Widerstand gegen Abschiebungen

Der Widerstand wächst: „Luce“ klärt über Trump-Abschiebungen auf

„Luce“ bedeutet Licht, doch für viele bringt es Hoffnung. Die Gruppe dokumentiert heimliche ICE-Einsätze. Trumps Politik gerät unter Druck.

Washington, DC – Seien es die „No-Kings“-Protesten oder die Demonstrationen gegen Abschiebungen in Los Angeles vergangene Woche: Zahlreiche Aktionen gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump stehen derzeit im öffentlichen Interesse. Doch auch abseits des Protests auf der Straße regt sich Widerstand gegen die Migrationspolitik der US-Regierung. Im US-Bundesstaat Mayne haben sich mehrere Organisationen zusammengetan, um vor Einsätzen der Einwanderungsbehörde ICE zu warnen, das Vorgehen der Beamten zu dokumentieren und Betroffenen Beistand zu leisten.

„Luce“, so heißt der neue Zusammenschluss, bedeutet in vielen Sprachen Licht oder Helligkeit. „Aber für uns symbolisiert es Wahrheit, Schutz und Klarheit – Werte, die im Kampf gegen ungerechte Abschiebungen und Einschüchterung unverzichtbar sind“, heißt es auf der Website der Vereinigung. Das selbsterklärte Ziel ist sicherzustellen, „dass niemand angesichts von Ungerechtigkeit allein dasteht“; angesichts der Lage in den USA sei das „heute eine Notwendigkeit“. Zu diesem Zweck wurde eine Hotline eingerichtet, die sich gegen Abschiebungen einsetzt sowie Kontakte zu Rechtsbeiständen und Hilfsorganisationen herstellt.

Neuer Widerstand gegen ICE-Abschiebungen: Bürgergruppe „Luce“ dokumentiert Trumps Razzien

Wie groß der Bedarf ist, zeigte sich erstmals am 25. März, nur zwei Wochen nach Gründung der Gruppe. „Gegen 17:30 Uhr rief ein Mann aus Somerville an und sagte verzweifelt: ‚Jemand wird entführt‘“, so Danny Timpona, einer der Organisatoren, gegenüber der Boston Review. Nur fünf Minuten nach dem Anruf seien Kräfte von Luce vor Ort gewesen, so der Bericht. Doch leider seien sie zu spät gekommen.

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Das Opfer – Rümeysa Öztürk, eine türkische Doktorandin der Tufts University mit gültigem Visum – war bereits von maskierten Beamten in Zivil umzingelt, mit Handschellen gefesselt und in ein unmarkiertes Auto gezerrt worden. Ihr einziges Vergehen war, sich an einem Gastkommentar in der Studentenzeitung ihrer Uni beteiligt zu haben. In diesem wurde die Universität aufgefordert, wegen der Situation im Gazastreifen nicht weiter mit israelischen Einrichtungen zu kooperieren – für die Einwanderungsbehörde Grund genug für eine Verhaftung. Beim Bekanntwerden löste der Fall weltweit Besorgnis aus; die Folgen von Trumps Migrationspolitik waren zum ersten Mal unverkennbar geworden.

Vorgehen von ICE in Boston: Aktivisten machen Trumps Abschiebungspraktiken weltweit bekannt

Gerettet wurde Öztürk durch die Arbeit von Luce also nicht, zumindest nicht direkt. Eine Intervention sei ohnehin nie das Ziel, so Dálida Rocha, Geschäftsführerin einer beteiligten Organisation, laut dem Zeitungsbericht. Vor allem unter einer Trump-Regierung, die mit neuer Aggressivität und Straffreiheit agiere, sei das zu riskant. Tatsächlich seien die Überprüfung und Dokumentation die wichtigsten Teile des Prozesses, habe die Organisatorin klargestellt.

Diese Strategie blieb im Falle Öztürks nicht wirkungslos. Wie das Portal Boston.com schreibt, führte Luce im Anschluss an die Entführung eine Tür-zu-Tür-Befragung durch. Dabei habe man erfahren, dass mehrere unmarkierte Fahrzeuge zwei Tage lang in der Gegend geparkt hatten. Auch habe die Gruppe viele Filmaufnahmen erhalten. Zwar seien die meisten unbrauchbar gewesen, doch das Überwachungsvideo eines Anwohners war schließlich ein Treffer. Deutlich sieht man darauf das einschüchternde Vorgehen der ICE-Beamten und Öztürks Gesicht. Sogar die Schreie der Frau sind zu hören. Es war diese Aufnahme, die schließlich um die Welt ging und größe Empörung auslöste.

Dokumentation statt Konfrontation: Wie „Luce“ Trumps Abschiebungspraxis systematisch aufdeckt

Für Luce sollte das erst der Anfang sein. Inmitten Einwanderungsrazzien und einer Welle von ICE-Aktivitäten speziell in Massachusetts habe sich die ICE weitgehend bedeckt gehalten, so der Bericht. Die Bundesbehörde habe angegeben, dass während einer einmonatigen Operation im Mai fast 1500 Personen festgenommen wurden, jedoch nur wenige Details und keine Namen der Festgenommenen mitgeteilt. Während dieser Zeit habe die Hotline täglich bis zu 300 Anrufe erhalten – und insgesamt 400 Festnahmen dokumentiert.

Demonstrationen sind nicht die einzige Protestform gegen die Migrationspolitik von US-Präsident Donald Trump.

„Wenn Sie tagsüber eine Entführung beobachten und keine Ahnung haben, wer daran beteiligt war, was passiert ist oder welche Behörde dafür verantwortlich ist, leben alle in Angst und Panik“, erklärte ein Organisator laut dem Portal. „Wir sind der Meinung, dass dies kein Leben ist, aber die Menschen haben zumindest das Recht zu erfahren, was vor sich geht“. (tpn)

Rubriklistenbild: © IMAGO/MARILYN HUMPHRIES

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