Am Wochenende

Nach Szenen in Essen: Polizei konnte weitere Ausschreitungen in NRW verhindern

Die Polizei Essen will Szenen wie bei der Massenschlägerei vom 16. Juni unbedingt verhindern. Dafür werden verstärkt Kontrollen durchgeführt – mit Erfolg.

Essen – Die Massenschlägereien zwischen zwei großen Gruppen in Essen und Castrop-Rauxel haben die Rufe nach einem strikten Durchgreifen lauter werden lassen. So forderte beispielsweise die CDU-Bundestagsabgeordnete Serap Güler härtere Strafen gegen kriminelle Mitglieder der Großfamilien. Auch die Polizei Essen befindet sich seit den Ausschreitungen in Alarmbereitschaft. Erneute Gewaltexzesse, wie die von Mitte Juni, sollen unbedingt verhindert werden. Die Einsatzkräfte setzen verstärkt auf Kontrollen – und konnten so am Wochenende weitere Auseinandersetzungen verhindern.

Kontrollen in Essen: Polizisten können weitere Ausschreitungen verhindern

„Die Polizei Essen hat auch am vergangenen Wochenende mit einer Vielzahl von Kräften Kontrollen durchgeführt und deutliche Präsenz im gesamten Stadtgebiet gezeigt“, teilte die Polizei Essen am Montag (26. Juni) mit. Demnach seien die üblichen Polizeistreifen, aber auch Einsatzkräfte der Hundertschaft in den vergangenen Tagen im Einsatz gewesen. Im Fokus der Einsatzkräfte: Verdächtige Gruppen und Fahrzeuge. Und die Maßnahmen hatten Erfolg, so die Polizisten: „Offensichtlich gelang es den Einsatzkräften dadurch, weitere Auseinandersetzungen zwischen den beiden Parteien zu verhindern“.

Massenschlägereien in Essen und Castrop-Rauxel – Clan-Kriminalität

► NRW-Innenminister Reul sieht einen Zusammenhang zwischen den beiden jüngsten Massenschlägereien im Ruhrgebiet, er rechnet sie der Clankriminalität zu. 

► NRW-Innenminister Herbert Reul sieht bei den Ausschreitungen in Essen und Castrop-Rauxel eine Auseinandersetzung im Clan-Milieu. Demnach hätten die Massenschlägereien gezeigt, „dass die Landesregierung die Machenschaften krimineller Clans weiterhin bekämpfen muss und wird“. Zudem vermutet der CDU-Politiker auch einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen in Essen und Castrop-Rauxel: „Das sieht für mich nicht unbedingt nach einem Zufall aus“, sagte Reul im Innenausschuss.

► Auch die Polizei Essen geht von einer Auseinandersetzung im Clan-Milieu aus, wie ein Polizeisprecher auf Nachfrage von wa.de sagte.

► Der Islamwissenschaftler und Clan-Experte Ralph Ghadban vermutete im Interview mit den Tagesthemen, dass Clan-Streitigkeiten ursächlich für die Massenschlägereien in Essen und Castrop-Rauxel sind.

► Im Gegensatz dazu sieht der zuständige Dortmunder Oberstaatsanwalt Carsten Dombert laut der dpa bislang keine Hinweise auf einen Clan-Hintergrund – etwa Verteilungskämpfe im Milieu krimineller Familien.

Nach möglichen Clan-Ausschreitungen in Essen: Polizisten finden Messer und Machete

Zudem wurde die Polizei bei den Kontrollen auch fündig – bei einem 28-Jährigen sogar gleich mehrfach. Bei dem Essener fanden die Einsatzkräfte am Samstagabend (24. Juni) bei einer Kontrolle einer größeren Gruppe ein Messer, das er versteckt an seiner Halskette trug. In seinem Auto lag zudem eine Machete in der Fahrertür. Bei einem anderen 28-Jährigen fanden die Polizistinnen und Polizisten ein verbotenes Einhandmesser. Bereits am Tag zuvor war ein solches verbotenes Messer bei einer Fahrzeugkontrolle gefunden worden – gemeinsam mit knapp 27.000 Euro.

Die Polizei war nach den gewaltsamen Clan-Ausschreitungen auf dem Salzmarkt in Essen mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort.

Polizei Essen: Nach Clan-Ausschreitungen weiterhin verstärkte Präsenz

Die vielen Kontrollmaßnahmen der Polizei hatten bereits in den vergangenen Tagen immer wieder teils erschreckende Ergebnisse hervorgebracht: Immer wieder kamen Waffen zum Vorschein, die unter anderem im Gebüsch versteckt worden waren, darunter Messer, Macheten und etliche Schlaggegenstände. Sogar eine Maschinenpistole sei gefunden worden, wie NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte.

Die Polizei Essen hatte bereits angekündigt, dass auch in den kommenden Tagen viele Polizistinnen und Polizisten auf den Straßen unterwegs sein werden, um neue Ausschreitungen zu verhindern. Nach Meinung mancher könnten die Auseinandersetzungen in Castrop-Rauxel und Essen erst der Anfang der Clan-Eskalation in NRW gewesen sein. So sprach der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Manuel Ostermann im Gespräch mit Bild von einem gefährlichen „Kipp-Punkt“ der im Clan-Milieu nun erreicht sei. (mg)

Rubriklistenbild: © Markus Gayk/dpa

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