Buch gibt Einblicke
Als Staatsgäste in der Villa Hügel speisten – es gab auch die ein oder andere Panne
In der Villa Hügel in Essen kamen über 150 Jahre immer wieder Regierende und Staatsgäste zu Festessen zusammen. Ganz pannenfrei blieben die Treffen allerdings nicht.
Essen – Sie ist bereits von weitem sichtbar – die Villa Hügel am Baldeneysee in Essen. Seit den 1860er Jahren wohnten in dem Anwesen, das aus einem großen und einem kleinen Haus besteht, verschiedene Familienmitglieder der Familie Krupp. Neben der Villa Hügel steht außerdem noch eine zweite geheimnisvolle Villa. In der Villa Hügel selbst hielten Kaiser und Staatsgäste auch immer wieder Festessen ab. In seinem Buch blickt der Politologe und Autor Knut Bergmann im Auftrag des Krupp-Archivs nun auf 150 Jahre Festessen im Anwesen am Baldeneysee zurück. Neben Menüs mit zahlreichen Gängen gab es dabei auch die ein oder andere Panne.
| Villa Hügel | |
|---|---|
| Adresse: | Hügel 1, 45133 Essen |
| Eröffnung: | 1873 |
| Anzahl Zimmer: | 269 |
Festessen fanden in der Villa Hügel in Essen seit der Zeit von Kaiser Wilhelm II immer wieder statt
In seinem Buch betrachtet Bergmann rund 2500 erhaltene Menükarten. Die Festessen reichen dabei zurück bis in die Zeit von Kaiser Wilhelm II. Dessen Hofarchitekten wurden laut dem Betreiber der Villa Hügel Anfang des 19. Jahrhunderts für eine neue Gestaltung des Anwesens als Berater hinzugezogen. Im Laufe seiner Herrschaft, ließ sich Kaiser Wilhelm II. des Öfteren in der Villa Hügel blicken, um dort Festessen zu veranstalten. Mit Alfried Krupp nahm 1965 bei einer Senatssitzung der Max-Planck-Gesellschaft auch der ehemalige Krupp-Chef an einem der Festessen teil.
Alfried Krupp
Alfried Felix Alwyn Krupp von Bohlen und Halbach war ein deutscher Ingenieur und der letzte persönliche Alleininhaber der Friedrich Krupp AG. Er wurde am 13. August 1907 als Kind von Bertha Krupp und Gustav von Bohlen und Halbach geboren. Im Jahr 1943 übernahm Alfried Krupp die Firma Fried. Krupp als alleiniger Inhaber. Kurz vor seinem 60. Geburtstag starb Alfried Krupp am 30. Juli 1967 an den Folgen von Lungenkrebs.
Auch Könige, Bundespräsidenten und 2001 der damals noch freundlich begrüßte russische Präsident Wladimir Putin kamen zu Feierlichkeiten an den Baldeneysee. Über viele Jahre gehörte ein Besuch des einstigen Wohnhauses der Familie Krupp zum Standardprogramm hochkarätiger Staatsbesuche in Deutschland.
Die Festessen mit zahlreichen Gängen waren dabei eine großbürgerliche Demonstration von Status, wie der Leiter des Krupp-Archivs, Ralf Stremmel erklärt. Zugleich ging es – modern ausgedrückt – ums „Netzwerken“, also um Vertrauen und Nähe zu den Gästen. „Direkt übers Geschäft geredet wurde dabei nicht, das kam vorher oder hinterher“, so Stremmel.
Festessen in der Villa Hügel hatten meist umfassende Menüs – Peinlicher Moment in den 1920ern
Zu Essen gab es in der Villa Hügel oft mehr als genug: So auch bei einem Besuch von Kaiser Wilhelm Ende Oktober 1896, als sich dieser auf einem Schießplatz Krupp-Geschütze vorführen ließ. Serviert wurde zum Mittagessen Linsensuppe, Rindersteak, Poularden, Salat und Käse, wie aus dem Buch Bergmanns hervorgeht. Wenige Stunden später folgte dann auf dem Hügel das eigentliche Festessen mit Kaviar, Austern, danach Taubensuppe, Seezunge, Hasenfilet mit Edelpilzen, einem Kuchen mit Buttercreme und zum Abschluss noch ein Käsebrötchen mit Obst.
Neben festlichen Menüs gab es allerdings auch peinliche Momente. Einer dieser Momente war eine Panne aus den 1920er Jahren, als ein sowjetischer Techniker Fingerschalen mit Wasser und Zitrone zum Reinigen der Hände nach Meeresfrüchte-Gerichten nicht kannte. Statt diese wie vorgesehen zu nutzen, trank er aus der Schale.
Auch in der heutigen Zeit wird die Villa Hügel noch für Essen genutzt
Auch in den vergangenen Jahren wurde gelegentlich in der Villa Hügel immer noch getafelt. Die Menüs fielen dabei allerdings viel bescheidener aus als einst. So gab es zur 200-Jahr-Feier des Unternehmens 2011 gerade einmal vier Gänge: Hummer, eine Tauben-Essenz, Lamm und einen Quitten-Nachtisch. Anders als früher wurden diese allerdings nicht in der Villa gekocht, sondern vom Caterer geliefert. (jr mit dpa)
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