Beklemmende Enge, tödliche Präzision
Leopard-2-Panzer für die Ukraine – die Superwaffe ist gar keine
Leopard 2 aus NRW sollen die Ukraine im Krieg gegen Russland verteidigen. Der deutsche Panzer ist ein Ungetüm. Aber: Eine Superwaffe ist er nicht.
Augustdorf – Die Sonne blendet die Besucher der Kaserne in Augustdorf, einer kleinen Gemeinde in NRW etwa 30 Kilometer südöstlich von Bielefeld, an diesem frühlingshaften Tag. Soldaten in Flecktarn mit schwarzen G36-Gewehren vor der Brust oder locker an der Hüfte baumelnd spazieren umher, nehmen kurz Haltung an, um einen Vorgesetzten zu grüßen und ziehen dann in Kleingruppen ihrer Wege. Vereinzelt sind leise Schüsse in der Ferne zu hören. Surreal wirkt die gesamte Szenerie, rüstet das Panzerbataillon 203 der Deutschen Bundeswehr doch gerade Leoparden für den Krieg in der Ukraine. Fast ferienlagerartig reihen sich die verklinkerten Baracken der Soldaten aneinander. Ein eigenartiger Frieden liegt über dem Gelände, eine groteske Stille. Dann wird es laut.
Exklusive Einblicke: Der Leopard-Panzer 2A6 von innen




Eine gute Ausbildung der vierköpfigen Leopard-Mannschaft – Kommandant, Kraftfahrer, Richtschütze und Ladeschütze – legt den Grundstein für einen erfolgreichen Panzerkampf. Der Hauptmann führt einen Ladevorgang vor. Mit dem linken Ellenbogen drückt er einen Hebel zurück, hinter ihm rutscht eine Schiebetür aus Stahl auf, er entnimmt in einer fließenden Drehbewegung eines der bis zu 13 Kilogramm schweren Geschosse und schiebt es wie einen Torpedo in das Geschützrohr. Ein paar Knöpfe drücken. Fertig. Bereit, um den Feind in Stücke zu zerreißen. Gerade einmal 15 Sekunden würden in einem Gefecht ausreichen, um Leben auszulöschen – ein Fehlschuss dabei schon einberechnet. Ein bedrückendes Gefühl.
Nun sollen die Leopard-Panzer diese Wirkung auf Seiten der Ukraine gegen die russischen Invasoren entfalten. Die von den Verteidigern langersehnte Panzer-Lieferung wurde unlängst genehmigt. Begeistert ist die Truppe dem Vernehmen nach nicht, dass sie ihre Fahrzeuge abgeben muss. „Wir sind uns aber der Notwendigkeit bewusst und die Bundesregierung hat so entschieden“, sagt Hauptmann M. auf Nachfrage von wa.de. Befehl ist eben Befehl. Stolz schwingt in seiner Stimme mit, wenn er von seinen Gefährten und den Panzerfahrten bei Manövern berichtet. Er sei aus einer Überzeugung heraus Soldat geworden. Die Leopard-Panzer sind sein Leben. Bald schon aber werden sie viele nehmen.
Unterdessen scheint in Augustdorf weiter die Sonne, alles geht seinen geregelten Gang. Der Krieg ist zum Alltag geworden. Nicht in Afghanistan, Syrien und der Ukraine – sondern auch in Deutschland.
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