Viele denken um
Restaurant in Münster reagiert auf Personalmangel und zieht Konsequenzen
Der Personalmangel in der Gastronomie hat Folgen. In Münster zieht eine Traditionsgaststätte nun erste Konsequenzen. Sie sind nicht die einzigen.
Münster – Es ist Hilfeschrei und Rettungsmaßnahme zugleich: Die Traditionsgaststätte „Stuhlmacher“ in Münster hatte Ende Mai angekündigt, die Öffnungszeiten anzupassen. Es fehle schlichtweg das Personal, führte Chef Franz-Ludwig Feldhaus als Grund an. Die durstigen Gäste würden zwar kommen, er habe aber niemanden, der ihnen das Bier zapfen, geschweige denn bringen könne. So wie dem „Stuhlmacher“ geht es vielen anderen Gastrobetrieben in NRW ebenfalls. Münster ist nicht alleine mit diesem Problem. Doch es gibt Hoffnung.
Traditionsgaststätte „Stuhlmacher“ in Münster geht das Personal aus
Die Gaststätte in Münster wird ab dem 1. Juli nicht mehr an sieben Tagen in der Woche geöffnet haben. Das sei einfach nicht mehr zu stemmen, heißt es. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) hat diese Thematik schon länger im Blick. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind gerade im Gaststättengewerbe noch immer zu spüren, schlagen sich unter anderem in der Personalproblematik nieder.
„In den Jahren 2009 bis 2019 – also in der Zeit vor Corona – konnten wir die Beschäftigung um rund 100.000 auf circa 415.000 Beschäftigte im nordrhein-westfälischen Gastgewerbe erhöhen. Im Frühjahr 2021 – also in den dunkelsten Lockdown-Zeiten – waren es dann nur noch circa 320.000 Beschäftigte“, sagt Thorsten Hellwig, Sprecher des DEHOGA NRW, im Gespräch mit wa.de. Seitdem würden sich die Zahlen wieder deutlich nach oben entwickeln, „aber wir haben aktuell immer noch drei Prozent weniger als beim damaligen Peak – und auch dort war der Personalbedarf noch nicht voll gedeckt“, sagt Hellwig. Reaktionen wie diese nun aus Münster seien die Folge. Nicht immer muss das aber auch schlecht sein.
„Die Gastronomen und Hoteliers denken um. Das Reservierungsverfahren könnte beispielsweise vereinfacht werden“, meint DEHOGA-Sprecher Hellwig. Auch eine Anpassung der Speisekarte oder der Öffnungszeiten könne dazu beitragen, die Arbeitskräfte zu bündeln.
Die Logik: Wenn an der einen Stelle zu viele Ressourcen – in diesem Fall wertvolle Arbeitskräfte – gebunden werden, müssen sie eben an anderer Stelle freigesetzt werden. „Jeder schaut sich also seinen Betrieb genau an, um für sich zu klären, wie man unter den neuen Voraussetzungen ein guter Gastgeber mit einem gesunden Betrieb bleiben kann. Wenn ein Betrieb unwirtschaftlich ist, ist keinem geholfen“, erklärt Hellwig.
Fachkräftemangel macht sich auch in der Gastronomie bemerkbar
Natürlich schwebt dabei über den Biergärten der Nation die gleiche dunkle Wolke wie über allen anderen Betrieben auch: Der Fachkräftemangel trübt die Stimmung in der Wirtschaft. In der Gastronomie hat er sich während der Hochzeit der Pandemie aber noch verschärft. Massenweise sind Fachkräfte in andere Branchen abgewandert – diese fehlen jetzt zusätzlich.
„Was uns positiv stimmt, ist, dass viele wieder zurückkommen, wir aber auch neue Kräfte hinzugewinnen konnten. Da fehlt oft allerdings noch das nötige Know-how, das sich die Beschäftigten aufgrund der Corona-Teit nicht aneignen konnten“, sagt DEHOGA-Sprecher Hellwig. Auch hier würde man entsprechende Maßnahmen treffen.
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„Der DEHOGA NRW hat im letzten Jahr einen sehr ambitionierten Tarifvertrag mit deutlichen Lohnzuwächsen, teilweise jenseits der 20 Prozent, abgeschlossen. Auch die Ausbildungsvergütungen wurden angepasst“, sagt Hellwig. Zu den Top-Verdienern zählen Servicekräfte, Köche und Co. damit zwar immer noch nicht. Der Anfang ist aber gemacht, um den Job attraktiver zu machen. „Gleichzeitig müssen wir aber auch die Zuwanderung in den Arbeitsmarkt offener diskutieren. Gleiches gilt für die Tageshöchstarbeitsgrenzen: Wir brauchen dort mehr Flexibilität“, ergänzt Hellwig.
Wann diese Maßnahmen Wirkung zeigen und sich die Lage in der Gastronomie wieder entspannt, ist offen. Von jetzt auf gleich dürfte keine große Besserung in Sicht sein. Probleme dieser Art zu lösen erfordert eben mehr Zeit, als ein frisches Bier zu zapfen – wenn man dafür dann überhaupt das richtige Personal hat.
Personalprobleme haben übrigens auch die Festivals – Termine und Orte in NRW stehen schon fest. Viele Veranstalter mussten die Ticketpreise aber aufgrund anderer Faktoren anziehen.
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