NRW

Immer mehr Menschen machen den Motorsägen-Führerschein – das hat Gründe

Wie man eine Motorsäge bedient, lernen immer mehr Menschen. Einer der Gründe: Sie wollen ihr Brennholz selbst schneiden. Doch sie lockt auch etwas anderes.

Recklinghausen – Manche Teilnehmer wollen einfach nur etwas erleben, sagt Carla Paul. „Für die ist das einfach ein schönes Event, draußen im Wald.“ Die Försterin im Revier Hohe Mark, zu dem auch das riesige Waldstück Haard gehört, organisiert gemeinsam mit dem Regionalverband Ruhr (RVR) in NRW Motorsägenkurse für Männer und Frauen. „Die meisten sind Privatpersonen“, sagt sie.

Die lockt aber nicht nur der Event-Charakter in den Wald: Heizen ist teurer geworden, in den letzten Jahren sind viele auf Öfen umgestiegen, die mit Pellets oder Holzscheiten betrieben werden. Wegen der aktuell hohen Holzpreise allerdings sei es für viele Menschen günstiger, Brennholz direkt aus dem Wald zu kaufen, sagt die 28-Jährige. Doch um das mitnehmen zu können, braucht man einen Nachweis darüber, dass man eine Motorsäge bedienen kann.

Försterin berichtet: Motorsägenkurse sind auch als Event beliebt

„Für den Selbsterwerb von Brennholz aus den Wäldern ist dieser Nachweis Voraussetzung“, heißt es beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW. „Der Umgang mit einer Motorsäge muss gelernt sein“, sagt Paul. Der Kurs wird von zwei Forstwirtschaftsmeistern angeboten. In insgesamt 18 Unterrichtsstunden geht es um die Grundlagen der Arbeit mit der Motorsäge für liegendes und stehendes Holz mit einem Durchmesser bis etwa 20 Zentimeter.

Beim Motorsägenkurs lernen Interessierte, wie sie Holz zerschneiden. (Symbol)

„Manche Leute buchen den Kurs, um draußen in der Natur zu sein und körperlich zu arbeiten“, sagt Paul. Ob es vielleicht auch gegen Aggressionen hilft, Baumstämme mit einer Motorsäge zu durchtrennen? „Das mag sein“, sagt Paul. Aber Aggressionen sollten die Teilnehmer auf keinen Fall haben. „Die Arbeit mit der Motorsäge ist gefährlich, da ist es ganz wichtig ruhig zu sein.“ Deswegen ist eine der Teilnahmevoraussetzungen auch, geistig und körperlich geeignet zu sein.

Demnächst soll es auch Motorsägenkurse für Frauen geben

Die Kurse haben einen theoretischen und einen praktischen Teil. In der Theorie geht es etwa um die persönliche Schutzausrüstung, Sicherheitseinrichtungen an der Motorsäge und verschiedene Fäll- und Schnitttechniken. Im praktischen Teil werden die mitgebrachten Motorsägen überprüft, die Motorsägen geschärft und natürlich Holz zersägt. Und wer bucht die Kurse, die im Oktober, Januar und Februar stattfinden? „Hauptsächlich Männer“, sagt Paul. „Bis jetzt gibt es eine Anmeldung von einer Frau.“ Das findet sie schade, sagt sie. Deswegen soll es demnächst einen Motorsägenkurs nur für Frauen geben. „Die fühlen sich vielleicht wohler, wenn sie unter sich sind und alles in Ruhe erklärt bekommen.“

Teilnahmevoraussetzungen für den Motorsägenkurs

► Mindestalter 18 Jahre (Ausnahme Ausbildung)

► die körperliche und geistige Eignung muss vorhanden sein

► Komplette persönliche Schutzausrüstung (PSA), also Schutzhelm mit Gesichts- und Gehörschutz (DIN EN 397, DIN EN 1731, DIN EN 352 Teil 2)

► Schnittschutzhose (DIN EN 381)

► Schnittschutzschuhe oder -stiefel (DIN EN ISO 17249)

► normale Arbeitshandschuhe (DIN EN 388)

► Motorsäge mit Benzin – besser Alkylatbenzin – und biologisch abbaubarem Kettenöl

Am Ende des Kurses gibt es eine „Lernkontrolle“, wie der Ruhrverband berichtet. Wenn die bestanden ist, erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat, das den Anforderungen der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) und dem Modul A der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) entspricht. Damit darf Holz aus dem Wald mit der Motorsäge zerschnitten und als Brennholz abtransportiert werden. Die Kosten für den Kurs liegen bei 220 Euro. Die Preise für das Holz variieren, sagt Paul. „Das kommt immer ganz auf die Lage am Markt an.“ Momentan liegt der Preis für einen Raummeter Holz zwischen 60 und 65 Euro. (ebu)

Rubriklistenbild: © Maria Daniela Romero/imago

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