Buchhändlerin trotzt Onlinehandel

Buchhandlung Holota in Hamm hat keine Angst vor Amazon

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Margret Holota betreibt seit 25 Jahren ihre Buchhandlung in der Hammer Innenstadt. 2013 expandierte sie und bezog mit der „Buchhandlung Margret Holota“ ein Ladenlokal in der Weststraße – während andere Buchhändler den Rückzug antraten.

Hamm - Die Buchhandlung Holota in Hamm läuft – und das trotz Onlinehandel und Kundenschwund. Als kleiner inhabergeführte Buchladen wehrt sich die Besitzerin nicht nur erfolgreich gegen Konkurrenten wie Amazon, sondern sie wagt sogar den Schritt zur Expansion.

„Wenn die Menschen möchten, bringe ich ihnen das Buch bis an das Nachtschränkchen“, umschreibt Margret Holota die Motivation, die sie vor 25 Jahren dazu trieb, die Buchhandlung „Akzente“ in Hamm zu eröffnen: Sie wollte ihren Kunden bestmöglichen Service bieten. 

Trotz wachsender Konkurrenz durch den Onlinehandel expandierte sie, eröffnete eine zweite Filiale in Hamm und eine in Beckum. Bedroht fühle sich die Inhaberin durch Online-Versandhändler wie Amazon nicht. „Es zeichnet eine Unternehmenspersönlichkeit aus, sich den Gegebenheiten anzupassen.“ 

Anpassen mussten sich Holota und ihr Team schnell: Im Juli 1995 verkaufte Amazon das erste Buch; in den ersten 30 Tagen wickelte der Versandhändler nach eigenen Angaben Aufträge für Kunden in 50 Bundesstaaten und 45 Ländern ab. So zeigte auch Holota bereits im Jahr 1996 Internetpräsenz. 

Konkurrenz-Kette Mayersche gab auf

Die Umsätze ihres Online-Handels seien zwar marginal, sagt die Buchhändlerin, trotzdem müssten sie auch digital für ihre Kunden da sein. „Der Trend ist heute: online recherchieren, vor Ort kaufen.“ Die Expansion der Buchhändlerin vor fünf Jahren war ein mutiger und auch ungewöhnlicher Schritt. 

Denn im selben Jahr gab die Mayersche Buchhandlung ihren Standort in der Weststraße auf – die Kundenfrequenz sei zu gering gewesen, eine Belebung der Fußgängerzone nicht in Sicht, hieß es damals von Seiten des Unternehmens. Der Bertelsmann-Club verließ ebenfalls in dem Jahr die Stadt – aus Gründen der fehlenden wirtschaftlichen Perspektive – und auch lokale Buchhändler zogen sich aus der Innenstadt zurück. 

Holota eröffnete in schwierigen Zeiten einen zweiten Standort

Und Holota eröffnete ihren zweiten Standort – warum? „Ich war der Meinung, dass eine Großstadt wie Hamm eine qualitätsbewusste, inhabergeführte Buchhandlung in der Innenstadt bräuchte“, erklärt die 60-Jährige. 

Persönliche Empfehlungen bestimmen auch das Sortiment.

Am 10. Oktober 2013 eröffnete dann in den ehemaligen Räumen des Kodi-Verbrauchermarktes mit einer Fläche von 250 Quadratmetern die „Buchhandlung Margret Holota“. Die neue Filiale ermöglichte Holota mehr Platz und vor allem eine höhere Chance auf Laufkundschaft, sagt sie. 

"Wir leben nicht in Saus und Braus."

Trotzdem habe auch sie wie alle Buchhandlungen mit Kundenschwund zu kämpfen. „Die Kundenanzahl hat sich durch die zweite Filiale zwar verdoppelt, aber vor vier, fünf Jahren hatten wir durchaus eine höhere Kundenfrequenz“, sagt Holota. Das wirkt sich auch wirtschaftlich auf die Buchhandlung aus. „Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, da wäre keine Luft nach oben. Wir leben nicht in Saus und Braus.“ 

Trotzdem sieht Holota für ihre Buchhandlung eine Zukunft. Bei der Frage, welche Vorteile der lokale Buchhandel gegenüber dem Onlinehandel hat, muss die 60-Jährige nicht lange überlegen. „Service“, antwortet sie. „Wir bieten ein Sortiment, das mit Sinn und Verstand persönlich ausgewählt wurde.“ 

Gerade Nischenprodukte, die speziell für ihre Kunden ausgewählt werden, würden dafür sorgen, dass die Buchhandlung überlebt. „Die Menschen fühlen sich bei uns willkommen. Es ist wie ein zweites Wohnzimmer.“ 

Mit den Kunden Schritt halten 

Dass Holota mit der Expansion ihrer Buchhandlung gegen den Strom schwamm, weiß die 60-Jährige. Aber sie ist überzeugt: „Es wird immer inhabergeführte Buchhandlungen geben. Man müsse nur Schritt halten mit den sich wandelnden Bedürfnissen und Anforderungen der Kunden. 

Das Sortiment hat eine persönliche Note.

„Es wird immer die Leute geben, die die Qualität einer Buchhandlung zu schätzen wissen. Warum sollte man die vergessen?“ Sie sehe keinen Grund, fehlende wirtschaftliche Perspektive auf nicht vorhandene Kunden und eine sterbende Innenstadt zu schieben. „Es zeichnet eine Unternehmenspersönlichkeit aus, sich den Gegebenheiten anzupassen“, so die Buchhändlerin. 

Veranstaltungen gehören zum modernen Marketing

Sich den Gegebenheiten anpassen – das versucht jetzt auch Deutschlands größte Buchhandelskette Thalia. Thalia-Chef Michael Busch kündigte eine Neuausrichtung der Kette an. Die Buchläden sollen stärker zum Begegnungsort werden, mit Cafés und Lesebereichen, aber auch mit Veranstaltungen. 

Das ist bei Holota schon längst fester Bestandteil ihres Geschäfts – auch wenn die 60-Jährige dies nicht als zwingend notwendig erachtet. „Mein Rezept ist: Man muss sich immer wieder auf sein Kerngeschäft besinnen.“ 

Die Veranstaltungen, die in der Buchhandlung seit 2002 stattfinden, sind für Holota ein Marketinginstrument. „Da zahlen wir auch drauf, weil beispielsweise bei Autorenlesungen nicht mehr viele Bücher gekauft werden.“

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