US-Experte gibt Tipp
„Keine Schwäche zeigen“: Expertin vor Merz-Trump-Telefonat
Bundeskanzler Merz telefoniert heute mit US-Präsident Trump. Was die beiden Regierungschefs eint und wo Experten noch Fragezeichen haben.
Update, 22.26 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Donald Trump bei seinem ersten Telefonat mit dem US-Präsidenten nach Deutschland eingeladen. Trump habe signalisiert, dass er sich einen solchen Besuch vorstellen könne, hieß es nach dem etwa 30-minütigen Gespräch aus Regierungskreisen.
Telefonat zwischen Merz und Trump: Gespräch über Ende des Ukraine-Kriegs
Update, 21.58 Uhr: Nach dem Gespräch zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und US-Präsident Donald Trump erklärte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Donnerstagabend, Merz teile die Forderung des US-Präsidenten, „dass das Töten in der Ukraine ein rasches Ende finden müsse“. Weiter hieß es laut Bericht der Nachrichtenagentur AFP, „Russland müsse nun einem Waffenstillstand zustimmen, um Raum für Verhandlungen zu schaffen.“
Trump sagte den deutschen Regierungsangaben zufolge bei dem Telefonat mit Merz, er werde die deutschen Bemühungen gemeinsam mit Frankreich, Großbritannien, Polen sowie anderen europäischen Partnern „um einen dauerhaften Frieden nachdrücklich unterstützen“.
Darüber hinaus soll der US-Präsident dem frisch gewählten Kanzler zum Amtsantritt gratuliert haben. Merz habe Trump versichert, 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieben die USA „unverzichtbarer Freund und Partner Deutschlands“. Trump und Merz hätten „einen engen Austausch und kündigten wechselseitige Besuche in den USA und in Deutschland“ vereinbart.
Merz‘ erstes Telefonat mit Trump: Regierungschefs sprechen über Zölle und Ukraine
Update, 21.45 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat nur zwei Tage nach seiner Amtsübernahme ein Telefonat mit US-Präsident Donald Trump geführt. Wie Regierungssprecher Stefan Kornelius am Donnerstagabend bekannt gab, bestand zwischen beiden Staatsmännern Einigkeit darüber, „die Handelsstreitigkeiten rasch beilegen zu wollen“. Darüber hinaus vereinbarten sie „eine enge Zusammenarbeit mit dem Ziel einer Beendigung des Krieges in der Ukraine“.
Erstmeldung: Berlin/Washington – Nach seinen Antrittsbesuchen in Frankreich und Polen am ersten Tag seiner Amtszeit macht der neue Bundeskanzler Friedrich Merz gleich weiter mit Weltpolitik. Merz will heute US-Präsident Donald Trump anrufen. Dabei plant er, Trump dazu zu bewegen, auf Einfuhrzölle zu verzichten. Außerdem will er ihn von den Vorzügen des Freihandels überzeugen.
Telefonat von Merz mit Trump: Kanzler will über US-Zölle und Freihandel sprechen
„Ich will versuchen, ihm zu erklären, dass wir gerne den Handel erleichtern würden und nicht weiter erschweren“, sagte Merz in einem Interview mit Welt TV mit Blick auf sein heutiges Telefonat mit US-Präsident Donald Trump. In Europa habe man die Erfahrung gemacht, dass offene Grenzen und freier Handel am Ende allen nutze. Merz strebt allerdings nach eigenen Angaben keine Neuauflage des gescheiterten transatlantischen Freihandelsabkommens (TTIP) zwischen den USA und der EU an, auch wenn dessen Scheitern schade sei.
Er werde Trump allerdings vorschlagen, im Zollstreit zwischen Europa und den USA zu Vereinbarungen zu kommen, so Merz. Die beiden Männer haben sich persönlich bislang noch nicht getroffen. Spätestens beim Nato-Gipfel Ende Juni in Den Haag soll das nachgeholt werden. Ist der Sauerländer dem unberechenbaren New Yorker Immobilienmogul gewachsen, zumal nach dem Debakel um seine Wahl im Bundestag?
Telefonat mit Trump: Was eine Expertin Bundeskanzler Merz rät
Jackson Janes von der US-Denkfabrik German Marshall Fund in Washington beobachtet seit mehr als vier Jahrzehnten die Beziehungen zwischen den USA und Deutschland. Er sieht eine Reihe von Gemeinsamkeiten, die Merz sich gegenüber Trump zunutze machen könne. Der Kanzler sei zwar ganz neu im Job, habe aber „eine ganze Menge Business-Erfahrung“, sagt Janes. Unter anderem wegen Merz‘ Arbeit für die US-Investmentgesellschaft Blackrock.
Die fehlende Regierungserfahrung des neuen Bundeskanzlers hält der Experte für einen Pluspunkt. Trump, der von sich selbst behauptet, er sei nicht Teil des politischen „Sumpfes in Washington“, könnte es gefallen, dass Merz unbelastet durch eine politische Vergangenheit ist. Zum Beispiel mit Blick auf die Migrationspolitik könne Merz zudem auf gemeinsame Ziele verweisen, so Janes.
Von Adenauer bis Merz: Die Kanzler der Bundesrepublik




Rachel Tausendfreund von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin rät Merz, ungeachtet des Debakels um seine Wahl im Bundestag keine Schwäche gegenüber Trump zu zeigen. Er könne im Stil des US-Präsidenten argumentieren, er sei nicht bei allen beliebt, weil er eben „ein starker Typ ist mit starken Meinungen“.
Expertin vor Merz-Trump-Telefonat: Keinen Streit über die AfD suchen
Sie sei sich jedoch nicht sicher, „ob Merz willens ist, Trump zu schmeicheln und seine Spielchen zu spielen“, so Tausendfreund. Zudem müsse er noch zeigen, dass er über ausreichend diplomatisches Geschick verfüge. Sie rät dem Kanzler zudem dazu, sich auf die großen Themen wie Handel und Sicherheitspolitik zu konzentrieren. Auftreten solle Merz dabei „nicht als Bittsteller, sondern mit Vorschlägen“.
Was die Unterstützung der US-Regierung für die gesichert rechtsextremistische AfD anbelangt, hatte Merz angekündigt, Trump zu „ermuntern, die Innenpolitik in Deutschland Innenpolitik sein zu lassen“. Tausendfreund hält das für keine gute Idee. „Darüber würde ich keinen Streit suchen“, sagt die Forscherin und Autorin.
Äußerungen von Trump-Vize Vance dürften Merz erleichtern
Immerhin deutet sich kurz vor dem Telefonat ein Sinneswandel der USA an, was den Ukraine-Krieg anbelangt. Bei einer Tagung in Washington, zu der die Münchner Sicherheitskonferenz eingeladen hatte, sagte US-Vizepräsident JD Vance mit Blick auf die Friedensverhandlungen: „Die Russen fordern zu viel.“ Auch Trump hatte zuletzt vermehrt Russlands Präsidenten Wladimir Putin kritisiert.
Vance sagte zudem, man könne die USA und Europa nicht auseinanderdividieren. Man sei im selben Team. Versöhnlich merkte er an: Nicht nur Europa, auch die USA seien „ein bisschen zu bequem in der Sicherheitsarchitektur der vergangenen 20 Jahre geworden.“ Große Fragen müsse man gemeinsam diskutieren. Das dürfte viele in Europa erleichtern - auch Bundeskanzler Merz. (grmo)
Rubriklistenbild: © Bernd Elmenthaler/imago; Alex Brandon/dpa
