Personenbeförderung
Münsters Taxi-Branche leidet unter Preisen und Personalnot – doch einen Vorteil gibt es
Die Menschen fahren weniger Taxi. Doch in Münster ist die Lage nicht ganz so dramatisch. Die Stadt in NRW hat einen Standortvorteil.
Münster – Der Abend ist doch mal wieder länger geworden. Runde um Runde, Glas um Glas, Schnaps um Schnaps – selbst mit dem Auto nach Hause zu fahren ist einfach nicht mehr drin. Zum Glück gibt es Taxi-Fahrer. Kurz winken, einsteigen, vor der Haustür abliefern lassen, schnell ins Bett fallen. Für viele Menschen in NRW und Deutschland endet auf diese Art und Weise so manche Kneipentour mit Freunden. Das ist jedoch immer seltener der Fall.
Auch Taxi-Unternehmen in Münster spüren den wirtschaftlichen Druck
Die wirklich guten Zeiten für Taxi-Unternehmen neigen sich längst dem Ende entgegen. Roland Böhm von der Taxi-Zentrale Münster kann das einschätzen wie kaum ein anderer. Er kennt sich mit dem Taxigewerbe in Münster aus. „Das Taxi ist grundsätzlich immer der Notnagel, wenn alle anderen Verkehrsoptionen schon ausgeschöpft sind oder nicht mehr in Frage kommen“, sagt er im Gespräch mit wa.de. Spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie nutzen aber immer weniger Menschen in Münster und anderswo diesen Notnagel.
Dennis Klusmeier vom Taxiverband NRW macht Covid und den Lockdown für den Rückgang verantwortlich – so musste etwa auch ein Hammer Taxi-Unternehmen Insolvenz anmelden. „Das war nicht gut fürs Taxi-Geschäft“, sagt er im Gespräch mit wa.de. Die Mitglieder des Taxiverbandes würden alle gleichermaßen klagen. „Wenn keine Menschen auf der Straße sind, dann sind Taxis beziehungsweise dann ist die Personenbeförderung nicht notwendig“, sagt er. Zumindest hier habe sich die Lage aber etwas normalisiert, das (Nacht-)Leben geht weitestgehend wieder seinen geregelten Gang.
Taxi-Unternehmen freuen sich aufs Wochenende: Dann rollen Wagen und Rubel
Das bestätigt auch Taxi-Unternehmer Roland Böhm aus Münster. Längst strömen die Menschen wieder vermehrt in Kneipen und Diskotheken. „Am Wochenende und vor Feiertagen haben wir ungefähr wieder ein Niveau wie vor Corona erreicht“, sagt er. Die Studentenstadt Münster bietet da einen Standortvorteil: Die Ausgehszene ist riesig. Auch die Vorweihnachtszeit habe sich etwa aufgrund diverser Firmenweihnachtsfeiern gelohnt. „Da herrschte Nachholbedarf, das haben wir gespürt“, sagt der Taxi-Unternehmer.
Finanziell hätten sich die Taxi-Fahrer in Münster dadurch wieder „etwas berappelt“. Böhm weiß aber auch, dass das Taxi-Gewerbe harte Arbeit mit sich bringt. Manch einer musste und muss um seine Existenz kämpfen. „Bei uns sind 198 Taxiwagen registriert, 15 davon werden aktuell nicht eingesetzt“, erklärt er. Während der Corona-Hochzeit war dieser Anteil noch viel größer. Die Taxi-Betriebe hätten eben reagiert, würden jetzt nach und nach wieder hochfahren und die Flotten vergrößern respektive zu alter Stärke zurückführen. „Aber auch da sind wir noch nicht wieder auf der Höhe wie vor Corona“, sagt Böhm. Das hat noch andere Gründe.
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Taxiverband NRW klagt über höhere Spritpreise
„Die höheren Spritpreise haben natürlich ganz schön reingehauen“, sagt Dennis Klusmeier vom Taxiverband NRW. Die Inflation und die steigenden Lebenshaltungskosten ebenfalls. Viele potenzielle Fahrgäste können sich schlichtweg kein Taxi mehr leisten. Es entsteht ein Teufelskreis.
„Wenn ich weniger Fahrgäste habe, muss ich die Preise erhöhen, um die Kosten zu decken. Wenn ich die Preise erhöhe, habe ich weniger Fahrgäste, weil die es sich nicht mehr leisten können“, erklärt Klusmeier. Ein Taxi-Dilemma. Hinzu käme noch ein generelles Personalproblem.
„Als wir während des Lockdowns runterfahren mussten, haben sich viele Taxifahrer einen anderen Job gesucht. Es gibt viele andere interessante Arbeitgeber“, gibt Klusmeier zu bedenken. Das spüren sie auch in Münster.
Auch das Taxi-Gewerbe in Münster spürt den Personalmangel
„Gutes Personal zu finden, ist ein Problem“, sagt Roland Böhm. Das Taxi-Gewerbe in Münster sei dennoch recht gut aufgestellt. „Ich möchte ein nicht ganz so düsteres Bild malen. Der Januar war schon immer der schlechteste Monat im Jahr. Bald wird es sicherlich besser“, sagt er.
Vielleicht schon dann, wenn der nächste Kneipenabend eines potenziellen Kunden in Münster mal wieder länger wurde als geplant. Der Notnagel Taxi ist schließlich immer zur Stelle.
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