Kommentar

Die Mattheit der Besiegten: Demokraten bieten Trump endlich die Stirn

Nach der Niederlage bei US-Wahl schienen die Demokraten völlig abgetaucht. Jetzt sendet die Opposition erstmals wieder Lebenszeichen. Ein Kommentar.

Berlin/Washington D.C. – Am vergangenen Freitag (28. Februar), als Donald Trump und sein Vize J.D. Vance den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit der Herablassung zweier arroganter Narzissten behandelten, brachen sich weltweit Empörung und Entsetzen Bahn.

Ein nachvollziehbarer Reflex in den meisten demokratisch regierten Ländern, wo diese Art der Diplomatie nur fassungslose Gesichter hinterlässt. Gleichzeitig stellte sich die Frage: Wo bleibt der Aufschrei in den USA nach diesem diplomatischen Tiefpunkt? Wo ist der Protest des politischen Gegners in den USA selbst? Was machen eigentlich die US-Demokraten?

Nach Niederlage bei US-Wahl abgetaucht: Demokraten senden erstmals wieder Lebenszeichen

Die sind in den ersten Wochen von Trumps zweiter Amtszeit erst einmal in der Versenkung verschwunden. Wunden leckend nach der Wahlniederlage ihrer Spitzenkandidatin Kamala Harris am 5. November, befallen von der Mattheit der Besiegten. Selbst der Eklat um Selenskyj vermochte sie nicht aufzurütteln.

Demokratische Abgeordnete halten Schilder hoch, um zu protestieren, während Präsident Donald Trump vor einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses spricht.

Erst nach der Rede Trumps vor dem Kongress an diesem Dienstag (4. März) sind wieder zarte Lebenszeichen auf dem politischen EKG der Democratic Party zu sehen, die immerhin weiter die mitgliederstärkste Partei der USA ist. Dass der auffälligste Protest im Kongress nun das Schwingen eines Gehstocks durch den 77-jährigen Abgeordneten Al Green war, war allerdings sinnbildlich.

Neuordnung der Demokraten zu langsam: Gegen Trumps Politik braucht es eine starke Opposition

Denn die US-Demokraten unternehmen in der Opposition zu wenig – in allen Belangen. Der notwendige Generationenwechsel war schon unter der Regierung von Biden ausgeblieben. Und auch nach der Niederlage von Harris sucht man weiter nach hoffnungsvollen neuen Führungsfiguren, die sich der egozentrischen und das Weltengefüge gefährdenden Politik Trumps entgegenstellen.

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Aus Washington heißt es immer wieder, die Partei sortiere sich neu. Doch sie sollte sich damit beeilen. Denn je länger Trump Zeit hat, die USA nach seinem Gusto zu formen, desto schwieriger wird die oppositionelle Arbeit werden.

Rubriklistenbild: © Win McNamee/IMAGO

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