Verlassener Ort
Lost Place in NRW: Ein altes Freibad mitten im Wald – es ist noch Wasser im Becken
Ein altes Freibad liegt im Kreis Gütersloh in NRW mitten im Wald. Früher stürmten die Nazis die Eröffnungsfeier. Nun ist es ein Lost Place.
Hamm/Gütersloh – Es muss dort damals idyllisch zugegangen sein, in der alten Badeanstalt Häger in Werther im heutigen Kreis Gütersloh (NRW). Ein Ort der Zusammenkunft war sie, errichtet durch einen gemeinsamen Kraftakt der Dorfgemeinschaft. „Alle Hägener haben dort Schwimmen gelernt. Mein Vater hat sogar dort seinen Rettungsschwimmerschein gemacht“, sagt Uwe Gehring vom Heimatverein Häger im Gespräch mit wa.de. Die Eröffnungsfeier des Freibades mitten im Wald, das mittlerweile ein Lost Place ist, ist jedoch mit Gewalt verbunden.
Freibad in NRW ist jetzt ein Lost Place – Nazis stürmten die Eröffnungsfeier
„Was da genau war, weiß ich gerade gar nicht. Die Nazis sind da auf jeden Fall aufmarschiert“, erzählt Gehring. Mehreren Quellen zufolge hatte im Rahmen der Eröffnungsfeier am 11. Juni 1933 ein SA-Trupp der Nationalsozialisten das Gelände gestürmt. Bewaffnet mit Knüppeln zwangen die Nazi-Schergen die Badegäste und Besucher der neuen Badeanstalt dazu, die Feierlichkeiten abzubrechen. Der offizielle Grund ist nicht bekannt, es ging wohl um die falsche Beflaggung der Örtlichkeit und einer Planung „an der Partei vorbei“. Der Erfolgsgeschichte des Freibads mitten im Wald sollte das aber keinen Abbruch tun.
„Das war ein schöner Anlaufpunkt für uns als Kinder, wir haben dort unsere Zeit verbracht und auf der Wiese gelegen“, wird Zeitzeugin Grete Weinhorst von der NW zitiert. Die Leute seien in Scharen gekommen, „es war eine schöne Zeit“, sagt sie. Doch die ist längst Vergangenheit. Das Freibad mitten im Wald im Kreis Gütersloh ist heute ein Lost Place, ziemlich verfallen – aber es ist noch Wasser im Becken.
Alte Badeanstalt Häger im Kreis Gütersloh ist heute ein Lost Place
Die Konstruktion ist ziemlich clever. Als das Freibad noch in Betrieb war, wurde es immer mit Frischwasser versorgt. Es gab ein Schwimmerbecken und einen Nichtschwimmerbereich. „Vorne und hinten sind Startblöcke, die sieht man auch heute noch“, sagt Uwe Gehring vom Heimatverein. Grünes Moos hat sie sich mittlerweile einverleibt, das mit dem Frischwasser scheint auch nicht mehr so zu funktionieren. „Der Mühlenbach wurde umgeleitet, das Wasser aufgestaut und von der Sonne erwärmt, ehe es ins Becken floss“, sagt Gehring. Heute gleicht das ehemalige Freibad eher einem grünen Tümpel – schwimmen möchte dort wohl niemand mehr.
Lost Places in NRW
Villen, Restaurants und Bäder: Im Ruhrgebiet und im Rheinland gibt es einige vermeintlich vergessene Gebäude – sogenannte Lost Places. In Nordrhein-Westfalen gibt es viele dieser verlassenen Orte, auf zahlreiche Menschen üben sie eine besondere Anziehungskraft aus. Für manche Lost Places in NRW gibt es inzwischen sogar Zukunftspläne.
Altes Freibad im Wald ist ein Lost Place – seit 1955 ist es dicht
In Eigenleistung wurde das Waldbad mit Liegewiese 1931 bis 1932 gebaut und 1933 eingeweiht. Bis Kriegsbeginn wurde es regelmäßig genutzt. Auch danach noch, ehe es mehr und mehr verfiel, sich schließlich in einen Lost Place verwandelte – wie auch das Asia-Restaurant Pagoda am Centro Oberhausen. So richtig kümmerte sich niemand mehr um die Badeanstalt Häger. Im Dorf kursiert aber noch eine andere Version, warum sie schließen musste.
„Schröttighausener sollen aus Neid Öl ins Wasser gekippt haben“, erzählt Uwe Gehring. So musste das Freibad 1955 dichtgemacht werden. „Das ist aber eine Legende“, meint der Mann vom Heimatverein.