Zu Putins Freude „direkt abhängig“

Doppelte Putin-Häme? Trumps Waffen-Rückzieher schmerzt die Ukraine besonders

Die USA stoppen Waffenlieferungen für die Ukraine – just bei einem wichtigen System. Das schmerzt Kiew. Aber es lässt auch Trump schwach aussehen.

Update vom 3. Juli 2025: Das Weiße Haus hat offiziell einen Lieferstopp bestimmter Waffenkategorien der USA an die Ukraine angekündigt. Das hat in Kiew Sorge ausgelöst, in Moskau wohl Freude (siehe unten) – und offenbar auch gewisses Unwohlsein in Washington. In der Nacht auf Donnerstag ruderten gleich zwei US-Ministeriumssprecher zurück. Der Teufel liegt allerdings im Detail.

Das US-Verteidigungsministerium biete Präsident Donald Trump „robuste Optionen für die militärische Unterstützung der Ukraine, die mit seinem Ziel, diesen tragischen Krieg zu beenden, im Einklang stehen“, sagte Pentagon-Sprecher Sean Parnell. Außenministeriumssprecherin Tammy Bruce betonte, dass es sich nicht um eine „Beendigung der Unterstützung für die Ukraine oder der Waffenlieferungen“ handele. Außerdem habe Trump erklärt, dass er an seinem Engagement für Lieferung von Patriot-Flugabwehrraketen festhalte. All das ist bekannt, bedeutet aber keine Entwarnung für die Ukraine, die dringend auf Luftabwehr angewiesen ist.

US-Außenministeriums Tammy Bruce muss gegensteuern – Donald Trumps Weißes Haus hatte die Ukraine geschockt.

Am Vortag hatte Trumps Sprecherin Anna Kelly ein Ende für einige bereits in Aussicht gestellte Waffenhilfen angekündigt. Hintergrund ist wohl eine Art Inventur des Pentagons. Das letzte Wort hat freilich das Präsidialamt – das Trump eine „Prüfung“ von Patriot-Lieferungen versprochen hatte, ist richtig. Trump hatte aber auch betont, diese Luftabwehrraketen seien rar. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj berichtete am Mittwochabend von laufenden Verhandlungen mit den USA, auch über Flugabwehr. „Auf die ein oder andere Weise müssen wir den Schutz unserer Leute sicherstellen“, sagte Selenskyj.

Trump trifft Ukraine ins Mark: Warum der US-Waffen-Rückzieher Russland besonders freut

Bericht vom 2. Juli 2025: Täglich analysiert das US-amerikanische „Institute For The Study of War“ (ISW) die Lage an den Fronten im Ukraine-Krieg, gestaffelt nach geografischer Lage. Am Dienstag stand über jedem einzelnen Abschnitt: „Russische Kräfte setzten Offensivoperationen fort.“ Einzig an „bestätigten Fortschritten“ mangelt es Putins Truppen laut ISW. Man könnte auch sagen: Die Ukraine stemmt sich auf ganzer Frontlänge gegen Russlands Angriffe. Und sie wird zugleich Opfer von massiven Drohnen- und Raketenangriffen nahezu im ganzen Land.

In dieser Situation will man in Kiew eines ganz sicher nicht lesen: dass die USA bereits angekündigte Waffenlieferungen absagen. Doch genau das hat Donald Trumps Vizesprecherin Anna Kelly öffentlich getan. Ein genauerer Blick zeigt, dass die Neuigkeit für die Ukraine ganz besonders schmerzhaft ist. Aber auch, dass der Hintergrund vielleicht weniger ein putinfreundliches Spielchen von Trump ist, denn ein in neuen Realitäten begründetes Problem der USA.

Trump trifft Ukraine ins Mark: Putin greift im großen Stil an – genau die gecancelte Munition fehlt

Was genau die USA nun nicht mehr an die Ukraine liefern wollen, verriet Kelly nicht offiziell. Allerdings bestätigten gleich mehrere Quellen dem Sender NBC, worum es geht: um verschiedene Raketenbaureihen, um Artilleriemunition – und nicht zuletzt um Patriot-Flugabwehrraketen.

Für die Ukraine ist das ein ernster Rückschlag. Denn es leidet potenziell nicht nur die Fähigkeit, Russlands Beschuss an der Front zu beantworten. Sondern vor allem, die zuletzt massiv angewachsenen russischen Luftangriffe auf Städte und zivile Ziele im ganzen Land abzufangen. Dabei helfen bislang etwa IRIS-Systeme aus Deutschland. Aber eben auch die Patriots. Noch beim Nato-Gipfel in der vergangenen Woche bat Wolodymyr Selenskyj Trump um Nachschub. Das ist kein Zufall.

Zerstörungen nach russischem Beschuss in Kiew Ende Juni – Wolodymyr Selenskyj (li.) konnte Donald Trump offenbar nicht von Patriot-Lieferungen überzeugen.

Sicherheitsexpertin Minna Ålander betonte unlängst im Interview mit IPPEN.MEDIA, die Ukraine sei bei einigen Waffensystemen direkt abhängig von den USA: „Ganz entscheidend bei Flugabwehr und Patriot-Systemen.“ Tatsächlich kann Europa hier nur sehr begrenzt helfen – es steht selbst vor einer dünnen Produktion und einer gefühlten Bedrohung aus Russland. Mittelfristig müsse die Produktion von Flugabwehrsystemen wie IRIS und SAMP/T ausgebaut werden, mahnte Politikwissenschaftler Ulf Steindl schon im März im Gespräch mit unserer Redaktion.

Auf Sicht könnten die wichtig werden. Entweder um russischen Drohungen souverän gegenübertreten zu können. Oder um tatsächliche Angriffe etwa auf das Baltikum abzuwehren. Auch dort ist Flugabwehr laut Ålander knapp. Die Ukraine will unterdessen die eigene Produktion von Luftabwehr ausbauen, wie Außenminister Andrij Sybega gerade erst sagte. Helfen könnte dabei Deutschland.

Im Ukraine-Krieg: Trump stoppt Lieferungen – Sprecherin muss eher peinliche Klarstellung machen

Die Gefahren eines Mangels erlebt die Ukraine bereits am eigenen Leib. Wird es nun auf Sicht noch stärker an Flugabwehr fehlen, dann wird sich das wohl direkt in mehr durch russischen Beschuss getötete Zivilisten, darunter Frauen, Kinder und Alte, umsetzen. Stellt sich die Frage: Nimmt Trump dieses Leid bewusst in Kauf, womöglich um noch einmal den Verhandlungsdruck auf die Ukraine zu erhöhen und so indirekt Wladimir Putin zu stärken?

„Die Entscheidung wurde nach einer Analyse der militärischen Unterstützung unserer Nation für andere Länder rund um den Erdball getroffen, um Amerikas Interessen an oberste Stelle zu setzen“, betonte Regierungssprecherin Kelly. Trump verkauft seinen Schritt also als Musterbeispiel für „America First“. Doch ganz so „souverän“ – oder je nach Sichtweise selbstgefällig – ist der Schritt vielleicht gar nicht.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Kelly selbst nannte als Hintergrund eine laufende Analyse des Pentagons. Was Verteidigungsminister Pete Hegseth dabei offenbar herausfand: Munition ist knapp, etwa wegen der Unterstützung für die Ukraine und Israel, aber auch wegen Einsätzen gegen die Huthi-Milizen. Trumps Sprecherin bemühte sich um eine Klarstellung. „Die Stärke der Armee der Vereinigten Staaten bleibt unbestritten“, sagte sie. Aber wenn dem so wäre – müsste man es betonen?

Kelly fügte mit Blick auf den jüngsten Schlag der USA hinzu: „Fragen Sie einfach den Iran.“ Das Stichwort „Iran“ jedenfalls könnte passen – die USA sehen sich mit neuen Bedrohungen und Rachegelüsten rund um den Erdball konfrontiert. Und allzu reichhaltig scheint die Vorratshaltung für den Ernstfall nicht zu sein. (fn)

Rubriklistenbild: © Montage: Lenin Nolly/Sopa Images/Imago/Mark Schiefelbein/picture alliance/AP

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