Troy Coaster Challenge

Über 70.000 Euro für krebskranke Kinder durch irre Aktion: Auch Teilnehmer aus NRW dabei

Bei der Troy Coaster Challenge 2025 wurden über 70.000 Euro für den guten Zweck gesammelt.
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Bei der Troy Coaster Challenge 2025 wurden über 70.000 Euro für den guten Zweck gesammelt.

Vier Achterbahn-Fans aus NRW fuhren 24 Stunden lang Achterbahn. Bei der Troy Coaster Challenge im Toverland kamen 71.896 Euro für den guten Zweck zusammen.

Update vom 26. Mai: Die Troy Coaster Challenge ist vorbei – und ein beeindruckendes Ergebnis wurde erzielt. Mit dem 24-Stunden-Achterbahn-Marathon wurden 71.896 Euro für die Stiftung Jade gesammelt. Die Stiftung bietet Familien mit Kindern, die an Krebs erkrankt sind, Auszeiten in einem Ferienhaus am Meer.

Über 70.000 Euro für krebskranke Kinder durch irre Aktion: Auch Teilnehmer aus NRW dabei

Die Troy Coaster Challenge im Jahr 2025 bot für die 24 Teilnehmer eine besondere Herausforderung: das Wetter. Denn stundenlanger Regen und teils sogar ein Sturm sorgten dafür, dass neun Teilnehmer nicht die volle Zeit im Achterbahnzug bleiben konnten. Somit haben 15 Teilnehmer die Challenge komplett beendet.

[Erstmeldung] Limburg - Für einige Menschen ist es bereits eine große Überwindung, eine Runde mit einer Achterbahn zu fahren. Andere wiederum versuchen bei einem Aufenthalt im Freizeitpark, möglichst viel und oft in den Genuss von rasanten Fahrten zu kommen. Aber 24 Stunden lang am Stück sich nahezu ohne Pause auf derselben Achterbahn dem Adrenalinrausch hinzugeben? Das ist wohl ein Vorhaben, das nur für die leidenschaftlichsten und besonders schwindelfreien Adrenalin-Junkies infrage kommt.

Und die gibt es auch in Nordrhein-Westfalen: Nadine Frisch, Derya Laug, Daniel Molitor und Karsten Schubert nehmen an der Troy Coaster Challenge im Toverland in den Niederlanden teil. Alle vier haben dafür eine gute Motivation. Teils sind es harte Schicksalsschläge und traurige Lebenswege, die zum extralangen Auf und Ab der Achterbahnstrecke geführt haben.

Achterbahnfahren für den guten Zweck: Nadine Frisch hat persönliche Gründe

Bei der Herausforderung in dem Freizeitpark nahe der Grenze zu NRW müssen die 24 Teilnehmer aus mehreren Ländern 24 Stunden lang mit der beliebten Holzachterbahn Troy fahren. Dabei geht es nicht nur um Nervenkitzel und das Austesten der eigenen Grenzen, sondern vor allem auch um den guten Zweck: Mit der Aktion am 24. und 25. Mai wird Geld für die Stiftung Jade gesammelt, die krebskranken Kindern besondere Erlebnisse ermöglicht. Unter anderem können sich alle, die das Vorhaben unterstützen möchten, eine Feierabendfahrt kaufen und so nach Parkschluss 55 Minuten lang neben einem der Teilnehmer in der Achterbahn Platz nehmen.

Genau dieser Aspekt spielt bei den vier Coaster-Challenge-Teilnehmern aus Nordrhein-Westfalen auf die ein oder andere Weise eine große Rolle. So war es der wohl härteste Schicksalsschlag, den eine Mutter überhaupt treffen kann, der Nadine Frisch aus Bedburg im Rheinland zur Teilnahme an der Coaster Challenge bewogen hat. 2024 ist ihre zehnjährige Tochter an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben.

In einem Moment, als es der 35-Jährigen in der Zeit danach besonders schlecht ging, wurde ihr online der Aufruf für die Herausforderung im Toverland angezeigt. „Das war ein Zeichen von meiner Tochter“, ist sich Nadine Frisch im Gespräch mit wa.de sicher. Denn mit ihrer Tochter hat Frisch früher bereits über solche Herausforderungen gesprochen. Beide hatten sich vorgenommen, in Zukunft gemeinsam solche Challenges anzugehen. Gemeinsam mit dem Aspekt, dass für krebskranke Kinder Spenden gesammelt werden, war der 35-Jährigen klar, dass sie sich für die Coaster-Challenge bewerben muss.

„Weil ich das Ganze leben möchte“: Daniel Molitor steigt im Kostüm in die Achterbahn

Nadine Frischs Tochter soll im übertragenen Sinn während des Sonnenaufgangs am 25. Mai mit im Achterbahnzug von Troy sitzen. „Die Zeit des Sonnenaufgangs soll zu Gedenkrunden werden für all die Opfer und Verstorbenen an Krebs“, fasst es Daniel Molitor aus Krefeld zusammen. Der 42-Jährige hat zu diesem Zweck in der Zeit von 5 Uhr bis 5.55 Uhr selbst eines der Zeitfenster gebucht, das es allen Interessierten ermöglicht, neben den Wettkampf-Teilnehmern ein paar Runden mitzufahren. Für die betreffenden 55 Minuten bleibt dieser Achterbahnsitz somit leer und bietet Platz für all jene, denen in diesen Momenten gedacht wird.

Voller Einsatz für die Troy Coaster Challenge: Teilnehmer Daniel Molitor schlüpft für die Herausforderung in ein Kostüm.

Daniel Molitor hat auch eigene Gründe für den irren Trip auf der Holzachterbahn. Da der Coaster-Fan ADHS und Autismus hat, nutzt er Fahrten mit Achterbahnen, um sein Dopamin-Defizit auszugleichen – da kommt ihm eine 24 Stunden lange Achterbahn-Session gerade recht. Gleichzeitig ist er Vater von zwei Kindern mit schweren Behinderungen. „Ich kann daher zumindest zum Teil verstehen, was es für Eltern bedeutet, vor unlösbaren Problemen zu stehen“, erzählt Molitor. Und: Er selbst ist im Alter von 36 Jahren an Magenkrebs erkrankt. „So fühle ich mich sehr verbunden“, sagt der Freizeitpark-Fan.

Am Wochenende der Troy Coaster Challenge werden die Zuschauer Daniel Molitor bereits aus der Ferne erkennen können. „Ich werde im Kostüm auftreten, weil ich das Ganze leben möchte“, kündigt er an. Und ergänzt passend dazu: „Mein Kriegsgeschrei, das Gebrüll auf der Achterbahn, soll ein Symbol sein für all die untergegangenen und stillen Stimmen da draußen.“

„Besser als Yoga“: Derya Laugs Lebensgefährte hat schonmal an der Challenge teilgenommen

Derya Laug aus Duisburg tritt wiederum mit einer gewissen Vorerfahrung die Herausforderung an. Denn ihr Lebensgefährte Simon Thomas hat bei der Troy Coaster Challenge im Jahr 2022 im Achterbahnzug Platz genommen. Und sie hat ihn damals bereits für acht Stunden begleitet. Ihre Eindrücke von damals sprechen dafür, dass sie für die turbulenten 24 Stunden bereit ist: „Das war besser als Yoga“, beschreibt Laug ihre damaligen Gefühle. „Es war zum einen wunderschön, während des Sonnenaufgangs immer wieder die Strecke hochzufahren und das Rattern der Bahn zu hören. Zum anderen war es acht Stunden lang pures Adrenalin.“

Derya Laug nimmt 2025 an der Troy Coaster Challenge teil. Bereits 2022 hat sie ihren Lebensgefährten Simon Thomas unterstützt.

Simon Thomas verrät im Gespräch mit wa.de, dass es im Laufe der 24 Stunden aber auch Punkte gibt, an denen das Durchhalten schwierig sei. „Wäre es nur der Sportsgeist, würde die Hälfte der Leute nach etwa 15 Stunden aufhören“, erzählt der 32-Jährige. Dann sei es aber der gute Zweck, der die Motivation gebe, um durchzuhalten und die 24 Stunden zu vollenden.

2025 ändern sich nun die Rollen: Simon Thomas wird bei der Challenge nachts seiner gleichaltrigen Lebensgefährtin für einige Stunden in der Achterbahn Gesellschaft leisten und sie unterstützen. Derya Laug weiß auch schon, wie diese Unterstützung aussehen wird: „Während der Airtime-Momente versuchen wir, uns zu küssen“, erzählt sie.

Karsten Schubert aus Moers kannte Troy vor dem Event gar nicht

Für Karsten Schubert aus Moers ist die Teilnahme an dem Event eine spontane Aktion. Besonders spannend: „Ich bin die Achterbahn zuvor nie gefahren“, verrät er im Gespräch mit wa.de. „Ich wusste nicht, dass die Bahn einen so richtig durchschüttelt“. Wenn er das sagt, merkt man direkt, dass er das nicht negativ meint. Im Gegenteil hört man heraus, wie viel Spaß der Freizeitpark-Fan mit seiner Neuentdeckung hat.

Dennoch würde er immer wieder gefragt, warum er sich so etwas antun würde. Seine Antwort ist eindeutig. Er verweist auf die Jugendliche Jade, die schwer an Krebs erkrankt ist und nach der die niederländische Stiftung Jade benannt ist. „746 Chemotherapien hat das Mädchen hinter sich“, verweist der 53-Jährige – und damit der älteste Teilnehmer der Challenge – auf die Leidensgeschichte der Jugendlichen. Mit dieser Zahl im Hinterkopf sei es doch ein leichtes, 24 Stunden lang Achterbahn zu fahren und damit etwas Gutes zu bewirken.

Was ebenfalls ein großer Anreiz sei: Die Stimmung im Team sei „phänomenal“, so Karsten Schubert. Alle 24 Teilnehmer haben mittlerweile eine WhatsApp-Gruppe gegründet und planen dort besondere Aktionen und geben sich Tipps, mit welchen Mitteln sie die ganzen 24 Stunden überstehen. „So einen Zusammenhalt gibt es selten“, ist Schubert begeistert.

Troy gilt übrigens als höchste, schnellste und längste Holzachterbahn in den Benelux-Ländern. Erst Anfang 2025 hat sie eine Überarbeitung eines Streckenabschnitts spendiert bekommen.

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