Ärger im Schnee-Paradies

„Mondpreise“: Lokal in NRW-Skigebiet nimmt 7,20 Euro für Cola – und zwei Euro für eine leere Tasse

Wie teuer darf ein Restaurant in Top-Lage sein? Ein Lokal in einem beliebten NRW-Skigebiet zieht immer wieder Beschwerden auf sich – und reagiert auch darauf.

Winterberg – Die Ski-Saison ist in vollem Gange. Auch Nordrhein-Westfalen hat beliebte Anlaufstellen – natürlich zuallererst Winterberg. Das Skigebiet zählt zu den günstigsten in ganz Europa. Nicht mit gemeint sein kann von dem ADAC-Preisvergleich aber ein bekanntes Lokal, das immer wieder den Unmut der Besucher auf sich zieht: das Bobhaus, laut Homepage auf der „höchstgelegenen Terrasse des Sauerlandes“, dazu nahe an Lift, Bobbahn und Bikepark. Die Gäste loben das Ambiente und die Aussicht, die als hervorragend beschrieben werden, sowie die Qualität der Speisen. Diese Faktoren tragen wohl dazu bei, dass das Lokal bei Google noch eine Bewertung von im Durchschnitt 3,0 von 5 Sternen hat.

Schon länger stapeln sich bei Google Maps die Beschwerden zur Preisgestaltung des Bobhauses. Viele Besucher empfinden die Preise als übertrieben hoch. Ein Google-Nutzer fasste schon vor längerem zusammen: „7,20 Euro für 0,5 Liter ist schon wirklich krass, vor allem, wenn Bier genauso teuer ist wie Wasser oder Cola. Auch 1 Euro für die Toilette, obwohl man als Gast dort Getränke verzehrt! Gegen die Lage/Aussicht und Service kann man aber nichts sagen.“ Der Betreiber des Lokals entgegnete daraufhin: „Die Preise mögen im oberen Mittelfeld sein, aber sind sicherlich nicht ‚Krass‘“.

Das Foto aus dem Jahr 2015 zeigt: Die Lage ist vom Feinsten.

„Mondpreise, unverschämt“: Vielen vergeht in Winterberg der Appetit

Eine andere Besucherin schimpfte: „Die Preise im Restaurant sind unglaublich hoch. Einfach überteuert. Dann noch die Absperrung vor der Toilette. Alles wie in einem schlechten Film.“ Ein anderer findet: „Die Preise sind eine Unverschämtheit. Selbst in Österreich in den Skigebieten ist es billiger. Ich kann nur jedem raten, woanders hinzugehen.“ Das Fazit aus verschiedenen Rezensionen: „Einfach nur Abzocke“, „Klassischer Wucher“ oder „Mondpreise, unverschämt“.

Ein Gast fotografierte den Innenraum des Restaurants und zeigt ihn bei Google Maps – nebst Getränk für mutmaßlich 7,20 Euro.

Die oben zitierten Beschwerden sind teils schon älter, doch auch unter den neuesten Google-Rezensionen gibt es massenhaft deutliche Kritik, etwa wie folgt: „Service gut, Essen ok, Aussicht sehr schön, aber leider wird das alles durch die vollkommen unverschämten Preise, v.a. für die Getränke, verdorben. Wenn das der Grundtenor der Rezensionen ist, sollte sich der Verantwortliche vielleicht mal ein paar Gedanken machen, ob man mit gängigeren Preisen in Summe nicht mehr gewinnt.“

Oder auch: „Es sind total abgehobene Preise. Für die Region völlig schräg! 7,20 Euro Skiwasser, 18 Euro (genau gesagt 17,80 Euro, Anm. d. Red.) Spaghetti Bolognese.“ Ein anderer Besucher ärgert sich: „Wie schon oft beschrieben, versauen die Preise leider die schöne Lage und das gute Ambiente. Für sehr durchschnittliches Essen werden Preise wie im Sternerestaurant aufgerufen.“ Eine Besucherin zeigte unlängst ihr Schnitzel sowie ein Schild, das heiße Dubai-Schokolade für 26,80 Euro anpries.

Zwei Fotos einer Besucherin aus diesem Winter.

Wirt nimmt immer wieder Stellung zu den Preisen – die transparent sind

Der Inhaber nahm in der Vergangenheit zu manchen negativen Reaktionen Stellung, etwa zu einer über den Apfelstrudel-Preis. „Natürlich kann man einen Apfelstrudel für 13,80 Euro anbieten. Der allerdings auch mit Sahne und Eis serviert wird. Man ist aber nicht verpflichtet, den Apfelstrudel bei uns zu bestellten – man verpasst aber sichtlich etwas, wenn man es nicht macht. Der Preis ist nicht nur durch Lage, Inflation begründet, sondern auch durch Qualität, tolle Mitarbeiter, die fair bezahlt werden, und viele andere Sachen begründet.“ Qualität und faire Bezahlung für ein Top-Team dürfte es allerdings auch woanders geben.

Mangelnde Transparenz kann man dem Bobhaus in Winterberg jedenfalls nicht unterstellen. Auf der Homepage gibt es die komplette Karte samt Preisen zum Download. Ein halber Liter Cola kostet demnach genauso wie Bier 7,20 Euro. Der Aperol Spritz schlägt mit 16,80 Euro zu Buche, die Schampus-Version davon mit 34,80 Euro. Pommes gibt‘s für 8,80 Euro oder als Trüffel-Variante für 22,80 Euro. Fürs Kännchen Kaffee von etwa 0,2 Litern werden 6,80 Euro aufgerufen, jede zusätzliche leere Tasse kostet zwei Euro extra. Und so mancher wundert sich über ein Drehkreuz vor der Toilette, bei dem man einen Euro loswird.

Eine zweite oder dritte Tasse zum Kännchen Kaffee kostet laut Speisekarte je zwei Euro extra.

Andere äußern sich diplomatischer zu Restaurant in Skigebiet

Wohlgemerkt: Manche zahlen die Preise dort auch gerne für die Aussicht oder die perfekte Lage. Und äußern sich diplomatischer: „Es ist wirklich eine sehr schöne, super gut gelegene Gastronomie. Alle sehr nett und höflich. Ja, das mit den Toiletten für 1 Euro, das stimmt, wird aber nachher verrechnet, wenn die dicke Rechnung kommt. Die Preise sind schon heftig. Zu empfehlen: Erst auf die Karte schauen, dann bestellen.“ Unlängst zeigte sich jemand auch sehr zufrieden: „Es war einfach nur super. Etwas hochpreisiger, aber wir hatten da so viel Spaß, mit dem Chef und den Kellner einfach nur super.“ Ein Restaurant-Gast in Norddeutschland beschwerte sich einst über die Extrakosten für einen Extrawunsch. (lin)

Rubriklistenbild: © Google Maps

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