Atomstrategie

Bereit für den Atomschlag: Offizier offenbart Russlands Atomgeheimnisse im Ukraine-Krieg

Ein ehemaliger Offizier der russischen Atomstreitkräfte packt aus und gibt einen seltenen Einblick in die geheimen Abläufe im Ukraine-Krieg.

Moskau – Ein ehemaliger Offizier der russischen Atomstreitkräfte hat einige Details über die russische Atomstrategie verraten – und gibt einen Einblick in die streng geheimen internen Abläufe der russischen Atomstreitkräfte.

Demnach habe schon von Tag eins des Ukraine-Kriegs an Kampfalarm geherrscht. Drei Tage nachdem Truppen über die Grenze der Ukraine geströmt waren, verkündete Wladimir Putin, dass Russlands nukleare Abschreckungskräfte in einen „besonderen Kampfdienstmodus“ versetzt worden seien. Der Offizier sagte der BBC: „Wir waren bereit, die Streitkräfte zur See und in die Luft zu schicken und theoretisch einen Atomschlag auszuführen.“ Die Quelle der BBC war Offizier in einer streng geheimen Atomwaffenanlage in Russland.

Wie stark ist das russische Waffenarsenal? Auf diesem Foto des Pressedienstes des russischen Verteidigungsministerium wird eine ballistische Interkontinentalrakete des Typs Yars vom Startplatz Plesetsk im Nordwesten Russlands abgefeuert.

Atomstreitkräfte im Ukraine-Krieg: „Wir kämpften nicht im Krieg, wir bewachten nur die Atomwaffen“

Der Offizier, der laut BBC zu seinem Schutz anonym bleiben muss, behauptet, seine Einheit sei „im Stützpunkt eingeschlossen“ gewesen. „Wir hatten nur das russische Staatsfernsehen“, so der ehemalige Offizier. „Ich wusste nicht unbedingt, was das alles bedeutete. Ich habe automatisch meine Pflichten erfüllt. Wir kämpften nicht im Krieg, wir bewachten nur die Atomwaffen.“

Der Alarmzustand sei nach zwei bis drei Wochen aufgehoben worden, fügte er hinzu. Die Aussagen geben einen Einblick in die streng geheimen internen Abläufe der russischen Atomstreitkräfte. „Dort gibt es ein sehr strenges Auswahlverfahren. Jeder ist ein Berufssoldat – keine Wehrpflichtigen“, erklärte er der BBC. „Es gibt ständige Kontrollen und Lügendetektortests für alle. Der Sold ist viel höher und die Truppen werden nicht in den Krieg geschickt. Sie sind dort, um einen Atomschlag entweder abzuwehren oder durchzuführen.“

1.700 einsatzfähige Atomsprengköpfe: Wird Putin Atomwaffen im Ukraine-Krieg einsetzen?

Laut der Federation of American Scientists verfügt Russland über rund 4380 Atomsprengköpfe, aber nur 1700 sind einsatzbereit. Alle Nato-Mitgliedsstaaten zusammen besitzen eine ähnliche Zahl.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Es gibt auch Bedenken, ob Putin sich dazu entschließen könnte, „nicht-strategische“, oft als taktische Atomwaffen bezeichnete, einzusetzen. Dabei handelt es sich um kleinere Raketen, die im Allgemeinen keinen weit verbreiteten radioaktiven Niederschlag verursachen. Ihr Einsatz würde dennoch zu einer gefährlichen Eskalation des Krieges führen.

Als Reaktion auf die Erlaubnis der USA, ATACMS-Raketen auf russisches Gebiet zu schießen, ratifizierte Putin Änderungen an der Atomdoktrin – den offiziellen Regeln, die vorschreiben, wie und wann Russland Atomwaffen einsetzen darf. Die Doktrin besagt nun, dass Russland Atomwaffen einsetzen darf, wenn es einem „massiven Angriff“ durch konventionelle Raketen eines nicht-nuklearen Staates ausgesetzt ist, aber „mit Beteiligung oder Unterstützung eines Atomstaates“.

Ehemaliger russischer Offizier widerspricht westlichen Experten: „Land verfügt über ein enormes Atomwaffenarsenal“

Russische Offizielle sagen, die aktualisierte Doktrin „eliminiere effektiv“ die Möglichkeit einer Niederlage auf dem Schlachtfeld. Aber ist Russlands Atomwaffenarsenal voll funktionsfähig? Einige westliche Experten haben angedeutet, dass die Waffen größtenteils aus der Sowjetzeit stammen und möglicherweise nicht einmal funktionieren.

Der Offizier, der mit der BBC gesprochen hat, wies diese Meinung als „sehr vereinfachte Sichtweise sogenannter Experten“ zurück. „Es mag in einigen Gebieten einige altmodische Waffentypen geben, aber das Land verfügt über ein enormes Atomwaffenarsenal, eine riesige Menge an Sprengköpfen, einschließlich ständiger Kampfpatrouillen zu Lande, zu Wasser und in der Luft.“ Russlands Atomwaffen seien voll funktionsfähig und kampfbereit, behauptete er. „Die Arbeiten zur Instandhaltung der Atomwaffen werden ständig durchgeführt, sie hören nicht einmal für eine Minute auf.“ (sot)

Rubriklistenbild: © dpa

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