Prozess um Drama auf Weihnachtsmarkt

Panik in Münster: Autofahrer schleift Hammer 50 Meter mit

Ein 22-jähriger Mann aus Hamm spielt eine Hauptrolle in einem Fall, der im Dezember 2022 für nationale und internationale Schlagzeilen sorgte. Das wurde jetzt bekannt. Damals waren auf einem Weihnachtsmarkt in Münster mehrere Menschen verletzt worden.

Hamm/Münster - Bei einer illegalen Fahrt über einen Weihnachtsmarkt in Münster wurden am 12. Dezember 2022 zwei Personen verletzt und viele weitere schockiert oder sogar traumatisiert. Der Prozess gegen den Beschuldigten, ein 38-jähriger Mann aus Sassenberg, begann am Mittwoch vor der 20. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster. Der 22-jährige Hammer ist einer der beiden Helden, die den Fahrer stoppen wollten und dabei verletzt wurden. Er sagte nun als erster Zeuge aus.

An besagtem 12. Dezember 2022 kam der Beschuldigte mit seinem Pkw abends nach Münster und löste die dramatischen Ereignisse aus. Er folgte den Polizeiwagen am Ende einer Demonstration. Als die Demo in den Bereich eines kleinen Weihnachtsmarktes in der Innenstadt einbog, öffnete der junge Wachmann aus Hamm kurz die Sperre und ließ auch noch einen Anwohner mit dessen Auto durch. Das nutzte der Täter, um auf das Gelände zu fahren, weil er der Demo weiter folgen wollte.

Security-Mann 50 Meter weit mitgeschleift

Sofort stoppte ihn der Sicherheitsmann und beugte sich durch das offene Fenster der Fahrertür, um den Zündschlüssel abzuziehen. Der Sassenberger geriet in Panik, gab Gas, schleifte den Security-Mann 50 Meter weit mit und schleuderte ihn dann aus dem Auto. Das wiederholte sich in abgeschwächter Form Sekunden später, als ein Passant diesmal durch das Beifahrerfenster in den Wagen griff. Die Männer wurden bei ihrem beherzten Eingreifen, für das ihnen der vorsitzende Richter dankte, leicht verletzt.

Als Zeugen sagten sie übereinstimmend aus, sie hätten sofort bemerkt, dass mit dem Fahrer etwas nicht stimmte. Der Sicherheitsmann fürchtete gar, dass er in die Menschenmenge fahren wollte und folgte ihm, bis die Polizei den Mann kurz danach stoppte.

Auch künftig für die Allgemeinheit gefährlich

Schon wieder ein Weihnachtsmarkt. Schon wieder Münster: Schnell schossen die Spekulationen damals in die Höhe. Erinnerungen an den Terroranschlag an der Berliner Gedächtniskirche im Dezember 2016 und an die Amokfahrt am Restaurant Kiepenkerl im April 2018 in Münster wurden wach.

Auch am Mittwoch zum Prozessauftakt waren diese Verbrechen mit Dutzenden von Toten und Schwerverletzten kurz ein Thema. Doch der beschuldigte Sassenberger konnte mit beiden Ereignissen nichts anfangen. Offenbar hatte er nichts von dem geplant, was sich im Dezember 2022 in Münster ereignete. Verantwortlich ist er dafür wohl auch nicht. Denn der Mann war und ist seelisch krank.

All das sieht auch die Staatsanwältin so. Am Mittwoch führte sie aus, dass der Beschuldigte das Unrecht seiner Taten nicht einsehen könne. Allerdings sei er auch künftig für die Allgemeinheit gefährlich. Das Gericht muss nun über eine Einweisung des Mannes in eine Klinik entscheiden. Schon jetzt ist er in der Psychiatrie untergebracht.

Ein Sondereinsatzkommando (SEK) der Polizei war am Mittwoch in Hamm im Einsatz. Die Hintergründe sind unklar, möglicherweise geht es um Drogen. Ein Anwohner beschreibt die Situation

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa/Archivbild

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