Glosse

Studenten aus Münster erfinden Currywurst-Automat: Das Ende eines Klassikers?

Stefan Averkamp (v.l.), Jonas Rosery, Wieland Wietheger, Prof. Dr. Eckhard Finke, Markus Lammers und Daniel Ruchser von der FH Münster stehen hinter ihrem Currywurst-Automaten.
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Stefan Averkamp (v.l.), Jonas Rosery, Wieland Wietheger, Prof. Dr. Eckhard Finke, Markus Lammers und Daniel Ruchser von der FH Münster haben einen Currywurst-Automaten entwickelt.

Eine Maschine bereitet eine Currywurst in 30 Sekunden vor. Erfunden haben sie Studenten der FH Münster. Unser Autor hat Angst, dass eine Kulturform zerstört wird.

Münster – Ich benötige nicht viel, um glücklich und satt zu sein. Ein nettes Gespräch in der Imbissbude und ein Drei-Gänge-Menü bestehend aus Pommes, Currywurst, und Mayo reichen vollkommen aus. Ungefähr so: „Pommes kommen jetzt in die Fritteuse, und dann warten wir mal so vier, fünf Minuten, ne?“ Passt. Ich bin schließlich in der Mittagspause und nicht auf der Flucht. „Die Wurst würze ich wieder ein bisschen nach, ne?“ Ja, mach‘ scharf. „Ich schneide sie auch klein, ne?“ Ehm, natürlich. Mantaplatten-Manni, der heute wieder sein bestes Feinripp-Unterhemd unter der siffigsten Schürze trägt, schnappt sich seine Haushaltsschere mit Sägeschliff und macht sich ans Werk.

Studenten aus Münster revolutionieren Currywurst-Zubereitung

Stück für Stück wird die Phosphatstange in ihre Einzelteile zerlegt und kullert in die Pappschale. Nur das letzte Wurstende will sich nicht ganz vom Darm trennen, baumelt am vorletzten Stück und wird dann von der roten, zähflüssigen Soße umschlungen. Der Vorgang ist Kunst in ihrer reinsten Ruhrpott-Form – und ausgerechnet die wollen mir ein paar Studenten aus Münster (NRW) jetzt nehmen.

„Currywurst in 30 Sekunden: Studenten automatisieren Zubereitung von Imbiss-Klassiker“, titelt die FH Münster in einer Pressemitteilung stolz. Vor Schreck fällt mir fast der Pommespieker aus der Hand. In gerade mal einer halben Minute soll der Prozess beendet sein, der sich dank unzähliger Männer und Frauen hinter dampfenden Fritteusen in vielen Jahren Imbissbetrieb zu einer eigenen Kulturform aufgeschwungen hat? Ich möchte mich mit diesem Gedanken nicht abfinden und schreie mit scharfem Currypulver auf den Lippen: Finger weg von der Mantaplatte! Dabei, das muss ich gestehen, ist die Idee eigentlich ziemlich genial.

Studenten aus Münster erfinden Maschine, die Currywurst automatisiert zubereitet

Daniel Ruchser, Jonas Rosery und Wieland Wietheger heißen demnach die drei Studenten der FH Münster, die im Rahmen einer Projektarbeit eine Maschine gebaut haben, „die das beliebte Imbissgericht in wenigen Sekunden automatisiert zubereitet“. Das einzige, was – noch – von Hand gemacht werden müsse, sei die Wurst zu grillen und den Vorgang zu starten, teilt die FH mit. Vielleicht war ich zu voreilig. Klingt zunächst wirklich nicht schlecht. Das System dahinter jedenfalls ist raffinierter als ein Jungunternehmer mit Hipsterbart, der ein paar „Toppings“ auf „frittierte Kartoffel-Streifen“ wirft und plötzlich 13,50 Euro für eine kleine Pommes Schranke verlangt.

Die Studenten erklären ihre Currywurst-Revolution so: „Sobald die Wurst in die Schneidevorrichtung gesteckt wird, aktiviert sie eine Lichtschranke und setzt damit den Prozess in Gang: Eine Pappschale gelangt per Förderband unter den Schneider, die kleingeschnittene Wurst landet darin. In der nächsten Station kommt die Soße dazu, dann das Currypulver – und schon kann die Portion verspeist werden.“

Die Idee sei ihnen gekommen, weil sie auf dem Weihnachtsmarkt an einem Imbissstand offenbar zu lange auf ihre Currywurst warten mussten. Die Maschinenbau-Studenten haben sich gedacht: „Das könnte man doch eigentlich automatisieren“, sagt Wietheger. Es folgte die Umsetzung. Die Arbeit betreut haben die wissenschaftlichen Mitarbeiter Markus Lammers und Stefan Averkamp sowie Maschinenbau-Dekan Prof. Dr. Eckhard Finke. Dem schmeckt die Erfindung.

FH Münster möchte Currywurst-Automat in Zukunft einsetzen

„Das Projekt ist den Studenten hervorragend gelungen. Es zeigt, wie lebensnah Maschinenbauingenieurinnen und -ingenieure arbeiten, was man bei uns im Studium lernt und damit machen kann“, meint Finke. Nun soll nach Angaben der FH auch die Hochschule davon profitieren. „Wir könnten uns vorstellen, die Maschine bei Erstsemesterveranstaltungen oder auf Kennenlerntagen zum Einsatz kommen zu lassen.“ Zudem könnte sie auch in Folgeprojekten weiterentwickelt werden – schließlich läuft noch nicht alles vollautomatisch. Denkbar wäre, auch einen Grill in den Ablauf zu integrieren.

Ja, denke ich, macht das ruhig – aber stellt das Teil bloß nicht in meine Stamm-Pommesbude. Die Idee, die ist witzig. Die Umsetzung, die ist brillant. Ich bevorzuge dann doch aber eher die klassische Variante und ein langes Gespräch mit Mantaplatten-Manni hinter der Theke, der routiniert seine Haushaltsschere mit Sägeschliff unerbittlich in den Darm der Bratwurst beißen lässt – gerne auch in eine vegane Variante. Denn ganz aus der Zeit gefallen bin ich dann doch nicht.

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