Am Waldrand gefunden
Viele Katzenbabys ausgesetzt: Fast 100 Katzen in NRW-Tierheim – „Wo soll das nur hinführen?“
Eine Spaziergängerin fand zehn Katzenbabys in einer Transportbox am Waldrand. Doch die Zahl der ausgesetzten Katze stieg noch einmal. Die Tierschützer stehen vor einem Problem.
Bochum - In den vergangenen Wochen häuften sich die Fälle, in denen vor allem ausgesetzte Katzenbabys gefunden wurden. So entdeckte ein Mitarbeiter eines Entsorgungsunternehmens fünf sehr junge Kätzchen in einer Papiertonne im Kreis Düren. Nun gibt die Polizei Bochum einen ähnlichen Fall bekannt. Eine 21-jährige Spaziergängerin fand am letzten Juli-Wochenende auf einem Parkplatz am Weitmarer Holz zehn Katzenbabys, die in einer Tiertransportbox ausgesetzt wurden. Eine bislang unbekannte Person hatte die kleinen Kätzchen dort ausgesetzt und sie im Wald sich selbst überlassen.
„Wer macht so etwas?“, fragen sich auch die Polizeibeamten, die daraufhin eine Strafanzeige erstatteten. Einen Tatverdächtigen gibt es allerdings noch nicht. Die Kätzchen wurden der Tierrettung übergeben und sind mittlerweile in der Obhut der Tierschützer des Tierheims Bochum.
„Wir haben immens viele Kitten“: Tierheim nimmt ausgesetzte Kätzchen auf
Sophie Reifer vom Tierheim Bochum erklärt im Gespräch mit wa.de, dass sogar noch mehr Katzen dazukamen. Die Katzenbabys sind nämlich in einer Hundebox ausgesetzt worden, die allerdings offen war, als die ersten Finder diese gesehen haben. Die Mutterkatze und zwei Kitten waren somit bereits aus der Box gesprungen. Ehrenamtliche unterstützten beim Einfangen der ausgesetzten Tiere. Und eine weitere Mutterkatze kam noch dazu, die auch zuvor ausgebüxt war. Reifer erklärt, dass es sich bei den Kätzchen um zwei Würfe handelt.
Die Kitten des ersten Wurfes seien circa neun Wochen alt, die anderen Kätzchen erst sechs bis sieben Wochen. Und auch der Zustand der Fundtiere sei nicht so gut gewesen. „Die hatten zwar keine Flöhe, aber Ohrmilben und Durchfall“, erklärt Reifer. In der Obhut der Tierschützer werden die Vierbeiner nun behandelt und befinden sich in Quarantäne. „Das wird noch dauern“, ergänzt die Tierschützerin.
Und bei den neuen Schützlingen handelt es sich nicht um die einzigen Katzen im Bochumer Tierheim. „Wir haben immens viele Kitten“, erklärt Reifer. Im Moment seien das um die 40 Kitten und die Zahl der Katzen ist noch höher. „Das sind um die 94 und 95 Katzen derzeit“, schildert die Tierschützerin die Lage. Nur einen Tag später postet das Tierheim auf Facebook, dass noch weitere Fundkatzen dazukamen: „Wir können nichts mehr aufnehmen... willkommen Nr. 100, 101 und 102“.
„Jedes Jahr dasselbe Drama“: Kittenflut in NRW-Tierheim kein Einzelfall
Auch andere Tierheime beobachten derzeit eine regelrechte Kittenflut. „Jedes Jahr dasselbe Drama: Tierheime und Tierschutzvereine platzen aus allen Nähten“, schreiben die Tierfreunde Lüdinghausen in einem Facebook-Posting. Die Tierschützer nahmen nämlich zuletzt sieben Katzenbabys und eine Katzenmama auf, die in einem zugeklebten Karton ausgesetzt wurden. Der Fall machte die Tierfreunde „fassungslos und wütend“. Natürlich nahm das Tierheim die hilflose Katzenfamilie in ihre Obhut und kümmert sich nun liebevoll um die Vierbeiner. Doch die Tierschützer haben einen Appell.
„Wer seine Katze draußen herumlaufen lässt, muss sie kastrieren lassen. Eine einfache OP schützt tausende Tiere vor dem Elend auf der Straße“, schreiben die Tierschützer in einem Facebook-Posting. Nur so könne das Tierleid beendet werden und verhindert werden, dass das Tierheim jedes Jahr aufs Neue überrannt wird.
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