Essen

Wie aus einem Fantasy-Film: Geheimnisvoller Feuerturm steht mitten im Ruhrgebiet

Im Herzen des Ruhrgebiets steht ein Turm, der einst Otto von Bismarck ehrte. Heute ist er ein stilles Denkmal mitten in der Natur.

Essen – Vor hundert Jahren brannte oben auf dem Turm noch ein Feuer. Damals bauten sie im ganzen Land Türme für den „eisernen Kanzler“ Otto von Bismarck: In Erinnerung an ihn sollten sie aufrechterhalten werden. Heute liegt der Bismarckturm im Essener Landschaftspark Mechtenberg in NRW fast versteckt zwischen Bäumen. Auf dem Platz scheint die Zeit zu stehen.

Essen: Oben auf dem Bismarckturm im Mechtenbergpark brannte einst ein Feuer

Der Turm in Essen-Kray wurde im Jahr 1900 eingeweiht, zwei Jahre nach Bismarcks Tod. Spendengelder hatten den Bau des 16,75 Meter hohen Turmes möglich gemacht, schreiben die Autoren des Portals bismarcktürme.net, das über Bismarcktürme in ganz Europa berichtet. Demnach baute man damals Türme, um Otto von Bismarck zu ehren. Zu bestimmten Gedenktagen, etwa Bismarcks Geburts- oder Todestag, wurden auf den Türmen Feuer entzündet. Die sollten die Verdienste Bismarcks als „Schmied des Deutschen Reiches“ durch Flammen sichtbar machen, heißt es auf dem Portal.

Der Bismarckturm in Essen-Kray ist von Bäumen umgeben

Und so brannte das Feuer auf dem Bismarckturm in Essen-Kray gleich zwei Tage nach seiner Eröffnung am 29. Juli 1900, an Bismarcks Todestag. Danach seien nur noch drei Daten bekannt, an denen oben auf dem Turm ein Feuer brannte. Laut bismarcktürme.net soll die Feuerschale oben auf dem Turm einen Durchmesser von drei Metern gehabt haben. Der Lichtschein muss kilometerweit sichtbar gewesen sein.

Was sind Bismarcktürme?

Bismarcktürme gehören zu den Bismarck-Denkmälern. Sie wurden erbaut, um den Gründer des Deutschen Reiches, Otto von Bismarck, zu ehren. An manchen dieser Türme waren oben Feuerschalen angebracht. Dort sollte zu bestimmten Gedenktagen etwa an Bismarcks Geburstag am 1. April ein Feuer brennen. Die Flammen sollten seine Verdienste als „Schmied des Deutschen Reiches“ sichtbar machen und von weitem zu sehen sein.

(Quelle: Informationsportal zu Bismarcktürmen)

Der Bismarckturm in Essen ist mehr als 16 Meter hoch.

Seit dem 10. Juli 1986 steht der Bismarckturm in Essen-Kray unter Denkmalschutz. Die Feuerschale, das Bismarckwappen und ein Wärterhaus waren da schon verschwunden. Noch heute ist oben am Turm aber das Bismarck-Schriftzeichen zu sehen, auch wenn die goldene Farbe mit den Jahren verblasst ist. Wer heute den Bismarckturm besucht, kann sich auf einer der Bänke unweit des Denkmals ausruhen. Die wurden 2010 dort aufgestellt – als sogenannte „Ruhebänke“.

Mechtenbergpark in Essen-Kray: Besonderes Ausflugsziel mitten in der Natur

Der Turm liegt mitten im Landschaftsberg Mechtenberg zwischen Essen, Bochum und Gelsenkirchen. Felder und Obstwiesen prägen hier die Aussicht. Sie sollen als Mischung aus landwirtschaftlichen Flächen, Naherholung und Naturschutzgebiet bilden, heißt es bei der Touristenauskunft zur Industriekultur im Ruhrgebiet. In der Region gibt es einige naturnahe Orte, wo Interessierte Erholung finden. Der Landschaftspark Mechtenberg hat eine Fläche von 290 Hektar. Seinen Namen hat er von dem gleichnamigen Berg am Rande des Parks. Auf dem Weg zum Bismarckturm auf dem Mechtenberg kann man in der Ferne die Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen erkennen. Die Himmelstreppe oben auf dieser brennenden Halde ragt weit über den Horizont hinaus. Sie ist eine von mehreren kuriosen Sehenswürdigkeiten in Gelsenkirchen.

In Europa stehen heute noch einige Bismarcktürme, etwa in Deutschland, Frankreich, Tschechien und Polen. Aber auch in Kamerun, Tansania und Chile sind solche Türme gebaut worden. Wie das Portal zu Bismarcktürmen berichtet, stehen heute noch 175 dieser Denkmäler. Ähnliche Bauwerke in Dänemark und Papua-Neuguinea existieren heute nicht mehr. Bismarcktürme sehen sich oft ähnlich. Das liegt daran, dass der Architekt Wilhelm Kreis Ende des 19. Jahrhunderts bei einem Wettbewerb der Deutschen Studentenschaft den ersten Preis gewonnen hatte. Sein Entwurf eines Bismarckturms mit dem Titel „Götterdämmerung“ sollte Vorbild für alle Türme sein. Nicht überall hielt man sich aber an den Entwurf. Manche beauftragten eigene Architekten. Und so stehen etwa in Köln, Weimar und Aachen ganz andere Arten von Birmarcktürmen. (ebu)

Rubriklistenbild: © Jochen Tack/imago

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare