Laut Deutschem Tierschutzbund

Über 2.000 Ratten in einem Haus – Animal Hoarding auf Rekordhoch

Nie gab es in Deutschland so viele Fälle von Animal Hoarding wie 2023. NRW ist trauriger Spitzenreiter unter den Ländern. Tierschützer sind alarmiert.

Köln – 178 Katzen, eingesperrt in einem einzigen Wohnhaus in Lippstadt. Ihr Fell ist verfilzt, viele von ihnen sind krank oder unterernährt. Als sie endlich gerettet werden, sind selbst erfahrene Tierschützer von dem Anblick geschockt. Der Fall aus dem Mai 2023 beleuchtet ein Problem, welches im vergangenen Jahr ein nie dagewesenes Ausmaß in Deutschland angenommen hat: Animal Hoarding, also das krankhafte Sammeln von Tieren. Besonders viele Fälle gab es im vergangenen Jahre in NRW.

Animal Hoarding: Trauriger Rekord – meisten Fälle in NRW

„Das krankhafte Sammeln von Tieren hat 2023 im dritten Jahr in Folge einen traurigen Rekord erreicht“, schreibt der Deutsche Tierschutzbund in einer Mitteilung. Insgesamt 115 Fälle von Animal Hoarding wurden dem Verband im vergangenen Jahr bekannt. Fast jeder dritte Fall (36) spielte sich in NRW ab, mehr als in jedem anderen Bundesland. Auch 2024 mussten Tierschützer bereits eingreifen, und 71 verwahrloste und zum Teil kranke Katzen aus einer Wohnung in Essen befreien.

Animal Hoarding

Was sind Animal Hoarder? Eine Person, die eine Vielzahl an Tieren hält, ohne den Mindeststandard an Nahrung, Hygiene und/oder tierärztlicher Versorgung gewährleisten zu können. Der Mensch ist nicht mehr in der Lage, der Verschlechterung der Tierzustände, wie Krankheit, Hunger und Tod, entgegenzuwirken.

Wer sind die Animal Hoarder? Früher waren es vor allen Dingen Frauen, die massenhaft Tiere horteten. Doch zuletzt glichen sich die Geschlechter zunehmend an. In 79 der 115 Fälle aus 2023 konnte das Geschlecht der Hoarderinnen und Hoarder erhoben werden. Rund 53 Prozent waren alleinstehende Frauen, 38 Prozent alleinstehende Männer. Paare sind hingegen deutlich weniger betroffen.

Warum wird man zu einem Animal Hoarder? Häufig steht dahinter ein Mensch mit einer psychischen Erkrankung. Betroffene sind nicht oder nur eingeschränkt in der Lage zu erkennen, dass es den Tieren in ihrer Obhut schlecht geht. Auch die negativen Auswirkungen auf ihr direktes Umfeld wie etwa die Familie oder die Nachbarschaft und auf die eigene Gesundheit nehmen sie meist nicht wahr. Viele von ihnen leben isoliert.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund & Bundestierärztekammer

2000 Ratten in einem Haus: Schlimmster Fall von Animal Hoarding in 2023

Die Anzahl der betroffenen Tiere war naturgemäß ungleich höher, mit 6.700. Zum Vergleich: 2022 waren es noch rund 2.000 weniger. Besonders kleine Heimtiere stachen dabei heraus, mit mehr als 3.300 Individuen. Das ist unter anderem dem größten, jemals von dem Verband erfassten Fall geschuldet: Im rheinland-pfälzischen Altenkirchen hortete eine Frau über 2000 teils trächtige Ratten. Die genaue Anzahl ist bis heute unklar, weil Tierschützer nicht alle Tiere retten konnten.

In Altenkirchen in Rheinland-Pfalz hortete eine Frau über 2.000 Ratten. (Symbolbild)

Doch auch Katzen und Hunde wurden 2023 besonders häufig gehortet. In gut jedem zweiten Fall waren Katzen betroffen, mit insgesamt mehr als 1.900 Tieren. Damit hat sich die Anzahl der Individuen gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt. In rund jedem dritten Fall wurden Hunde gehalten, mit zusammengerechnet mehr als 700 Individuen aus 42 Fällen. Häufig sind die beschlagnahmten Tiere schwer krank – im vergangenen Jahr war es jedes Dritte.

Tierheime geraten durch Animal Hoarding zunehmend unter Druck

Die Entwicklung hat Folgen: Schon jetzt sind viele Tierheime in NRW am Limit. Wenn nun durch einen Fall von Animal Hoarding viele Tiere auf einen Schlag Hilfe benötigen, stellt das eine enorme zusätzliche Belastung dar. „Die Auswirkungen von Animal Hoarding sind katastrophal. Die Tiere sind oftmals verwahrlost, trächtig sowie krank und zeigen Verhaltensauffälligkeiten“, wird Nina Brakebusch vom Deutschen Tierschutzbund in der Mitteilung zitiert. Dadurch bleiben sie oft lange in den Einrichtungen.

Außerdem bleiben die Tierheime häufig auf den entstandenen Kosten sitzen. Von 550 Tierheimen, die an dem Verband angeschlossen sind, meldeten nur fünf eine vollständige Erstattung der Kosten. Das müsse sich dringend ändern, so die Forderung der Tierschützer. Gleichzeitig müsse der Bund das Problem eindämmen, beispielsweise durch die Anerkennung von Animal Hoarding als Krankheitsbild. So könne man Betroffenen einen besseren Zugang zu Therapieplätzen ermöglichen – und die Tiere schützen. (mg)

Rubriklistenbild: © Localpic/Imago

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