Expertin um Ethik besorgt

Ukraine-Krieg mit KI und Killerdrohnen: „Reale Gefahr, die schlimmer wird, als wir uns vorstellen können“

Die Entwicklung von autonomen Waffen schreitet voran. Schon jetzt steuert KI Drohnen im Ukraine-Krieg. Experten warnen vor Gefahren und vielen Toten.

Kiew – Waffen, die sich eigenständig ihre Ziele auswählen und Angriffe durchführen – es klingt wie Science-Fiction, wird aber immer mehr zur Realität. Beschleunigt durch neue Kriege, die Geld in die Rüstungsindustrie spülen. Auch im Ukraine-Krieg ist die Entwicklung von etwa KI-Drohnen ein wichtiger Teil der Kriegsführung. Das birgt auch Gefahren.

KI-Waffen im Ukraine-Krieg: Entwicklung für autonome Drohne ist günstig

Der Innovationswettlauf um autonome Waffen ist in vollem Gange. Vyriy ist ein ukrainisches Drohnenunternehmen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Ukraine im Krieg zu unterstützen. Sie entwickeln Technologien, die menschliches Urteilsvermögen beim Zielen und Schießen zunehmend in den Hintergrund rücken, berichtete die New York Times. Angriffsdrohnen operieren bereits teilautonom, sie sind in der Daten- und Mustererkennung schon weit. Derzeit benötigen die Drohnen meist einen Piloten, der ein Ziel anvisiert. Bald soll die KI selbst entscheiden, wer oder was abgeschossen wird.

Was KI-Waffen für die Ukraine so bedeutsam macht, sind ihre niedrigen Kosten – nur wenige Tausend Dollar oder weniger – und ihre leichte Verfügbarkeit. „Wir brauchen maximale Automatisierung“, sagte Mykhailo Fedorov, der ukrainische Minister für digitale Transformation der Zeitung. Er leitet die Bemühungen des Landes, mithilfe von Technologie-Start-ups fortschrittliche Kampffähigkeiten auszubauen. „Diese Technologien sind für unseren Sieg gegen Russland von grundlegender Bedeutung.“

KI-Experten warnen vor den Gefahren von autonomen Waffen.

KI-Drohnen im Ukraine-Krieg: Autonome Waffen wurden bereits getestet

Autonome Drohnen wie die von Vyriy wurden bereits im Kampf gegen russische Ziele eingesetzt. Das bestätigten ukrainische Beamte und Videos aus dem Krieg, so die New York Times. Einige davon müssten noch verbessert werden, so Dev, ein Soldat der 92. Sturmbrigade gegenüber der Zeitung. Trotzdem glaubt er, dass sie der nächste große technologische Sprung seien.

Minister Fedorov sagte, die Regierung arbeite daran, diese Entwicklung zu beschleunigen – durch die Finanzierung von Drohnenfirmen, um ihre Produktion schnell hochzufahren. Ziel sei es, sich einen Vorteil gegenüber Russland zu verschaffen oder wenigstens schrittzuhalten. Denn auch der Kreml finanziere die Entwicklung von autonomen Waffen. Gleichzeitig könnten KI-Drohnen helfen, das Ungleichgewicht der Soldaten- und Waffenanzahl auszugleichen.

Künstliche Intelligenz: Autonome Waffen analysieren Daten in Echtzeit

Einfache Entwicklung von Software, leistungsstarke Automatisierungsalgorithmen und spezielle Mikrochips für künstliche Intelligenz führen in ein bisher unbekanntes Terrain der Kriegsführung. Die Technologie, die autonomes Handeln von Maschinen ermöglicht, heißt Deep Learning. Die künstliche Intelligenz ermöglicht, Video- und Kameramaterial in Echtzeit zu interpretieren und darauf zu reagieren. „Letztendlich wollen wir Maschinen entwickeln, die ohne unsere Aufsicht lernen können und auch wissen, was sie lernen sollen“, erklärte Jane Pinelis, Leiterin der angewandten Physik an der Johns-Hopkins-Universität gegenüber Arte.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

KI-Experten in Sorge: Autonome Drohnen führt zu hohen Todeszahlen

Nicht alle schauen zuversichtlich auf die KI-Innovationen, darunter Experten: „Es wird Massenvernichtungswaffen geben, die billig, skalierbar und auf den Waffenmärkten auf der ganzen Welt leicht verfügbar sind“, erklärte Stuart Russell, ein KI-Wissenschaftler und Professor an der University of California der New York Times. Das sei gefährlich. Auch AJung Moon, eine Robotikerin, die sich mit der Ethik hinter diesen Waffen befasst, zeigt sich besorgt: „Ich glaube, dass tödliche autonome Waffensysteme eine sehr reale Gefahr sind. Das gilt für aktuelle Kriege, aber es wird noch schlimmer werden, als wir es uns heute vorstellen können“, sagte sie Arte. Maschinen würden schließlich nicht nach ethischen Grundsätzen entscheiden, wer als Ziel gilt. Deswegen brauche es Regulierung und politische Führung.

„Zuerst müssen wir gewinnen“: Ukrainischer Minister will keine Regulierung von KI-Drohnen

Zwischen 2017 und 2022 habe die UN Richtlinien erarbeitet, wie autonome Systeme reguliert werden könnten. Die Mitgliedsstaaten haben sich nicht einigen können. „Daher gibt es bis heute kein Abkommen, das die Entwicklung oder den Gebrauch dieser Systeme verbietet“, so Moon.

Der ukrainische Minister für digitale Transformation setzt die Prioritäten anders. „Zuerst müssen wir gewinnen“, sagte Fedorov der New York Times. „Dazu werden wir alles tun, um die Automatisierung so weit wie möglich voranzutreiben und das Leben unserer Soldaten zu retten.“ KI-Waffen beschleunigen den Krieg, beschleunigen aber auch das Töten. (hk)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/ukrin | Uncredited

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare