Kastrationspflicht

Flut an Katzenbabys: Tierheim kämpft „Tag für Tag um die Leben der Kleinen“

Viele Tierheime verzeichnen derzeit eine Kittenflut – so auch das in Bocholt. Die Tierschützer haben keine Kapazitäten mehr. Sie kämpfen täglich um die kleinen Vierbeiner. c

Bocholt - „So wie in jedem Jahr sind auch wir erneut von einer Kittenflut betroffen“, schreiben die Tierschützer des Tierheims Bocholt (NRW). Die Mitarbeiter des Tierheims sind überfordert. Mit den zunehmenden Katzen – sowohl Straßenkatzen als auch ausgesetzte Hauskatzen – sind die Kapazitäten der Mitarbeiter mittlerweile ausgeschöpft. Die Tierschützer merken an: „Das hätte man im Voraus verhindern können“.

„Wir haben sehr viele Mutterkatzen im Moment“, erzählt Niklas Jägering im Gespräch mit wa.de. Der Tierheimleiter berichtet, dass insgesamt neun Katzenmamas im Tierheim aufgenommen wurden, einige davon wurden mittlerweile wieder ausgewildert. Doch nicht die Mütter allein seien das Problem. Viel schwieriger gestaltet sich die Arbeit und Aufnahme der Kitten, die ohne Muttertier aufgefunden werden. So wie zuletzt in Dortmund, wo fünf Katzenbabys durchnässt und unterkühlt am Straßenrand gefunden wurden.

Kittenflut: Tierheim kämpft „Tag für Tag um die Leben der Kleinen“

Aktuell seien insgesamt 46 Kitten in der Obhut der Tierpfleger – viele davon ohne Mutter. Und damit gehen den Tierpflegern so langsam die Kapazitäten aus. „Die Kleinen müssen mit der Flasche großgezogen werden, mit der derzeitigen Kittenflut gehen wir auf dem Zahnfleisch“, so Jägering.

„Als wäre das Kapazitätsproblem nicht schon genug, kämpfen wir Tag für Tag um die Leben der Kleinen, die nämlich mit sämtlichen Krankheiten bei uns ankommen.“ In der Obhut des Vereins findet sich zum Beispiel der kleine Kater Ello, der Mitte Juni ins Tierheim kam. Er wurde von einem Auto angefahren und kämpft seitdem mit all seiner und der Kraft der Tierschützer um sein Überleben. „Er hatte ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Schulterfraktur, da steht noch eine Operation an“, so Jägering.

Tierheim Bocholt – „Jahr für Jahr zig Kitten in teils grausigem Zustand gefunden“

Denn: Weil die Tiere oft unkastriert sind, vermehren sie sich immer weiter. In vielen NRW-Städten gilt bereits eine Katzenschutzverordnung, die vorsieht, dass Katzen kastriert werden müssen. Dies gilt auch im Kreis Borken und somit in Bocholt. Die Stadt weist deshalb aktuell nochmal auf die bestehende Kastrations- und Kennzeichnungspflicht hin.

So wie in jedem Jahr sind die Tierschützer aus Bocholt erneut von einer Kittenflut betroffen.

Nach der Katzenschutzverordnung für den Kreis Borken müssen Menschen, die eine Freigängerkatze halten, ihr Tier kennzeichnen, kastrieren und registrieren lassen. Der Tierschutzverein erklärt, dass die Kastrationspflicht in Bocholt 2019 eingeführt wurde. Bei Verstoß droht pro Katze eine Strafe von bis zu tausend Euro.

Doch diese Pflicht scheint nicht viel geändert zu haben – „im Gegenteil, da das Gesetz weder konsequent durchgesetzt noch kontrolliert wird, werden weiterhin, Jahr für Jahr zig Kitten in teils grausigem Zustand gefunden und zu uns gebracht“, so der Verein. Jägering stellt klar: „Das Hauptproblem sind die Leute, die ihre Katzen nicht kastrieren lassen“.

„Kittenflut nimmt Jahr für Jahr zu“

Der Tierheimleiter spricht ein weiteres Problem an. „Viele Leute meinen es gut und richten Futterstellen ein, da muss man aber regelmäßig dabei bleiben und auch kastrieren, so macht man das Problem sonst schlimmer“, erklärt der Tierschützer.

Unterstützung für das Tierheim

Wer das Tierheim Bocholt unterstützen möchte, kann dies gerne mit Sachspenden in Form von Kratzbäumen oder anderen Kratzutensilien tun. Die Tierschützer benötigen eine Vielzahl davon.

Früher sei die Kittenflut besonders zu Beginn und Ende des Sommers bemerkbar gewesen. Doch mittlerweile sei die Situation ein ganzjähriges Problem geworden. Bereits Anfang März finden die Tierschützer Kitten auf der Straße, im Winter erfrieren die meisten. „Im Sommer werden wir dann überrannt. Die Kittenflut nimmt Jahr von Jahr zu“, so der Tierschützer.

Rubriklistenbild: © Tierheim Bocholt

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