Parteichef droht das politische Aus

FDP-Existenzängste bei Bundestagswahl: Droht Lindner das Aus?

Bei der Bundestagswahl könnte es für Christian Lindner um alles gehen: Bei einer FDP-Niederlage droht ihm das Aus – oder doch nicht?

Berlin – Bei der heutigen Bundestagswahl geht es für alle Parteien um sehr viel: Wer wird Bundeskanzler – Olaf Scholz (SPD) oder Friedrich Merz (CDU)? Oder doch Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck? Welche Partei stellt den künftigen Kanzler und wer bietet sich als kleiner Koalitionspartner an?

Aber für einen Politiker geht es heute um deutlich mehr als eine mögliche Regierungsbeteiligung: Christian Lindner. Der FDP-Spitzenkandidat übernahm die Partei vor rund zehn Jahren. Damals hatten die Liberalen den Einzug in den Deutschen Bundestag bei der Bundestagswahl im Jahr 2013 knapp mit 4,8 Prozent verpasst und genau dieses Szenario kann sich heute wiederholen.

Bei FDP-Wahlniederlage: Lindners Zukunft wäre ungewiss

Sollten sich bei der heutigen Bundestagswahl (23. Februar) nicht mindestens fünf Prozent der Wählerinnen und Wähler in Deutschland für die FDP entscheiden, droht Parteichef Lindner das Ende seiner politischen Karriere.

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Am Morgen des Wahltages gab sich der ehemalige Finanzminister wie gewohnt kämpferisch. Auf der Nachrichten-Plattform X warb er für FDP-Stimmen: „Für alle, die eine Wirtschaftswende nicht nur angekündigt, sondern umgesetzt haben wollen. Für alle, die Ordnung in der Migration fordern. Für alle, die wissen, dass wir ohne FDP im Bundestag morgen mit Kenia – einem linken „Weiter so“ – aufwachen werden“. Eine mögliche Kenia-Koalition bestünde aus Union, SPD und Grünen.

Lindners Zukunft bei einer Wahlniederlage der FDP ist unklar. Was aber feststeht: Seine Erfolgsgeschichte als Heilsbringer der FDP wäre am heutigen Sonntag zu Ende.

Trotz schlechter FDP-Umfragewerte: Wenig Kritik an Lindner

Spätestens seit seiner Entlassung als Finanzminister durch Kanzler Olaf Scholz (SPD) und dem PR-Debakel um die D-Day-Papiere – in denen die Liberalen zur politischen „offenen Feldschlacht“ aufriefen – befindet sich Linderns Erfolg im Sinkflug, wenn nicht sogar im Sturzflug. In dieser Krise hält Lindner die Parteifixierung auf seine Person politisch am Leben. Nach dem Bekanntwerden der D-Day-Pläne mussten FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai und Bundesgeschäftsführer Carsten Reymann gehen. Und Lindner? Blieb.

Endet die politische Karriere von Christian Lindner bei der heutigen Bundestagswahl?

Obwohl die FDP seit langer Zeit nur schlechte Umfragewerte hinnehmen muss, sieht sich der Parteiboss – anders kann man ihn kaum nennen – wenig Kritik von seinen Parteifreunden ausgesetzt. Eine seltene kritische Stimme ist das 92-jährige Urgestein Gerhart Baum. Für ihn reduziere sich die Partei auf eine Führungsfigur, berichtete die Tagesschau. Parteiinterne Diskussionen seien von Furcht geprägt.

Endet Lindners Politik-Karriere nach der Bundestagswahl?

Zudem verharren viele Liberale im Dank für Lindners vergangene Leistungen – dass er die FDP bei der Bundestagswahl 2017 mit 10,7 Prozent zurück in den Bundestag holte. Dass Lindner die damaligen Sondierungsgespräche mit Union und Grünen abgebrochenen hatte, legten ihm viele als Prinzipientreue aus. Viele erinnern sich noch heute an sein medienwirksames Statement: „Es ist besser nicht zu regieren, als falsch zu regieren.“ Diese Machtoption könnte er 2025 nicht haben.

Ob Lindner bei einer Wahlniederlage tatsächlich das Rampenlicht verlassen wird, ist ungewiss. Alternativen für seine Person gibt es nicht und seine Macht in der FDP ist so groß, dass er wohl alleine entscheidet, ob seine politische Karriere am heutigen Tag enden wird – oder ob sie abseits des Bundestags weitergeht. Möglicherweise für eine erneute Kandidatur in vier Jahren.

Seit 8 Uhr haben die Wahllokale in Deutschland geöffnet. Merz und Scholz haben ihre Stimme bereits abgegeben. (Jan-Frederik Wendt)

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

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