Video von Tierschützer zeigt Ausmaß

Toter Schwan nach Rhein in Flammen: „Elend dieser Nacht hat ein Gesicht bekommen“

Es ist ein erschreckendes Video, das ein Bonner Tierschützer vom Event Rhein in Flammen auf Instagram teilte. Wasservögel sind in Panik, mindestens ein Schwan starb.

Bonn – Es knallt in einer Tour, den dunklen Himmel durchzucken leuchtende Blitze. Darunter, auf dem See, sind etliche Wasservögel in Panik. Aufgeschreckt flattern sie durcheinander, wissen offenbar nicht wohin. Das zeigt das Video eines Tierschützers aus Bonn, das gerade auf Instagram rege massenhaft geteilt wird. Es zeigt das Feuerwerk der Veranstaltung Rhein in Flammen am Samstag, 3. Mai, direkt in einem Vogelbrutgebiet.

Toter Schwan nach Rhein in Flammen: „Elend dieser Nacht hat ein Gesicht bekommen“

Und das Video von Stefan Bröckling zeigt noch mehr: Zu Beginn hält der Tierschützer einen toten und sichtbar verletzten Schwan in die Kamera. Bröckling betreibt den Tiernotruf in Bonn. Er fand den Schwan am Tag nach dem Feuerwerk auf der Konrad-Adenauer-Brücke in Bonn.

Östlich der Brücke, in der Rheinaue, liegt der Auensee. Hier, am Ufer und auf der Insel, brüten zurzeit Hunderte Vögel. „Am Boden Nilgänse, Kanadagänse und Graugänse, oben in den Bäumen eine Graureiher-Kolonie“, erzählt Bröckling im Gespräch mit wa.de. Er ist noch immer fassungslos darüber, dass die Stadt Bonn die Veranstaltung überhaupt an der Stelle erlaubt hat. „Ich bin komplett gegen Feuerwerk“, sagt er, „weil immer Tiere sterben“. Doch besonders hier dürfe das seiner Ansicht nach naturschutzrechtlich nicht erlaubt sein.

Tierschutzinfluencer Malte Zierden reagiert fassungslos

Unter seinem Instagram-Post teilen Etliche seine Meinung. Tierschutz-Influencer Malte Zierden schreibt etwa: „Es ist so widerlicher und unnötiger Scheiß!“, eine andere Userin kann nicht verstehen, wie Menschen dastehen und zuschauen konnten, während die Tiere so leiden mussten. Viele sind ebenfalls für ein komplettes Feuerwerksverbot in Deutschland.

Feuerwerk beim Fest Rhein in Flammen (2019, Symbolbild): Ein Video zeigt, wie Vögel auf das Knallen und die Lichtblitze reagierten.

„Elend dieser Nacht hat für mich ein Gesicht bekommen“

Stefan Bröckling sieht die Stadt Bonn in der Verantwortung, kritisiert die Bürgermeisterin der Stadt, Katja Dörner von den Grünen. „Wir haben eine grüne Bürgermeisterin, und sie teilt sogar das Video vom Veranstalter in ihrer Story“, sagt er. Damit habe „das Elend dieser Nacht“ für ihn ein Gesicht bekommen. Auch der fehlende Sinn für die Feinstaubbelastung sowie den Böller-Müll im Auensee, den er auch im Video zeigt, hält Bröckling nicht für besonders grün.

Die Stadt hat am Mittwoch, 7. Mai, eine Pressemitteilung veröffentlicht. Darin thematisiert sie den Natur- und Artenschutz bei Rhein in Flammen. Es sei schon im Vorfeld ein Planungsbüro für Natur- und Artenschutz beauftragt worden, die Brutbestände der Wasservögel in der Rheinaue vor, nach und während der Veranstaltung zu erfassen und zu beobachten.

Stadt will Weiterentwicklung der Veranstaltung prüfen

Allerdings heißt es in der Mitteilung auch: „Diese Vorstudie dient der Vorbereitung einer wissenschaftlichen Untersuchung im kommenden Jahr.“ Außerdem verwende der aktuelle Veranstalter für das Feuerwerk vornehmlich „nachhaltige Materialien“ wie Altpapier. Mit ihm bestehe ein Vertrag bis einschließlich 2026. Danach wolle die Stadt prüfen, „wie die Veranstaltung auch unter natur- und artenschutzrechtlichen Aspekten weiterentwickelt werden kann“.

Am Ende der Mitteilung schreibt die Stadt außerdem: „Der Stadtverwaltung ist bewusst, dass ein Feuerwerk während der Brutzeit aufgrund möglicher Konflikte mit dem Natur- und Artenschutz kritisch gesehen werden kann.“ Doch sei die „Traditionsveranstaltung“ für „Menschen in der Region und der Stadt Bonn von großer Bedeutung.“

„Ich verstehe es nicht, wie Tausende Menschen jubeln, die Show genießen“

Für Tierschützer Stefan Bröckling ist es unbegreiflich, wie die Zuschauenden das Spektakel angesichts der panischen Tiere genießen konnten: „Ich verstehe es nicht, wie Tausende Menschen am Ufer stehen können, jubeln, die Show genießen, während sie sehen, wie panisch die Tiere auf dem See reagieren“, sagt er.

Das Abschlussfeuerwerk von Rhein in Flammen 2025 in Bonn

In seinem Video geht er noch näher auf den Tod des Schwans ein. Er sei auf jeden Fall wegen des Feuerwerks in der Nacht in der Luft gewesen, vermutlich gegen einen der Bauzäune auf der unbeleuchteten Brücke oder eine Straßenbahnleitung geflogen. Der Veranstalter Rhein in Flammen hatte in seiner Instagram-Story auf ein zuvor gepostetes Foto des Tierschützers reagiert. „Dieses Schwanenbild ist einfach nur Fake“, hieß es da.

„Werden Feuerwerk in den Rheinauen juristisch überprüfen lassen“

Bröckling sagt, dass der Schwan zwar das einzige gefundene tote Tier war, doch „wir müssen davon ausgehen, dass wesentlich mehr Tiere gestorben sind“. Oft würde das jedoch gar nicht untersucht, kritisiert er. Auch das mache Veranstaltungen an einem solchen Ort möglich. „Wie wirkt sich das auch auf die Kleinsäuger auf der Insel aus, auf die Fledermäuse“, fragt er.

Er fordert von der Stadt Bonn, wenigstens in der Nähe der Nist- und Brutplätze kein Feuerwerk zu veranstalten. „Wir werden uns einen Rechtsbeistand suchen und das Feuerwerk in den Rheinauen juristisch überprüfen lassen“, sagt er im Video. „Ich will mir einfach nicht vorstellen, dass es erlaubt sein kann, Wildtiere in ihrem Brutgebiet in Todesangst zu versetzen.“

„Ich werd alles daran setzen, dass es dieses Feuerwerk in den Rheinauen im nächsten Jahr nicht mehr geben wird, das versprech‘ ich“, sagt Bröckling. Zum vergangenen Silvester Ende 2024 hatten viele Städte immerhin das Böllern an bestimmten Orten untersagt.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Volker Lannert

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