – Grüne begrüßt „folgerichtigen“ Schritt

Grünen-Fraktionsvize Agnieska Brugger hingegen begrüßte die Äußerung von Merz bei RND als „folgerichtig und überfällig“. Wladimir Putin bombe gerade jegliche Friedensbemühungen und Gesprächsangebote in Grund und Boden. Sie pochte gleichzeitig darauf, der Ukraine nun auch die von Kiew gewünschten Taurus-Marschflugkörper zur Verfügung zu stellen.

Die große Stärke der Taurus-Marschflugkörper ist laut Bundeswehr die „Bekämpfung von wichtigen Zielen über große Entfernung“, bis zu 500 Kilometern. Schon lange fordert die Ukraine die Lieferung von Taurus-Systemen, um strategisch wichtige Ziele im russisch besetzten Gebiet, zum Beispiel Versorgungslinien und Munitionslager, anzugreifen. Die Taurus-Debatte hatte in der vergangenen Bundesregierung zu politischen Spannungen geführt. (lw/AFP)

Rubriklistenbild: © Andrea Bienert/Bundeswehr/dpa

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