Rüstungsdeal

Erdogan könnte nach Scholz-Besuch auf Eurofighter-Kampfjets setzen

Deutschland hat bisher den Verkauf von Eurofighter-Kampfjets an die Türkei abgelehnt. Nun könnte es zu einer Vereinbarung kommen.

Berlin/Ankara – Zwischen der Türkei und Deutschland sind die Beziehungen weiterhin problematisch. Vor allem in der Nahostpolitik gehen die Meinungen auseinander. Während Deutschland sich klar auf die Seite Israels gestellt hat, kritisiert Präsident Recep Tayyip Erdogan ganz klar das Vorgehen des jüdischen Staates gegen die Palästinenser und den Libanon. Erdogan wirft Israel Völkermord vor und vergleicht den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu mit Adolf Hitler.

Berlin genehmigt große Rüstungsexporte für Türkei

Dennoch hatte sich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Samstag mit dem türkischen Präsidenten in Istanbul getroffen. „Die Türkei ist für uns als Nato-Verbündeter in außen- und sicherheitspolitischen Fragen, aber auch bei Themen wie Migration, Energie und Handel ein zentraler Gesprächspartner“, teilte ein Sprecher der Bundesregierung mit. Eine parlamentarische Anfrage der Fraktion BSW ergab, dass in diesem Jahr bis zum 13. Oktober bereits 69 Genehmigungen für Rüstungsexporte im Wert von 103 Millionen für die Türkei erteilt.

Noch nicht in die Statistik eingeflossen sind offenbar eine Reihe von Exporten, über die Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am 30. September den Wirtschaftsausschuss des Bundestags informiert hat. In einem Schreiben an die Abgeordneten teilte er mit, dass der Bundessicherheitsrat den Unternehmen Thyssenkrupp Marine Systems und Atlas Elektronik den Export von 28 Torpedos des Typs Seahake (Seehecht) inklusive Zubehör und Ersatzteilen für 156 Millionen Euro genehmigt hat. Außerdem gab das Gremium, das unter Leitung von Bundeskanzler Scholz geheim tagt, grünes Licht für die Lieferung von 101 Lenkflugkörpern des Herstellers MBDA, deren Wert nicht genannt wurde. 

Präsident Erdogan kann auf Eurofighter Kampfjets doch noch hoffen.

Berlin vor Zustimmung für Eurofighter-Verkauf an Türkei

Doch auf der Wunschliste der Türken sind vor allem Kampfflugzeuge vom Typ Eurofighter Typhoon. 40 dieser europäischen Maschinen will die Türkei kaufen. Ein Kauf war vor allem an Deutschland gescheitert. Die jüngsten Genehmigungen von Rüstungsexporten zeigen, dass die Deutschland doch noch einem Verkauf zustimmen könnten. Offenbar soll ein Verkauf der Kampfjets jedoch an strenge Auflagen gekoppelt sein. Die europäischen Kampfjets dürften nicht zur Verletzung des griechischen Luftraums über der Ägäis eingesetzt werden, schreibt Middle East Eye unter Berufung auf mit der Sache vertraute Quellen.

„Türkische Verteidigungsquellen berichteten, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Beschaffung des Eurofighter Typhoon an Bedingungen geknüpft werden wird“, schreibt das Branchenmagazin Savunma Sanayi ST. Im August war der türkische Generalstabschef Metin Gürak ins Vereinigte Königreich gereist, um Gespräch zu den Eurofightern zu führen. „Im Rahmen des Besuchs nahm Generalstabschef Gürak auch das Kampfflugzeug EF-2000 Eurofighter Typhoon unter die Lupe, das die Türkei vom Vereinigten Königreich beschaffen möchte“, schreibt das Magazin.

Recep Tayyip Erdoğan: Der Weg zur Macht des türkischen Präsidenten

Armut, Haft, absolute Macht: Der Sohn eines Küstenschiffers wird in einer politischen Karriere vom eifrigen Koranschüler zum absoluten Machthaber in der Türkei. Recep Tayyip Erdogans Weg kann getrost unüblich genannt werden. Aufgewachsen in einem religiösen, doch armen Vorort von Istanbul macht er als talentierter Fußballer auf sich aufmerksam. Der religiöse Vater verbietet den Traum vom Fußball und schickt ihn auf eine Religionsschule, auf welcher er ein neues Talent entdeckt. Die freie Rede ist damals eines der wichtigsten Fächer und der junge Recep macht schon damals mit seinem Redetalent auf sich aufmerksam und konnte aufgrund des ISKI-Skandals als Außenseiter Bürgermeister Istanbuls werden.
Es folgte ein großer Wahlerfolg seiner Partei bei den Parlamentsgutswahlen 2002. Zwar durfte Erdogan aufgrund eines Gedichtes, für welches er zu einem Politikverbot und einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, nicht das Amt des Ministerpräsidenten nicht einnehmen. Dafür installierte er seinen Parteikollegen Abdullah Gül in dem Amt, welcher kurzerhand die Gesetze änderte, um das Vergehen, welches Erdogan ein Politikverbot einbrachte, umschrieb.
Nachdem Gül die Verfassungsänderung durchgebracht hatte, und eine Annullierung der Wahl in der Provinz Siirt stattfand, konnte er nachträglich als Abgeordneter ins Parlament einziehen. Somit war er erneut offiziell Politiker und in der Lage, Ämter innezuhaben. Er wurde am 12. März 2003 Ministerpräsident und Gül übernahm den Posten des Außenministers. Hier auf diesem Foto wird Erdogan als Parlamentsabgeordneter vereidigt.
Erdogan wurde am 12. März 2003 Ministerpräsident, Abdullah Gül übernahm den Posten des Außenministers. Zunächst öffnete sich die Türkei dem Westen und schuf etwa die Todesstrafe ab. Außenpolitisch verfolgte Erdogan zudem anfangs eine Annäherung an die EU, sodass ein möglicher Beitritt im Raum stand. Auch verbesserte sich das Verhältnis der Türkei zu ihren östlichen Nachbarn deutlich.
Recep Tayyip Erdoğan: Der Weg zur Macht des türkischen Präsidenten

Neben Eurofightern auch moderne Radar-Technologie für Türkei

Die Bundesregierung hingegen scheint sich inzwischen nicht mehr gegen einen Verkauf von Eurofightern an die Türkei zu stellen. „Technische Gespräche“ dazu liefen bereits, hatten mehrere Quellen berichtet. Jetzt wartet man auf einen Vertrag. „Das multinationale Luftfahrtunternehmen Airbus hat bereits angekündigt, dass nach Abschluss des Vertrags die ersten zwei Dutzend Eurofighter Typhoon innerhalb weniger Jahre in die Türkei geliefert werden könnten, während die restlichen 16 in späteren Phasen produziert würden“, schreibt das US-Magazin The National Interest.

„Der Gesamtwert des Geschäfts soll sich auf rund 5,6 Milliarden Dollar belaufen und würde neben den 24 ersten Flugzeugen auch Schulungen, Ersatzteile und Wartungsgeräte umfassen. Die Eurofighter Typhoons würden die türkischen Luftstreitkräfte auch mit der AESA-Radartechnologie ausstatten, die ihnen bisher fehlte“. Doch noch ist unklar, ob es zu einer Einigung kommen wird. „Es bleibt jedoch unklar, ob es innerhalb der EU oder des internationalen Militärbündnisses weitere Widerstände geben wird“, gibt das US-Magazin zu bedenken. Schließlich sind an dem Bau des Eurofighters sind neben Deutschland das Vereinigte Königreich, Italien und Spanien beteiligt. (erpe/dpa/AFP)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Bernd Elmenthaler

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