Vibrationen

Erdbeben in NRW gemessen: Ursache war wohl Bombensprengung

Für Oberhausen und Bottrop gab es eine Erdbeben-Meldung: Doch dahinter könnte eine Fehlmessung stecken. Es gab zwar Vibrationen – aber woanders.

Bottrop/Oberhausen – Am Mittwochabend schlugen die Messgeräte an: ein mögliches Erdbeben im Bereich Oberhausen-Königshardt beziehungsweise Bottrop-Fuhlenbrock. Die Erdbebenstation Bensberg der Uni Köln verzeichnete eine Erschütterung, ein Sprecher bestätigte auf Nachfrage vonwa.de: Um 22.40 Uhr war dort am Abend eine leichte Erschütterung der Magnitude 1.1 im Bereich Königshardt gemessen worden.

Erdbeben in Oberhausen-Königshardt gemessen: eine Fehlinterpretation?

Die Vermutung lag nahe, dass die Ursache für das Beben im ehemaligen Bergwerk Prosper-Haniel liegen könnte. Bergbaubeben gab und gibt es in im Ruhrgebiet immer wieder, auch an der Zeche Prosper-Haniel, die 2018 ihren Betrieb eingestellt hatte. Grund für derartige Beben-Ereignisse unter anderem: Wenn Boden in die ehemaligen Flöze absinkt, kann es zu Verwerfungen und Vibrationen kommen.

Jetzt aber stellt sich heraus: Wahrscheinlich gibt es eine andere Ursache für die Vibration – die in einer ganz anderen Stadt liegt. Kasper Fischer leitet das Seismologisches Observatorium der Ruhr-Universität Bochum, an dem jedwede Bodenbewegungen im näheren Umkreis gemessen werden können. Er sagt auf Nachfrage von wa.de: „Unsere Station ist deutlich näher an Bottrop und Oberhausen dran – wenn da die Erde gebebt hätte, hätten wir das erfasst.“ Zwar weist auch die Messstation des Instituts eine Bodenbewegung um 22:40 Uhr am 21. Juni aus – aber nicht in Bottrop oder Oberhausen, sondern in Essen. Wie kann das sein?

Vibration wahrscheinlich auf Bombensprengung in Essen zurückzuführen

„Es handelte sich dabei sehr wahrscheinlich um eine Fehllokalisation der Sprengung in Essen“, sagt Fischer. So war am Mittwochmittag bei Bauarbeiten in Essen-Bochold eine fünf Zentner Fliegerbombe britischer Art gefunden worden. Rund 500 Menschen hatten evakuiert werden müssen. Gegen 22:40 Uhr war der Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg dann gesprengt worden – die Vibrationen hätten die Geräte am Institut in Köln womöglich falsch verortet, so Fischer.

Bergbauregionen waren regelmäßig von Beben betroffen

Dass es aber grundsätzlich zu kleinen Erschütterungen rund um ehemalige Bergbauregionen kommen kann, ist nicht ungewöhnlich. Während der aktiven Bergbauphase gab es beinahe täglich minimale Erdbewegungen in der Nähe der Zechen wie in Bottrop.

Prosper-Haniel war die letzte aktive Steinkohle-Zeche im Ruhrgebiet. 2018 wurde sie geschlossen.

Seitdem diese stillgelegt worden sind, ist es zwar deutlich ruhiger geworden, trotzdem kann es durch angestiegenes Grubenwasser und absinkende Flöze zu Bergbau-Erdbeben kommen. Ansonsten ist eine Erdbeben-Gefahr in NRW sehr gering.

Bombenfunde und Sprengungen gibt es im Ruhrgebiet hingegen regelmäßig. Erst vor wenigen Tagen waren in Bottrop zwei Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Während solche Sprengungen in der Regel ohne Komplikationen verlaufen, waren im April bei einer Sprengung in Essen mehrere Häuser beschädigt worden.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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