Arbeitskampf vor zweiter Tarifrunde
NRW droht Streik-Stillstand: 30.000 Mitarbeiter fordern mehr – und könnten Nahverkehr lahmlegen
Verdi will den Druck auf die Arbeitgeber im Nahverkehr erhöhen. Warnstreiks könnten den Verkehr in großen Städten lahmlegen. Die Forderungen sind klar.
Tausende Pendler in Nordrhein-Westfalen müssen sich womöglich schon in den kommenden Tagen auf massive Störungen im öffentlichen Nahverkehr einstellen. Darüber berichtete die Gewerkschaft Verdi in einer Mitteilung. Ein Arbeitskampf könnte Busse und Bahnen in den größten Städten des Landes lahmlegen – mit erheblichen Folgen für Millionen Menschen.
Verdi will den Druck auf die Arbeitgeber in den kommenden Wochen deutlich erhöhen. Die Gewerkschaft schließt Warnstreiks noch vor der zweiten Verhandlungsrunde am 2. März nicht aus, wie Heinz Rech, Verhandlungsführer von Verdi in Nordrhein-Westfalen, bekannt gab. „Wir werden darüber nachdenken müssen, ob vor der zweiten Verhandlungsrunde noch etwas passiert“, erklärte Rech. Der Konflikt dreht sich um die Arbeitszeiten und verschiedene Zuschläge für die Beschäftigten.
Unternehmen in ganz NRW betroffen – Gewerkschaft fordert deutliche Verbesserungen für Mitarbeiter
Rund 30.000 Menschen arbeiten in mehr als 30 kommunalen Verkehrsunternehmen in NRW, die von den Tarifverhandlungen betroffen sind. Die erste Gesprächsrunde am 21. Januar brachte kein Ergebnis. Laut Verdi NRW haben die Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt, obwohl die Forderungen der Gewerkschaft bereits seit November auf dem Tisch liegen.
Sollte es tatsächlich zu Warnstreiks kommen, wären praktisch alle bedeutenden Verkehrsbetriebe in Nordrhein-Westfalen davon erfasst. Dazu gehören unter anderem die Unternehmen in Köln, Düsseldorf, Duisburg, Oberhausen, Gelsenkirchen, Dortmund und Bielefeld. Eine der wenigen Ausnahmen bilden die Aachener Verkehrsbetriebe Aseag, die nicht in die aktuellen Tarifgespräche einbezogen sind.
Die Gewerkschaft fordert deutliche Verbesserungen für die Mitarbeiter. So soll die wöchentliche Arbeitszeit von derzeit 39 Stunden bei vollem Lohnausgleich gekürzt werden. Auf welche genaue Stundenzahl, wird noch konkretisiert. Zudem will Verdi NRW die Ruhezeit zwischen zwei Schichten von zehn auf elf Stunden verlängern. Auch beim Zuschlag für Sonntagsarbeit will die Gewerkschaft mehr herausholen: Statt bisher 25 Prozent des Stundenentgelts sollen künftig mindestens 40 Prozent gezahlt werden.
Verdi Vorwurf: Arbeitgeber verschließen „die Augen vor der Realität der desolaten Finanzlage“
Ohne spürbare Verbesserungen der Arbeitsbedingungen sei es nicht möglich, den Personalmangel im Nahverkehr zu beheben, betonte Rech. Die Gewerkschaft fordert deutlich mehr Investitionen in die Infrastruktur und das Personal. Beim letzten Tarifkonflikt um die Entgelte der Beschäftigten in den kommunalen Verkehrsbetrieben in NRW legten Warnstreiks den Nahverkehr in vielen Großstädten lahm, teilweise über mehrere Tage.
Die Arbeitgeber werfen Verdi vor, „die Augen vor der Realität der desolaten Finanzlage der kommunalen Nahverkehrsunternehmen“ und der Kommunen zu verschließen. Der Nahverkehr sei ein gewaltiges Zuschussgeschäft, teilte der Kommunale Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen mit. Würde man den Forderungen nachkommen, müsste voraussichtlich an vielen Stellen verstärkt etwa über die Einstellung von Linien, über längere Takte und über die Vergabe von Beförderungsleistungen an das private Busgewerbe nachgedacht werden.
Die Arbeitgeber verweisen auf Steigerungen in den vergangenen Jahren, die „bei der Gewerkschaft scheinbar völlig aus dem Blick geraten“ seien. Die Tarif- und Entgeltbedingungen für die Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr in NRW hätten sich deutlich verbessert, so dass dieser bereits jetzt attraktive Arbeitsplätze biete. Die Arbeitgeber haben nach eigenen Angaben beim ersten Treffen Gespräche über einen sogenannten Zukunftstarifvertrag angeboten. Die Verdi-Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung sei bisher unkonkret. (mit Material der DPA)
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