Ein Kommentar
Tag der Arbeit wörtlich nehmen: Ein Feiertag weniger
Feiertage sind heilig – dennoch fordern Ökonomen deren Streichung. Sind mehr Steuereinnahmen und weniger Erholung nun die Lösung? Ein Kommentar zu diesem Dilemma.
Zu den Heiligen Kühen der Deutschen zählen die Feiertage. Wenn Ökonomen fordern, einen Feiertag zu streichen, dauert es bis zum empörten Aufschrei nicht lange. „Wir sollen mehr arbeiten? Nein, danke!“ Brückentage müssen verteidigt werden. Wir leben schließlich in Zeiten der Work-Life-Balance. Und war das Ziel nicht eigentlich die Vier-Tage-Woche?
Dabei wären die Ziele der Feiertagsstreichung durchaus ein Gewinn für den Staat, also für uns alle: produktivere Wirtschaft und höheres Steueraufkommen. Laut Experten würde ein zusätzlicher Werktag etwa acht bis elf Milliarden Euro einbringen. Das sind keine Peanuts.
Was bleibt auf der Strecke: Tradition oder Erholung
Ja, ein Feiertag weniger hätte auch Nachteile. Menschen verlieren Erholungszeit und Feiertagszuschläge. Branchen beispielsweise im Tourismus-, Freizeit- und Gaststättenbereich verlieren Kunden und Einnahmen. Die versprochenen Vorteile wie eine Entlastung des Staatshaushalts sind abstrakt, der freie Tag weniger ist dagegen konkret. Kein Wunder, dass die Akzeptanz für den Vorstoß überschaubar ist.
Doch seien wir mal ehrlich: Warum feiern wir noch christliche Feiertage? Um des Inhalts und des Innehaltens wegen? Oder doch eigentlich nur um des Freihabens wegen? Oder was spricht dagegen, den Tag der Arbeit wörtlich zu nehmen? Die Historie des 1. Mai mit seiner Okkupation durch die Nazis ist sicher kein Grund, daran festhalten zu müssen. Aber egal, welcher Feiertag: Die Debatte sollte jedenfalls sachlich und nüchtern geführt werden.
Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/ dpa/ Henrik Wiemer/Digitalbild (montage)
