Pflegestelle

„Die ersten Tage sind entscheidend“: Verwaiste Babykatzen könnten sterben

Nach dem Füttern wird gekuschelt. Til nimmt sich für die Kitten viel Zeit für Kuscheleinheiten.
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Nach dem Füttern wird gekuschelt. Til nimmt sich für die Kitten viel Zeit für Kuscheleinheiten.

Verwaiste Babykatzen werden oft in Pflegestellen aufgezogen. Eine davon ist bei Maria und Til Zuhause in Münster. Wir haben sie besucht.

Münster - Das winzige Kitten liegt auf dem Rücken, verschlafen schaut es durch die Gegend, bekommt seinen flauschigen Bauch dabei gekrault. Jane heißt es und fühlt sich offenbar ziemlich wohl auf dem Schoß „seines“ Menschen. Das Kätzchen streckt langsam sein Pfötchen aus und schleckt den Finger ab. Szenen wie diese erleben Maria und Til seit 2021 immer wieder. Sie betreuen verwaiste Babykatzen, die der Tierschutzverein „Tierglück Münster“ irgendwo findet – ohne Mutter, hilflos und teilweise krank.

Maria Petrausch und Til Haase aus Münster (NRW) stecken viel Zeit und Herzblut in die Arbeit mit den kleinen Kätzchen. Fünf Stück haben die beiden derzeit in ihrer Obhut. Fünf kleine, winzige und hilfsbedürftige Kitten, die ohne Mutter auf der Straße gefunden wurden. Vier von ihnen fand eine Kollegin Anfang September in einer Fabrik. Neben ihnen lag Rattengift, die Mutter war nicht in Sicht. Das andere Kätzchen ist nur einige Tage zuvor in Wolbeck entdeckt worden – ganz allein und wimmernd, die Mutter wird sie verstoßen haben.

Links steht die Box für das ältere Kätzchen Jane. Rechts daneben ist der Inkubator für die kleinsten Schützlinge.

Verwaiste Babykatzen könnten sterben – „Die ersten Tage sind entscheidend“

Der Raum, in dem Maria und Til sich um die Katzen kümmern, ist groß und extra für die Katzen ausgelegt. Es steht ein Bett und ein Schreibtisch im Raum, auf einem weiteren Tisch steht eine Box für das ältere Kätzchen Jane. Daneben der Inkubator für die vier jüngsten Fellnasen. Schaut man hinein, sieht man die winzigen Lebewesen, die selbst noch gar nicht ihre Augen öffnen können. Ein Kitten krabbelt neugierig umher und streckt das zarte Pfötchen über sein Geschwisterchen. Ein weiteres miaut, ganz zart, sodass es kaum zu hören ist.

Namen haben die kleinsten Gäste noch nicht. „Wir haben jedem Kitten ein farbiges Halsband umgebunden, damit wir sie unterscheiden können“, erklärt Til. Die Kitten sind alle schwarz, noch so jung, dass ihre Nabelschnur am Bauch baumelt. Kätzchen Jane ist ein paar Tage älter als die anderen. Sie hat ihr eigenes kuscheliges Heim in einer Box. Erst wenn die anderen vier Kätzchen älter sind, können Maria und Til sie gemeinsam unterbringen. In ihrer Box befindet sich ein Kuscheltier mit Herzschlag und eine Wärmedecke – damit die kleinen Bewohner sich nicht allein fühlen und es immer wohlig warm in ihrem Nest haben.

Pflegestelle für verwaiste Babykatzen – Fütterungszeit ist alle zwei Stunden

Maria und Til schrecken auf: Alle zwei Stunden klingelt bei den beiden der Wecker – egal zu welcher Tageszeit. Dann ist es nämlich Zeit, die kleinen Mitbewohner zu füttern. Maria bereitet die Nahrung für Kitten vor. Zusammen mit Fencheltee rührt die Ersatz-Mama ein milchiges Spezialfutter an, erwärmt es in einem Flaschenwärmer. Ganz vorsichtig zieht Maria das Futter in kleine Spritzen und beginnt, das erste Kitten zu füttern. Das Kätzchen hat die Augen zu, es liegt auf dem Bauch und bewegt ganz leicht die Pfötchen, während Maria die Spritze ganz vorsichtig und langsam in ihre Schnauze führt. Der ganze Prozess dauert ungefähr zehn Minuten – anschließend wird das Hinterteil des Kätzchens abgeputzt und das Bäuchlein massiert. Dinge, die eigentlich die Mutterkatzen übernehmen würden und nun zu den täglichen Aufgaben der Ersatzeltern Maria und Til zählen.

Maria füttert das Kätzchen mit einem Fläschchen. Zuvor hat sie die Flüssigkeit in einem Fläschchenwärmer erwärmt.

Die beiden wechseln sich beim Füttern ab. So kann das Ehrenamt mit Arbeit und Freizeit vereinbart werden. Maria ist Sozialpädagogin an einer Schule, Til ist IT-ler und arbeitet am Wochenende zusätzlich in der Gastronomie. Die beiden haben die Option, im Homeoffice zu arbeiten und ihre Zeit selbst einzuteilen. „Anderenfalls wäre die Tätigkeit auch gar nicht möglich“, sagt Maria. „Wenn Maria vormittags in der Schule arbeitet, kümmere ich mich“, erklärt Til.

Ängste und Sorgen um die Katzen gehören dazu

Dass die nun neugierigen Vierbeiner sich so munter und aufgeschlossen von ihren Pflegeeltern füttern lassen, war nicht immer selbstverständlich. Maria und Til hatten große Sorge um die Tiere. „Erst vor zwei Wochen hatten wir drei Pflegekatzen, die genauso jung wie die jetzigen waren“, erklärt Maria. „Einer nach dem anderen ist in einer Nacht gestorben, das war sehr schlimm, die Kleinen tot zu finden“. Eine Angst, die anfangs immer da ist. Eine Angst, dass die noch so jungen, geschwächten Kitten die ersten Nächte nicht schaffen. Denn: „Die ersten Tage sind immer entscheidend“, so Til. Eine der Kitten musste Maria sogar zum Sterben begleiten. „Das war hart“, sagt sie und die Trauer merkt man ihr noch immer an.

„Doch davon lassen wir uns nicht entmutigen“, sagt Til. Maria und Til wissen, wofür sie das ganze machen. Zu sehen, wie die Kätzchen aufwachsen, wie lieb, zutraulich und verschmust sie mit der Zeit werden – das ist nur einer der Antriebe, die Maria in ihrer Arbeit als Pflegestelle sieht. „Die Kleinen suchen irgendwie immer wieder die Nähe, das ist so ein schönes Gefühl“, erklärt sie. Natürlich sei es dann auch etwas hart, die Mitbewohner auf Zeit wieder abzugeben. Til spricht von einer Leere, die dann in der Wohnung herrscht. Kein Miauen und kein wildes Herumflitzen mehr. Doch man gewöhne sich daran. Und: „Man weiß, worauf man sich einlässt. Die Katzen kommen ja schließlich auch immer in gute Hände“, erklärt Maria.

Kitten brauchen viel Zeit und Aufmerksamkeit

Und was braucht man als Pflegestelle? „Definitiv Zeit, Platz und vor allem Freude an der Tätigkeit“, erklärt Maria. Til ergänzt: „Zuverlässigkeit, Geduld und Teamfähigkeit sind auch wichtig“. Alleine sei es schwierig, als Pflegestelle verwaiste Kitten zu betreuen. „In dem Fall braucht man eine Backup-Person, falls mal was ist“, sagt Maria. Denn: Es kann immer mal was passieren oder dazwischen kommen. Und die Kitten fordern viel Zeit und Aufmerksamkeit – eine Arbeit, die man am besten mit mehreren Händen und Herzen schafft.

Wie lange bleibt eine Katze in einer Pflegestelle?

Im Schnitt liegt die Dauer bei etwa ein bis zwei Monaten. Es können aber auch bis zu drei oder sogar noch mehr Monate werden, die das Tier in der Pflegestelle bleibt. Wichtig ist, dass die Pflegeeltern dem Tier Zeit geben, einen geeigneten Endplatz finden zu können. 

Einige Tierheime suchen nach Ammenkatzen, die verwaiste Babykatzen aufziehen. So war auch kürzlich das Tierheim Paderborn auf der Suche nach einer geeigneten Ammenkatze für vier Kitten.

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