Feuerwehr in Schlauchbooten
Überschwemmung in Gelsenkirchen nach Starkregen – was waren die Gründe?
In Gelsenkirchen wurden in der Nacht zum 17. August bei einem Unwetter mehrere Straßen überflutet. Die Emschergenossenschaft nennt Gründe.
Gelsenkirchen – Im Tunnel stand das Wasser meterhoch, Autos gingen halb unter, die Feuerwehr musste mit Schlauchbooten ausrücken: Heftige Regenfälle haben in der Nacht von Mittwoch (16.) auf Donnerstag (17. August) in Gelsenkirchen gewütet. Gegen 1 Uhr nachts ging es so richtig los. „Schlagartig wurden Straßen, Keller und tiefer liegende Wohnbereiche überflutet. Automatische Brandmeldeanlagen lösten aus; Bäume kippten um und begruben Fahrzeuge unter sich“, teilt die Feuerwehr Gelsenkirchen mit. Nicht nur Anwohnende fragen sich, wie es zu dieser massiven Überflutung kommen konnte.
Heftiger Starkregen überflutet Gelsenkirchen-Bismarck – einfache Antwort, interessante Hintergründe
wa.de hat mit der Emschergenossenschaft gesprochen, die unter anderem für die Gewässerunterhaltung und Abwasserableitung für das Emscher-Einzugsgebiet zuständig ist, zu dem auch Gelsenkirchen gehört. Warum waren die Folgen des heftigen Starkregens vor allem in Bismarck so stark spürbar? „Die Antwort klingt sehr banal“, erklärt Pressesprecher Ilias Abawi im Gespräch mit wa.de. „Sie lautet: Weil es genau dort sehr viel geregnet hat.“ Und führt aus. „Gegen 22:30 Uhr hat sich im Bergischen Land eine Starkregen-Niederschlagszelle gebildet, die Richtung Ruhrgebiet gezogen ist.“ Mit schweren Folgen für die Stadt im Ruhrgebiet von NRW.
„Zelle hat sich nicht mehr fortbewegt“ – warum es gerade in Gelsenkirchen so heftig geregnet hat
Denn: „Eine solche Zelle hat sich gegen 0:15 Uhr ebenfalls über Essen und Gelsenkirchen gebildet. Diese ist dann auf die Zelle aus dem Bergischen Land getroffen, und hat sich über Gelsenkirchen-Bismarck dann nicht mehr fortbewegt“, erklärt Abawi – wonach über dem Stadtteil dann ungewöhnlich große Mengen Regen herunterkamen. „Innerhalb von rund 90 Minuten hatten wir eine Regenmenge von 75 Litern pro Quadratmeter“, so Abawi. „Wenn wir die Wiederkehrzeit beachten, ist dies Starkregen in einer Größenordnung, wie sie normalerweise seltener als einmal in 100 Jahren auftritt.“
Heftige Starkregen in Gelsenkirchen – gab es keine Warnung?
► Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt in der Regel vorab, sollten sich Gewitter, Unwetter oder heftige Starkregen-Fälle ankündigen. Dies sei vor der Überflutung in Gelsenkirchen nicht geschehen – dafür gebe es jedoch Gründe, wie Emschergenossenschaft-Sprecher Ilias Abawi erklärt.
► Demnach hätte sich die Riesenzelle über Gelsenkirchen in kürzester Zeit gebildet und sei so vorher nicht vorhersehbar gewesen. „Wir haben diese Größenordnung nicht kommen sehen, und der DWD war selbst total überrascht“, so Abawi.
► Hätte man früher Bescheid gewusst, hätte man mehr Einsatzkräfte rausschicken und die Rufbereitschaft erhöhen können. „Diese Wassermassen waren allerdings nicht greifbar, sodass auch das keinen großen Unterschied gemacht hätte“, erklärt Abawi weiter. Bedeutet: Selbst wann man früher gewusst hätte, welche Ausmaße auf Bismarck zukommen, hätte man das nun Geschehene nicht verhindern können.
Hochwasserschutzanlagen waren nach Überflutung in Gelsenkirchen-Bismarck „komplett überfordert“
Dadurch waren auch die technischen Hochwasserschutzanlagen überlastet – und im Grunde genommen „komplett überfordert“, wie Abawi erklärt. Nicht, dass es nicht genug Rückhalteraum gegeben hätte, insbesondere durch den Umbau des anliegenden Sellmannsbaches, im Zuge dessen grad ein Renaturierungsverfahren läuft. „Wir haben dort den Gewässerbereich ausgeweitet, ein Regenrückhaltebecken und sogar noch einen Stauraumkanal; haben also deutlich mehr Rückhalteraum geschaffen.“ Nur war dieser durch den heftigen Starkregen eben auch irgendwann „rappelvoll“ und sei übergetreten.
Sellmannsbach verhindert schnelleres Ausbreiten der Wassermassen – künftig häufiger Starkregen
Somit habe der Sellmannsbach sogar ein noch schnelleres Ausbreiten der Wassermassen in Bismarck verhindert – dass dies den Menschen, die im Zuge der Regenfälle nun vor riesigen Schäden stehen, nicht weiterhilft, ist Abawi bewusst. Dennoch erklärt er, dass man sich durch den Klimawandel künftig möglicherweise häufiger auf solche Ereignisse einstellen müsse. „Inzwischen haben wir diese Jahrhundertregen ja mehrfach pro Sommer“, sagt Abawi. Die Statistiken der vergangenen Jahre diesbezüglich könne man inzwischen „über den Haufen werfen“. Was bei den Menschen in Gelsenkirchen mit Blick auf die Zukunft nicht zwingend für Beruhigung sorgen dürfte. (mo)
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