Mobilität
E-Roller verschwinden aus Münster – Lime zieht sich zurück
Schnell mal auf einen E-Scooter springen wird in Münster schwierig – zumindest wenn es sich um E-Roller von Lime handelt. Das Unternehmen zieht sich zurück.
Münster – Nicht jeder liebt die flinken E-Roller. Manch einer sieht in den elektrischen Scootern eine Bedrohung für den Straßenverkehr oder regt sich einfach über umgekippte Roller auf den Gehwegen auf. Viele Menschen aber mieten die E-Scooter von Tier, Bolt, Voi oder auch Lime oder anderen Anbietern gerne mal für eine Kurzstrecke, für die sie zu Fuß viel länger bräuchten. In Münster (NRW) verschwinden nun aber einige E-Scooter aus dem Stadtbild.
Lime zieht E-Scooter-Flott aus Münster und Hamm ab
Der E-Scooter-Anbieter Lime hat seine Flotte, wie zuvor auch etwa schon in Hamm, aus Münster abgezogen. Auch aus Bielefeld, Gladbeck, Herne und Detmold verschwanden die Lime-Roller aus dem Stadtbild. „Als privatwirtschaftliches Unternehmen, das im Gegensatz zu anderen öffentlichen Mobilitätsformen frei von staatlichen Subventionen ist, evaluieren wir regelmäßig unser Angebot je Stadt. Dabei achten wir vor allem darauf, dass ein in der Langfristigkeit nachhaltiger, effizienter und wirtschaftlich sinnvoller Betrieb gewährleistet ist“, begründet das Unternehmen diesen Schritt auf Nachfrage von wa.de. Aktuell sei Lime nur noch in diesen NRW-Städten vertreten:
- Bochum
- Essen
- Dortmund
- Herne
- Mülheim an der Ruhr
- Paderborn
- Oberhausen
- Duisburg
- Witten
- Köln
- Düsseldorf
- Bonn
- Aachen
- Neuss
- Solingen
- Frechen
- Meerbusch
- St. Augustin
- Hilden
- Langenfeld
- Jülich
In Münster sowie Gelsenkirchen und Recklinghausen habe man offiziell lediglich eine Winterpause eingelegt. Zur Größe der jeweiligen Flotten will sich Lime nicht äußern. Es deutet allerdings vieles darauf hin, dass sich das E-Scooter-Unternehmen bewusst auf dem Rückzug befindet.
Offiziell sind die genauen Gründe für den Roller-Rückzug aus Hamm noch unklar. Ein Knackpunkt könnte, wie auch in Münster, die Erhebung der sogenannten Sondernutzungsgebühren sein. In Münster fallen dafür 12 Euro pro Roller und Quartal an. Lime muss schlichtweg Kosten und Nutzen abwägen.
E-Roller verschwinden aus Münster: Lime äußert sich zu einer möglichen Rückkehr der Scooter
„So kann es auch passieren, dass wir zu einem Zeitpunkt eine Winterpause einlegen, der zunächst einmal ungewöhnlich erscheint“, teilt Lime mit. „Im Umkehrschluss kehren wir in die Stadt zurück, wenn wir oben genannte Bedingungen wieder gewährleistet sehen“ – also ein „in der Langfristigkeit nachhaltiger, effizienter und wirtschaftlich sinnvoller Betrieb“.
Dem Vernehmen nach könnte Lime den angedeuteten Rückzug als Druckmittel gegenüber der Stadt nutzen. Ganz zufrieden scheint das Unternehmen mit der Erhebung der Sondernutzungsgebühren jedenfalls nicht zu sein. Bei der Festlegung der Höhe der Sondernutzungsgebühren sei es Lime ein zentrales Anliegen, dass die Verhältnismäßigkeit gegenüber anderen Mobilitätsoptionen auf der Straße gewahrt und die Wirtschaftlichkeit der Anbieter nicht gefährdet werde.
„Eine Sondernutzungsgebühr trägt Rechnung, soweit die Mittel zweckgebunden in den Ausbau der Infrastruktur für nachhaltige Mobilitätsoptionen fließen und auch die marktwirtschaftlichen Realitäten der entsprechenden Stadt abbilden“, erklärt der E-Scooter-Anbieter, der auch das Straßenbild in Münster, wo erst unlängst eine drastische Erhöhung der Anwohner-Parkkosten beschlossen wurde, gerne anders gestalten würde.
E-Scooter-Anbieter Lime wünscht sich eine Veränderung des Straßenbilds in Münster
Grundsätzlich sei die Herausforderung die ungleiche Verteilung des öffentlichen Raums, meint das Unternehmen. Deswegen befürworte der E-Scooter-Vermieter die Schaffung von freiwilligen Abstellflächen für Mikromobilität. „Insbesondere für solche Bereiche, in denen Flächenkonflikte am größten sind, macht die Schaffung von freiwilligen Abstellflächen für Mikromobilität, idealerweise durch die Umwidmung von Pkw-Parkplätzen, sehr viel Sinn“, erklärt Lime. Auf einen Pkw-Parkplatz würden demnach bis zu 15 E-Scooter passen. „Die Erfahrung zeigt, dass diese gut angenommen werden und Gehwege entlasten“, teilt das Unternehmen mit.
Ganz will Lime der Konkurrenz den E-Scooter-Markt trotz des temporären Rückzugs aus Münster nun aber nicht überlassen. „Wir sind sehr zufrieden mit der Nachfrage unserer Nutzer und der aktuellen Auslastung unserer Flotte. Unsere Mission ist es, eine Mobilitätsalternative zum Auto zu schaffen, die geteilt, bezahlbar und CO₂-neutral ist. Wir erleben mit jedem weiteren Lime-Jahr, dass die deutschen Bürger E-Scooter als alternative Mobilitätsform wahrnehmen, akzeptieren und vermehrt für die erste und letzte Meile nutzen“, erklärt Lime.
Daher würde das Unternehmen eigenen Angaben zufolge auch den Markt sondieren, um möglicherweise in anderen NRW-Städten sein Angebot auszuweiten. „Wir sind immer interessiert an einer Zusammenarbeit mit neuen Städten und werden Markteröffnungen mit der Presse teilen, sobald es dazu konkrete Pläne gibt“, heißt es. Vielleicht teilt es also schon bald das Ende der Winterpause in Münster mit.
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