Drohungen von Belarus

Aufmarsch an Grenze: Putin-Verbündeter Lukaschenko nennt Ukraine den „Feind“

Minsk und Kiew werfen einander Säbelrasseln vor. Der belarussische Machthaber Lukaschenko betont, keine Eskalation zu wollen. Seine Truppen seien aber kampfbereit.

Minsk/Kiew - Die Spannungen zwischen der Ukraine und Belarus nehmen weiter zu. Der belarussische Machthaber und bekennender Freund von Russlands Autokrat Wladimir Putin, Alexander Lukaschenko, richtete in einer Ansprache zum Tag der Republik am 3. Juli eine Warnung an Kiew, von weiteren Provokationen abzusehen. „Ich möchte die Ukrainer bitten, nicht mit dem Feuer zu spielen“, sagte Lukaschenko. Minsk werde keine weitere Eskalation im Ukraine-Krieg zulassen.

Kiew hatte daraufhin die Anschuldigungen zurückgewiesen und erklärt, die Ukraine befestige lediglich Abwehrstellungen an der Grenze. Zu Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor über zwei Jahren hat Belarus den Einsatz russischer Militärs von seinem Staatsgebiet aus erlaubt. Zudem sind beide Länder enge Partner, auch auf militärischer Ebene. Russland hat im benachbarten Belarus unter anderem taktische Atomwaffen stationiert.

Spannungen zwischen Ukraine und Belarus nehmen zu – Militärübung in Grenznähe

In den vergangenen Wochen hatten sich die Ukraine und Belarus gegenseitig Säbelrasseln vorgeworfen. Ende Juni hatte Belarus in Grenznähe eine großangelegte Militärübung gestartet. Beteiligt waren nach Angabe des Verteidigungsministeriums Einheiten der operativen Führung, Spezialtruppen, Raketentruppen, Artillerie, Luftwaffe sowie Flugabwehr.

Der russische Präsident Wladimir Putin (l) und der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko geben sich während einer Begrüßungszeremonie im Palast der Unabhängigkeit die Hand.

Im ersten Teil der Übung sollten die Truppen in die vorgegebenen Manövergebiete verlegt werden und ihre Stellungen dort befestigen. Danach sollten die eigentlichen Gefechtsübungen beginnen, hieß es. Genannt wurden Truppenübungsplätze im Gebiet Brest an der Westgrenze von Belarus zu Polen sowie im Gebiet Gomel im Osten an der Grenze zu Russland. Beide Regionen grenzen zugleich von Norden an die Ukraine.

Krieg in der Ukraine: Kiew und Minsk entsenden Einheiten an der belarussisch-ukrainischen Grenze

Vergangene Woche dann gab Belarus bekannt, zusätzliche Einheiten an der Grenze zur Ukraine aufzustellen. Dort seien Mehrfachraketenwerfer mit einer Reichweite von 300 Kilometern positioniert worden, sagte ein Sprecher der Grenztruppen der staatlichen Nachrichtenagentur Belta in Minsk zufolge. Begründet wurde die Maßnahme mit angeblichen Spionage- und Sabotagevorbereitungen vonseiten der Ukraine.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Budapester Memorandum
Ukrainedemo, München
Orangene Revolution in der Ukraine
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Die Ukraine hat den Befürchtungen widersprochen. Das Land stelle keine Bedrohung dar, sondern verstärke vielmehr ihre Verteidigungslinien entlang der Grenze, teilte ein Sprecher des Grenzschutzes mit. Es gebe keine Provokationen. „Wahrscheinlich sind sie selbst verwirrt“, wurde er von der Nachrichtenagentur Unian zitiert.

Video: Schlag gegen Lukaschenko: Sanktionen würgen Waffenlieferungen ab

„Die eigentliche Bedrohung geht von Belarus aus, dort sind genug russische Truppen stationiert“, sagte Andrij Kowalenko, Leiter des Zentrums zur Bekämpfung von Desinformation im Nationalen Sicherheitsrat. Vielmehr versuche das russische Militär damit, ukrainische Kräfte an der Grenze zu Belarus zu binden. 

Lukaschenko richtete in seiner Ansprache zum Tag der Republik beschwichtigende Worte an seine Bevölkerung. Er werde es nicht zulassen, dass Belarus in den Krieg hineingezogen werde. „Ich garantiere Ihnen, dass wir keine Zusammenstöße an der Grenze zur Ukraine zulassen werden, es wird sie nicht geben“, sagte Lukaschenko. Gleichzeitig betonte er, die belarussischen Truppen seien kampfbereit und würden dem „Feind“ Ukraine entgegentreten, falls nötig. (fmü/dpa)

Rubriklistenbild: © Dmitriy Azarov/dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare