Kommunen und Bürger gefordert
Folgen von Starkregen in NRW sollen begrenzt werden
UNNA - Extreme Niederschläge nehmen in Deutschland zu. Zuletzt hatte Starkregen Teile von Münster überflutet, auch in Hamm und Drensteinfurt liefen Keller voll. Ein Pilotprojekt in Unna befasst sich jetzt mit dem Thema Schadensbegrenzung.
Video veranschaulicht Klimawandel in NRW
In einem Pilotprojekt wollen die Stadt Unna und der Lippeverband die Folgen von extremem Starkregen begrenzen. Kommune und Verband haben in Modellsimulationen Starkregen-Gefahrenkarten entwickelt und in besonders gefährdeten Regionen Schutzmaßnahmen vorgeschlagen.
Gut zu wissen
Herzstück der Kampagne "Stark gegen Starkregen" ist die gerade freigeschaltete Website
auf der die Starkregen-Gefahrenkarte eingesehen werden kann und alle Bürger und Kommunen konkrete Tipps für die Vorsorge erhalten und mehr rund um das Thema Starkregen erfahren.
Experten errechneten dazu die Bewegung der Wassermassen bei extremen Niederschlägen und stellten die Ergebnisse ins Internet. Bürger können anhand der Karten feststellen, ob ihre Häuser in Gefahrenbereichen stehen und wie die Auswirkungen sein könnten. Experten gäben dazu Ratschläge für individuelle Schutzmaßnahmen, teilten Stadt und Verband am Donnerstag in Unna mit. Angenommen wurden 90 Liter Niederschlag pro Stunde, so viel wie noch nie in Unna.
Kommune und Verband ihrerseits wollen neuralgische Punkte wie Unterführungen entschärfen und Landwirte anregen, Äcker als kurzfristige Regenrückhaltezonen anzubieten.
Zu dem besonders gefährdeten Ortsteil Unna-Mühlhausen stellte der Lippeverband eine detaillierte Wirkungsanalyse vor. Mit Hilfe von Ackerflächen, die durch kleine Wälle begrenzt werden, könne im Ortsinneren der Wasserstand bei extremem Starkregen um bis zu einen halben Meter niedriger ausfallen, erklärte Lippeverbandschef Jochen Stemplewski.
Zu kleineren Maßnahmen zählen die Höherlegung von Kellerlichtschächten, die Abdichtung von niedrig gelegenen Hausöffnungen und auch die Wiedereinführung von Bordsteinen, um den Wasserfluss in den Straßen zu kanalisieren.
Hintergrund des Pilotprojekts ist die Zunahme von Starkregen. Der Verband erwartet in der Emscher-Lippe-Region künftig sechs statt drei bis vier extreme Niederschlagsereignisse im Jahr. Unna ist Pilotstadt im europäischen Städtenetzwerk "Future Cities". Zwölf Städte in fünf EU-Ländern beschäftigen sich unter Federführung des Lippeverbandes mit den Folgen des Klimawandels.
Der Lippeverband führt entlang der Lippe eine ganze Reihe von Umgestaltungsprojekten und ökologischen Verbesserungen für Gewässer durch. Dazu zählen im Kreis Unna Seseke, Körne, Süggelbach, Lüserbach und Heerener Mühlbach (Sesekeprogramm), in Hamm der Herringer Bach und Westhusener Bach, in Dortmund Kirchderner Graben und Rüschebrinkgraben, in Datteln und Oer-Erkenschwick der Dattelner Mühlbachen, in Haltern der Gecksbach, in Dorsten der Alten Hammbach, Rapphofs Mühlenbach und Erdbach sowie in Dinslaken der Rotbach.
Im Rahmen des wasserwirtschaftlichen Gesamtkonzeptes (Stichwort: integrale Bewirtschaftung) sind hier auch die umfangreichen Hochwasserschutzaktivitäten des Lippeverbandes zu nennen wie etwa das Hochwasserrückhaltebecken Kortelbach in Unna-Alte Heide.
Dieses liegt direkt an der Stadtgrenze zwischen Unna und Kamen und schützt im Hochwasserfall die Unterlieger wie Kamen-Heeren-Werve (Inbetriebnahme Mitte 2011). Im Rahmen des Sesekeprogrammes wurde diese Anlage mit einem Fassungsvermögen von 104.000 Kubikmetern errichtet. Es schützt vor Hochwasserereignissen, die nach einem statistischen Durchschnitt einmal in 50 Jahren auftreten.
Bei starkem Regen füllt sich das Becken mit Wasser, nach Abklingen der Niederschläge werden diese gedrosselt in den Heerener Mühlbach abgeleitet. Damit eng verbunden ist auch die bereits erfolgte naturnahe Umgestaltung des Heerener Mühlbachs in Kamen zu einem „blau-grünen“ Korridor, der einerseits bei einem Starkregen das Regenwasser der benachbarten Grundstücke direkt aufnimmt und andererseits positive Auswirkungen auf das Stadtklima hat (etwa bessere Durchlüftung bei Hitze). - dpa/eB
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