Trotz seines „großen Gehirns“
„Ich weiß es nicht“: Wie Donald Trump Unwissenheit als Taktik einsetzt
Einst prahlte Donald Trump mit seinem „großen Gehirn“, doch als US-Präsident ist seine Antwort oft „Ich weiß es nicht“. Was ist der Grund dafür?
Washington, D. C. – US-Präsident Donald Trump präsentiert sich gerne als jemand, der ganz genau über alles Bescheid weiß. Im US-Wahlkampf 2016 sagte er bei einer Veranstaltung in Ohio: „Keiner kennt das politische System besser als ich. Ich allein kann es reparieren.“ Ein Jahr später behauptete er: „Ich verstehe die Dinge, ich begreife sehr schnell. Besser als fast alle anderen.“ Und 2020 sagte er bei einem Auftritt: „Ich weiß mehr über die Umwelt als die meisten Menschen.“
Gemessen an dem, was Trump von sich und seinem „großen Gehirn“ (Zitat von 2018) behauptet, klang der US-Präsident zuletzt teilweise ziemlich kleinlaut. „Ich weiß es nicht“ ist zu einer beliebten Antwort von Trump auf kritische Fragen von Journalisten geworden.
Trump antwortet auf Frage zur US-Verfassung mit „Ich weiß es nicht“
Besonders drastisch war Trumps lapidare Antwort „Ich weiß es nicht“ am Sonntag (4. Mai) bei der TV-Sendung „Meet the Press“ im US-Sender NBC News. Journalistin Kristen Welker fragte den US-Präsidenten, ob die Verfassung der USA ein faires Gerichtsverfahren für alle im Land vorsehe, egal ob sie US-Bürger seien oder nicht. Trump antwortete: „Ich weiß es nicht, ich bin kein Anwalt.“
Dabei hat Trump bei seinem Amtsantritt als US-Präsident einen Eid auf die Verfassung geschworen und müsste eigentlich darüber Bescheid wissen. In der US-Verfassung ist in den Zusatzartikeln fünf und 14 verankert, dass jedem ein ordentliches Gerichtsverfahren zusteht und alle Personen, ungeachtet ihrer Herkunft, den gleichen Rechtsschutz erhalten.
„Ich weiß es nicht“: Donald Trump in einer Woche bei mehreren Fragen ahnungslos
Im Laufe der darauffolgenden Woche gab sich Donald Trump dann noch mehrmals auf Fragen von Reporter im Weißen Haus ahnungslos:
- Ein Journalist wollte am 7. Mai wissen, ob die US-Regierung Migranten nach Libyen deportiere. Trump: „Ich weiß es nicht. Sie müssen das Heimatschutzministerium fragen.“
- Eine andere Medienvertreterin fragte Trump am 7. Mai, ob er bei seinen verschärften Zöllen Produkte ausnehme, auf die Familien dringend angewiesen sind. Trump: „Ich weiß es nicht, ich denke darüber nach. Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht.“
- Am 8. Mai fragte eine Journalistin Trump, warum er Casey Means zur Sanitätsinspekteurin der USA ernannt habe. „Weil Bobby gesagt hat, sie ist fantastisch“, so Trump. „Ich kenne sie nicht. Ich habe auf seine Empfehlung gehört.“ Mit „Bobby“ ist Robert J. Kennedy gemeint, Gesundheitsminister unter Trump und als Verschwörungstheoretiker bekannt.
Hinter Trumps angeblicher Ahnungslosigkeit steckt wohl Strategie als US-Präsident
Woran aber liegt es, dass Trump so oft ahnungslos auf Fragen reagiert. Weiß er wirklich nicht Bescheid oder ist es Strategie? Der Politik-Berater Tim Miller sieht darin eine Taktik: Trump wolle vermeiden, für bestimmte politische Entscheidungen zur Rechenschaft gezogen zu werden, sagte Miller im US-Sender MSNBC. „Er will damit Verantwortlichkeit vermeiden.“ Auch das US-Blatt The Atlantic schrieb zuletzt in einem Beitrag, Trump verstecke sich hinter seinen Anwälten: Der Republikaner vermeide so, für harte Entscheidungen die Verantwortung zu übernehmen.
Unwissenheit als Taktik: Trump ändert Meinung von einem Tag auf den anderen
Trump zeigt sich aber wohl auch teils absichtlich ahnungslos, um seine Haltung von einem auf den anderen Tag wieder ändern zu können. Durch diese Ambivalenz weiß keiner so genau, wo Trump eigentlich steht.
So verfährt Donald Trump aktuell auch in Bezug auf die Verhandlungen zum Ukraine-Krieg, bei denen er sich mal auf die Seite von Wladimir Putin, mal auf die von Wolodymyr Selenskyj stellt.
Politik-Experte Rick Stengel, Regierungsmitarbeiter unter Joe Biden, fühlte sich bei MSNBC sogar an frühere Mafia-Gerichtsprozesse in New York erinnert, bei denen Mafia-Bosse vor Gericht ohne mit der Wimper zu zucken behaupteten: „Ich weiß nicht, was das Wort Mafia bedeutet“. Stengel erklärte: „Wenn du behauptet, irgendetwas nicht zu wissen, bist zu nicht verantwortlich dafür.“
So sei es auch bei Trump: Werde er zum Beispiel auf nach Libyen deportierte Migranten angesprochen, behaupte er einfach, er wisse nichts darüber. Weitere Fragen dazu liefen dann komplett ins Leere.
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Bei US-Zöllen scheint Donald Trump teils wirklich keine Ahnung von Details zu haben
Ahnungslosigkeit vorschützen – diese Strategie war bei Trump wohl auch beliebt während seiner Gerichtsverfahren. Die New York Times berichtete im Jahr 2019, dass Trump in einem Prozess 30 Mal gesagt habe: „Ich kann mich nicht erinnern“. Bei dem Verfahren ging es um eine mögliche Zusammenarbeit Trumps mit Russland im Präsidentschaftswahlkampf gegen Hillary Clinton.
Manchmal scheint Trump aber tatsächlich keine Ahnung zu haben, so Politikexperte Stengel bei MSNBC. Das sehe man im Zollstreit, in dem Trump teilweise offenkundig mit falschen Zahlen hantiere. (smu)
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