Sechs Räder suchen ihren Weg
Spektakulärer Anblick: Traditionelles Osterfeuer lockt Besucher nach NRW
Sechs brennende Holzräder werden in Lüdge auch dieses Jahr an Ostern wieder den Berg hinunterrollen. Für Besucher bietet sich ein spektakulärer Anblick.
Jedes Jahr am Ostersonntag verwandelt sich das lippische Städtchen Lügde in einen Schauplatz uralten Brauchtums: Bei Einbruch der Dunkelheit, gegen 21 Uhr, rollen brennende Holzräder den Osterberg hinunter ins Tal der Emmer. Der Osterräderlauf findet stets am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond statt – in diesem Jahr am 5. April 2026. Tausende Zuschauerinnen und Zuschauer aus der ganzen Region und weit darüber hinaus säumen dann die Hänge, um das spektakuläre Schauspiel zu erleben.
Die Tradition des Osterräderlaufs soll mehr als 2.000 Jahre alt sein und reicht in die vorchristliche Zeit zurück. Mit den brennenden Rädern sollte einst die Sonne auf ihrer Bahn gestärkt und der Frühling begrüßt werden. Ausgerichtet wird der Brauch bis heute vom Osterdechenverein Lügde e. V., der das Wissen um Ablauf, handwerkliche Techniken und besondere Regeln von Generation zu Generation weitergibt. Die UNESCO hat den Osterräderlauf als immaterielles Kulturerbe anerkannt – ein Beleg für die überregionale Bedeutung dieses lebendigen Brauchtums.
Osterräderlauf in Lügde startet – ein neues Rad rollt mit
In diesem Jahr rollt ein besonderes Rad den Hang hinunter: Ende 2025 hat der Dechenverein ein neues Osterrad bauen lassen. „Das alte stammt noch aus dem Jahr 1972 – es war an der Zeit“, sagt Uwe Tillmanns, Pressesprecher des Osterdechenvereins, im Gespräch mit wa.de. Eine Zimmerei aus Lügde übernahm den Auftrag – sie hatte das schon einmal gemacht. Das Holz lieferte der Verein selbst: Seit der Gründung stellt die Stadt eine Eiche kostenlos aus dem Stadtforst zur Verfügung. Die Räder sind massiv gebaut – mit Eichenholzspeichen und 40 Langbolzen. „Die halten einiges aus“, so Tillmanns. Das ist auch nötig: „Wir haben eine 650 Meter lange, unebene Laufstrecke. So genau kann man nie sagen, wie die Räder laufen – aber die Räder sind so stabil gebaut, da passiert nichts.“
Die Vorbereitung beginnt bereits Tage vor Ostern. Am Montag vor dem Fest wird das Rad in die Emmer gelegt, damit es sich mit Wasser vollsaugt – so wird verhindert, dass es beim Abbrennen selbst Feuer fängt. Am Ostersamstag holen die Vereinsmitglieder es wieder aus dem Fluss und bringen es auf einem geschmückten Wagen zum Startpunkt am Osterberg. Dann ist alles bereit für den großen Abend: Sechs Räder rollen den Hang hinunter – und niemand weiß vorher, welchen Weg sich jedes einzelne sucht.
Den Abschluss des Abends bildet ein Feuerwerk – abgefeuert von zwei Stellen gleichzeitig. „Das ist ganz spektakulär“, sagt Tillmanns, der betont, dass man auch in diesem Jahr wieder dabei sei – trotz der erheblichen Kosten, die das Feuerwerk verursacht. Wer das Gesamterlebnis nicht verpassen möchte, sollte früh anreisen: Der Eintritt beträgt zehn Euro, Kinder bis 15 Jahre kommen kostenlos rein. Lügde liegt in Ostwestfalen-Lippe und ist gut über die B239 erreichbar.
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