„Prinzip Gießkanne“

Kritik an neuer E-Auto-Förderung: „Merz-Regierung versteht Lebensrealität der Menschen nicht“

Die Merz-Regierung bringt die E-Auto-Prämie zurück. Haushalte können bis zu 4000 Euro Förderung erhalten. Die Opposition übt scharfe Kritik an der Ausgestaltung.

Berlin – Die Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat am Freitag die Ausgestaltung der neuen Prämie für den Kauf von E-Autos verkündet. Haushalte mit einem zu versteuernden Einkommen von bis zu 80.000 Euro können in Zukunft bis zu 5000 Euro Förderung beim Kauf oder Leasing eines neuen E-Autos erhalten. Damit bringt Schwarz-Rot eine Förderung zurück, welche die Ampel Ende 2023 nach dem Verfassungsgerichtsurteil zum Nachtragshaushalt quasi über Nacht abgeschafft hatte. Kritik an der Ausgestaltung der Prämie kommt am Freitag aus der Opposition.

Aus der Fraktion der Linken werden vor allem zwei Elemente des neuen Plans der Merz-Regierung kritisch gesehen. Die Förderung von sogenannten Plug-In-Hybriden und die geplante Höchstgrenze von 80.000 Euro. „Damit fehlt nicht nur wieder ein klares Bekenntnis zur E-Mobilität, dieses Programm zeigt auch, dass es die Lebensrealität von Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen nicht versteht“, kritisiert Agnes Conrad, Sprecherin für Automobilpolitik der Linken-Fraktion auf Anfrage der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.

Die Regierung von Friedrich Merz (CDU) hat am Freitag die Ausgestaltung der E-Auto-Förderung bekannt gegeben. Kritik an dem Vorhaben kommt aus der Opposition.

Linke kritisiert E-Auto-Förderung der Merz-Regierung – Forderung nach Social-Leasing-Modell

Conrad zufolge würden auch Besserverdiener von der Förderung profitieren, welche die Bundesregierung vor allem auf Haushalte mit „kleinem und mittlere Einkommen“ ausgerichtet hat. Die Höchstgrenze von 80.000 Euro zu versteuerndes Haushaltseinkommen, die sich pro Kind nochmal um je 5000 Euro erhöht, liege deutlich über dem durchschnittlichen Bruttohaushaltseinkommen in Deutschland mit circa 62.000 Euro.

„Am wirksamsten wäre ein echtes Social-Leasing-Modell, das den Zugang zu Mobilität ermöglicht, ohne hohe Anschaffungskosten oder Verschuldung“, fordert Conrad. Nach Ablauf der Leasing-Frist sollten Haushalte die Möglichkeit bekommen, die Fahrzeuge kostengünstig zu erwerben. „Wenn die Regierung Leasing einbeziehen will, sollte sie genau dort ansetzen – statt primär den Neuwagenkauf zu subventionieren“, führt die Linken-Politikerin weiter aus.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

Grüne bemängeln „Prinzip Gießkanne“: E-Auto-Förderung nur für kleine Fahrzeuge

Auch bei den Grünen blickt man kritisch auf die Ausgestaltung der E-Auto-Prämie durch die Merz-Regierung. „Die Koalition setzt jetzt auf das Prinzip Gießkanne“, sagt Julia Verlinden, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, auf Anfrage unserer Redaktion. „Die sich abzeichnende Regelung ermöglicht auch Haushalten, die weit über dem Durchschnitt verdienen, den geförderten Kauf von schweren, klimaschädlichen SUV. Das können sogar Plug-In-Hybride sein, die häufig überwiegend fossil fahren“, kritisiert die Grünen-Politikerin.

„Notwendig wäre stattdessen eine klare Fokussierung der Förderung auf kleine Elektrofahrzeuge für Menschen, die sich den Umstieg sonst nicht leisten können“, forderte Verlinden weiter. „Die Bundesregierung sollte aber auch an Menschen gänzlich ohne Auto denken“, sagte die Abgeordnete weiter. „Statt die Preiserhöhungen beim Deutschlandticket in Kauf zu nehmen, sollte die Bundesregierung den Vorschlag anderer Länder für eine Klimaabgabe auf Premium-Flugtickets unterstützen.“ Mit dem Steueraufkommen könne man dann zum Beispiel auch die Preise bei der Bahn stabilisieren, schlägt Verlinden vor.

Merz-Regierung bringt E-Auto-Prämie zurück – Förderung nur für Neuwagen

Lob erhält die Merz-Regierung für ihre Vorhaben aus dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Der Interessenverband erklärte in einer Pressemitteilung vom Freitag, man sei erleichtert, dass die Förderung vor allem auch bei der Mittelschicht mit einem Bruttohaushaltseinkommen bis 80.000 EUR ankommen soll. Kritisch blickt der ZDK jedoch auf fehlende Impulse im Bereich von jungen Gebrauchtwagen mit E-Antrieb. Denn diese könnten gerade für „preissensibler Einkommensgruppen, die sich nie einen Neuwagen leisten würden“ interessanter sein. Hier fordert der ZDK weitere Maßnahmen, die den Kauf von Gebrauchtwagen attraktiver machen sollen.

Im Oktober hatten die Koalitionsspitzen von Union und SPD bereits ein neues Förderprogramm besonders für kleine und mittlere Einkommen beschlossen, um den Umstieg auf klimaneutrale Mobilität zu unterstützen. Dafür sollen drei Milliarden Euro zusätzlich bereitgestellt werden. Die Mittel sollen aus dem Klima- und Transformationsfonds kommen, einem Sondertopf des Bundes. Nach dem abrupten Stopp einer vorherigen staatlichen Kaufprämie für E-Autos Ende 2023 war der Absatz auf dem deutschen Markt stark eingebrochen. Die Neuzulassungen von E-Fahrzeugen sind zuletzt wieder gestiegen. (Quellen: Eigene Recherche) (fdu)

Rubriklistenbild: © Montage: Carsten Koall/Fabian Sommer/dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare