„Ich sage ganz bewusst und ehrlich“

Wehrdienst-Reform: Freiwilligkeit vor dem Aus? Pistorius wird deutlich

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) reist in schusssicherer Weste im Airbus A400M der Luftwaffe von Bagdad nach Erbil. (Archivfoto)
+
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) auf Reise mit der Deutschen Luftwaffe. (Archivfoto)

Mehr Soldaten, mehr Tempo: Pistorius fordert Maßnahmen, um die Bundeswehr besser für Krisen aufzustellen. Die Freiwilligkeit steht auf dem Prüfstand.

Berlin – Schluss mit der Freiwilligkeit beim Wehrdienst? Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) betonte am Mittwoch im Bundestag, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarte Freiwilligkeit nur vorläufig gelte. „Ich sage ganz bewusst und ehrlich: Die Betonung liegt auf ‚zunächst‘, falls wir nicht hinreichend Freiwillige gewinnen können“, erklärte der Minister.

Dabei hatte sich die schwarz-rote Koalition gerade erst auf einen Wehrdienst nach schwedischem Vorbild geeinigt – ohne Zwang. Die Union wollte eigentlich mehr: eine komplette Rückkehr zur Wehrpflicht. Der Minister begründet sein Vorgehen mit knallharten Fakten: Die Bundeswehr hat schlicht zu wenig Personal für ihre Aufgaben.

Pistorius will gründliche Bundeswehr-Reform: „Bedrohungslage geht vor Kassenlage“

Immerhin ein Lichtblick: Die Bewerberzahlen steigen seit über einem Jahr. Im ersten Quartal 2024 konnte die Truppe sogar 20 Prozent mehr Soldaten einstellen als im Vorjahreszeitraum. Doch das reicht Pistorius nicht – die Personallage müsse nachhaltig verbessert werden.

Beim Geld kennt der Minister allerdings keine Kompromisse: „Bedrohungslage geht vor Kassenlage“, stellte Pistorius klar. Haushaltszwänge dürften die Sicherheit nicht gefährden. Ein Schritt in diese Richtung: Noch vor dem Regierungswechsel boxten Union und SPD durch, dass Verteidigungsausgaben über einem Prozent der Wirtschaftsleistung künftig von der Schuldenbremse ausgenommen werden können.

Von Taurus bis Leopard – die Waffensysteme der Bundeswehr im Überblick

Die Bundeswehr ist zu See, an Land und in der Luft mit verschiedenen Waffensystemen präsent.
Ein Startfahrzeug eines Patriot-Luftabwehrsystems der Bundeswehr. (Symbolfoto)
Ein Flugabwehrsystem Skyranger 35 von Rheinmetall, in diesem Fall auf einem GTK Boxer als Waffenplattform.
Die Fregatte F 222 Baden-Württemberg nimmt an der multinationalen Formationsfahrt teil auf dem Transit im Ostchinesischen Meer im Rahmen des Indo-Pacific Deployment, am 11.09.2024.
Von Taurus bis Leopard – die Waffensysteme der Bundeswehr im Überblick

Pistorius machte weiter deutlich: Die Bundeswehr braucht mehr als nur Geld und neue Ausrüstung. „Es braucht Männer und Frauen, die bereit sind, Verantwortung für unser aller Sicherheit zu übernehmen“, sagte der SPD-Politiker. Angesichts der angespannten Sicherheitslage mahnte Pistorius zur Eile: „Das Tempo der Krisen verlangt auch von uns neues Tempo.“ (nak mit AFP)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare