Veränderte Sicherheitslage

Umfrage zeigt: Jeder Zweite wünscht sich Wehrpflicht in Deutschland zurück

Die Wiedereinführung der Wehrpflicht wird in Deutschland kontrovers diskutiert. Die Meinung in Bevölkerung dazu ist gespalten. Das zeigt auch eine neue Umfrage.

Berlin – Der Ukraine-Krieg führt zu Kriegsängsten auch im Westen. Immer mehr Stimmen in Deutschland fordern daher eine Wiedereinführung der Wehrpflicht. Eine aktuelle Forsa-Umfrage zeigt, dass rund die Hälfte der Bundesbürger aktuell für eine Wiedereinführung der Wehrpflicht sind. Bei der Erhebung im Auftrag des Stern plädierten 52 Prozent der Befragten für einen verpflichtenden Dienst bei der Bundeswehr. 43 Prozent waren dagegen, 5 Prozent äußerten keine Meinung. 

Umfrage zur Bundeswehr: Über 60-Jährige befürworten Wehrpflicht am meisten

Die stärksten Befürworter einer Wehrpflicht fanden sich den Angaben zufolge in der Altersgruppe über 60 Jahren. Hier sprachen sich 59 Prozent für eine Wiedereinführung aus. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind hingegen 59 Prozent gegen den militärischen Pflichtdienst. Details, etwa zur Dauer und Ausgestaltung des Wehrdienstes wurden nicht abgefragt.

Um die Verteidigungsfähigkeit zu stärken, soll die Bundeswehr nach dem Willen der Bundesregierung kräftig wachsen. Tatsächlich aber ist die Zahl der Soldaten 2023 gesunken – auf 181.500 Männer und Frauen. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) lässt aktuell verschiedene Modelle einer Dienstpflicht prüfen. Darunter das in Schweden praktizierte Modell: Dort werden alle jungen Frauen und Männer gemustert, ein ausgewählter Teil bekommt dann das Angebot für einen Wehrdienst.

Rekrutinnen und Rekruten der Bundeswehr nehmen an einer feierlichen Vereidigung teil.

Wehrpflicht wurde in Deutschland im Jahr 2011 abgeschafft

Die Wehrpflicht war in Deutschland im Juli 2011 nach 55 Jahren unter dem damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ausgesetzt worden, was in der Praxis einer Abschaffung von Wehr- und Zivildienst gleichkam. Praktisch alle nötigen Strukturen wurden damals aufgelöst. Eine Wiedereinführung der Wehrpflicht stößt aktuell vor allem in der FDP, aber auch bei SPD und Grünen auf Widerstand.

Union will Wiedereinführung der Wehrpflicht – Söder: „Wichtiger Baustein“

Aus der Union kommen dagegen andere Stimmen. CSU-Chef Markus Söder hat kürzlich seine Forderung nach einer Wiedereinführung der Wehrpflicht bekräftigt. Deutschland stehe sicherheitspolitisch vor völlig neuen Herausforderungen. „Unser Land braucht 100 Prozent Verteidigungsfähigkeit. Die Wiedereinführung der Wehrpflicht ist dafür ein wichtiger Baustein“, sagte der bayerische Ministerpräsident am Montag (11. März) der Augsburger Allgemeinen.

Söder schwebt ein Zeitfenster von fünf bis sieben Jahren für die Wiedereinführung vor. Konkret sollte es dann „eine vernünftige Grundausbildung von mindestens sieben Monaten für junge Männer“ geben.

Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks

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Wolodymyr Selenskyi in Donezk
Menschen suchen Deckung in Lyssytschansk
Tschassiw Jar, Kleinstadt der Ukraine in der Nähe Lyssytschansk
Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks

Auch Oberst Ulrich Kirsch, langjähriger Chef des Bundeswehrverbands, spricht sich klar für eine Wehrpflicht in Deutschland aus. Er wisse zwar, dass die Wiedereinführung derzeit parteipolitisch keine Mehrheit habe. „Dennoch ist es dringend notwendig, genau darüber zu sprechen. Wir brauchen hierzu eine breite gesellschaftliche Debatte mit zeitnahem Ergebnis“, sagte er der Augsburger Allgemeinen. Der Bundeswehr fehlen nach seiner Darstellung derzeit rund 20.000 Männer oder Frauen. (erpe/dpa)

Rubriklistenbild: © Dwi Anoraganingrum/Imago

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